30 Me­ter un­ter dem See

Se­rie Die ei­nen aa­len sich am Ufer des frän­ki­schen Brom­bach­sees in der Son­ne, die an­de­ren ar­bei­ten un­ten im Stau­damm – ein Ar­beits­platz, der auch ein biss­chen un­heim­lich sein kann

Mittelschwaebische Nachrichten - - Bayern -

Bay­ern ist ein Land der Ex­tre­me – auch in Hö­hen­me­tern. Mal in luf­ti­ge Sphä­ren, mal tief un­ter die Ober­flä­che führt die neue Se­rie „Bay­ern – ganz un­ten und ganz oben“. Heu­te geht es in die Tie­fe.

Pleinfeld Wenn Alex­an­der Bähr in die Tie­fe steigt, muss er sich auch im Som­mer ei­ne Ja­cke an­zie­hen. So­gar bei 30 Grad Au­ßen­tem­pe­ra­tur ist es im Damm des gro­ßen Brom­bach­sees in Mit­tel­fran­ken fri­sche zehn Grad kühl und an ei­ni­gen Stel­len ein we­nig neb­lig. An­fangs ha­be er sei­nen un­ge­wöhn­li­chen Ar­beits­platz auch ein we­nig „gru­se­lig“ge­fun­den, er­zählt der 50-jäh­ri­ge Ma­schi­nen­bau­tech­ni­ker vom Was­ser­wirt­schafts­amt Ans­bach. Ganz al­lei­ne ist er meist in den Gän­gen rund 30 Me­ter un­ter dem See un­ter­wegs. Das lei­se Plät­schern des Si­cker­was­sers ha­be sich aus der Fer­ne manch­mal wie Stim­men an­ge­hört. Nach 17 Jah­ren sind die Kon­troll­gän­ge je­doch zur Rou­ti­ne ge­wor­den – und an hei­ßen Ta­gen ei­ne schö­ne Ab­küh­lung.

Der Brom­bach­see bei Pleinfeld rund 40 Ki­lo­me­ter süd­lich von Nürn­berg ge­hört zum frän­ki­schen Se­en­land, das im Som­mer 2000 er­öff­net wur­de. Mit­hil­fe der fünf künst­lich ge­schaf­fe­nen Stau­se­en wird Was­ser aus dem re­gen­rei­chen Do­n­au­ge­biet in das nie­der­schlags­ar­me Ma­in­ge­biet ge­lei­tet. Denn in Nord­bay­ern gibt es we­sent­lich we­ni­ger Nie­der­schlä­ge als im Sü­den. Au­ßer­dem soll­te der Brom­bach­see da­zu die­nen, ver­hee­ren­de Hoch­was­ser an der Alt­mühl zu ver­hin­dern, wie Bähr sagt. Im neun Qua­drat­ki­lo­me­ter gro­ßen Brom­bach­see – dem größ­ten staat­li­chen Was­ser­spei­cher Bay­erns – wird Hoch­was­ser aus der Alt­mühl ge­spei­chert und bei Be­darf in das Reg­nitz-Main-Ge­biet ab­ge­ge­ben. Au­ßer­dem ent­stand ei­ne gro­ße Frei­zeit­land­schaft für Was­ser­sport­ler, Rad­ler und Son­nen­an­be­ter. Wäh­rend die­se sich auf dem See oder an des­sen Ufer ver­gnü­gen, muss Alex­an­der Bähr nach­schau­en, ob in dem 1,7 Ki­lo­me­ter lan­gen Damm auch al­les sei­ne Ord­nung hat. Ein­mal die Wo­che macht er sei­nen ein­ein­halb­stün­di­gen Kon­troll­gang. Ein Fahr­rad steht in ei­nem der lan­gen Gän­ge be­reit.

Bähr liest dann un­ter an­de­rem an den 40 Ma­no­me­tern den Druck ab, den das Was­ser auf den Damm aus­übt. Der bis zu 26 Me­ter brei­te Damm­kern aus san­di­gem Ton und Lehm ver­hin­dert, dass Was­ser aus dem See auf die an­de­re Sei­te ge­langt. Ob der Damm sei­ne Auf­ga­be er­füllt, kon­trol­liert Bähr am so­ge­nann­ten Fil­ter aus grob­kör­ni­gem Sand. Die­ser ist 3,75 Me­ter breit und gut durch­läs­sig: Si­ckert Was­ser durch den Damm, fließt es hier nach un­ten, wird auf­ge­fan­gen und kann von Bähr mit­hil­fe von Be­häl­ter und Stopp­uhr ge­mes­sen wer­den. Nur 0,04 Li­ter Was­ser lau­fe pro Se­kun­de durch den ge­sam­ten Damm – „zwei Schnaps­glä­ser“, sagt Bähr.

Deutsch­land­weit ge­se­hen liegt der Brom­bach­see-Stau­damm nach An­ga­ben des Deut­schen Tal­sper­ren­ko­mi­tees bei der Grö­ße im obe­ren Mit­tel­feld. In­ter­na­tio­nal ist der Damm eher ein Zwerg: Man­che Stau­däm­me sind mehr als 300 Me­ter hoch. Von der See­sei­te aus sieht er wie ein gras­be­wach­se­ner Hü­gel aus, ein Fahr­rad- und Fuß­weg führt dar­über. Auf der an­de­ren Sei­te fließt Was­ser in ei­ne Wei­h­er­ket­te. In­nen treibt es das Kraft­werk an: In der Ar­ma­tu­ren­kam­mer dröh­nen die Tur­bi­nen. Soll­te hier Was­ser ein­drin­gen, löst ein Mecha­nis­mus die Schlie­ßung der Tür aus. So kann kein Was­ser ins Kraft­werk lau­fen.

Bähr schaut der­weil nach, ob an und in den Steue­rungs­käs­ten al­les in Ord­nung ist. Be­den­ken über den Damm hält er ent­ge­gen: „Es gibt mehr als 1000 Mess­ein­rich­tun­gen, die die Si­cher­heit des Damms über­wa­chen. Wir sind uns da­her ganz si­cher, dass er funk­tio­niert.“Zum Schluss schaut Bähr noch im Gr­undab­lass vor­bei. Von hier aus könn­te man den See im Ka­ta­stro­phen­fall lee­ren. Da­her hat nicht je­der Zu­gang, der Raum ist mit drei Schlös­sern ge­si­chert. Sorg­fäl­tig schließt Bähr die Tür ab und macht sich dann auf den Weg zu­rück ans Ta­ges­licht. Ca­the­ri­ne Si­mon, dpa

Fo­to: Da­ni­el Kar­mann, dpa

30 Me­ter un­ter dem See Fahr­rad fah­ren – ein nicht all­täg­li­cher Be­rufs­all­tag. Für Alex­an­der Bähr ganz nor­mal. Er ra­delt durch den Kon­troll­gang im Damm.

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