Der Ta­xi Knig­ge

Was gilt beim Um­gang von Fah­rern mit ih­ren Gäs­ten? Das ist er­laubt und das nicht

Mittelschwaebische Nachrichten - - Geld & Leben - Bmi@augs­bur­ger all­ge­mei­ne.de

Frank­furt am Main Nach ei­ner durch­zech­ten Nacht, ei­ner an­stren­gen­den Rei­se oder bei ver­pass­ter Stra­ßen­bahn auf dem Weg zum Ge­schäfts­ter­min – das Ta­xi ist oft die letz­te Ret­tung. Doch hin und wie­der kommt es zu Rei­be­rei­en und ku­rio­sen Si­tua­tio­nen. Wel­che Rech­te und Pflich­ten ha­ben die Fah­rer ei­gent­lich? Und was darf sich der Gast her­aus­neh­men, wann soll­te er sich zu­rück­neh­men und wor­auf be­ste­hen? „Das ers­te Miss­ver­ständ­nis pas­siert häu­fig be­reits am Ta­xi­stand. Der Fahr­gast fühlt sich ver­pflich­tet, das in der Rei­he vor­ne ste­hen­de Ta­xi zu neh­men“, sagt Fre­de­rik Wil­helms­mey­er vom Deut­schen Ta­xi- und Miet­wa­gen­ver­band (BZP). Tat­säch­lich dür­fe man aber selbst aus­wäh­len, wo man ein­steigt. Auch den Sitz­platz in­ner­halb des Wa­gens darf sich der Gast aus­su­chen. Au­ßer­dem hat der Fah­rer zu­nächst ein­mal kein Recht dar­auf, ei­nen Gast ab­zu­wei­sen. „Es gibt ei­ne so­ge­nann­te Be­för­de­rungs­pflicht. Die gilt auch für Kurz­stre­cken, aber nicht für Langstre­cken. Letz­te­re darf der Fah­rer ab­leh­nen.“

Ver­sto­ße der Fah­rer grund­los ge­gen die Be­för­de­rungs­pflicht im so­ge­nann­ten Pflicht­fahr­ge­biet, kön­ne ein Buß­geld fäl­lig wer­den. Aus­nah­men sind aber zum Bei­spiel, wenn der Fahr­gast stark al­ko­ho­li­siert oder ag­gres­siv auf­tritt. „Der Fahr­gast er- füllt in die­sen Fäl­len nicht die Vor­aus­set­zun­gen, be­för­dert zu wer­den, und der Fah­rer darf und soll­te ihn ab­leh­nen“, sagt Po­li­zei­spre­cher Man­fred Füll­hardt in Frank­furt. Dar­über hin­aus gibt es wei­te­re Fäl­le, in de­nen der Fah­rer ein Recht hat, die Mit­nah­me zu ver­wei­gern.

„Ist das Ta­xi nicht mit ei­nem ge­eig­ne­ten Kin­der­sitz aus­ge­stat­tet, kann und darf er Kin­der nicht mit­neh­men“, sagt Wil­helms­mey­er. Ei­ne Ver­pflich­tung, Ta­xis mit Kin­der­sit­zen aus­zu­stat­ten, gibt es aber nicht. Da­her rät er da­zu, beim Be­stel­len ei­nes Ta­xis ex­pli­zit nach ei­nem sol­chen Sitz zu fra­gen.

Auch das The­ma Haus­tie­re ist nicht un­kom­pli­ziert. „Der Fah­rer darf die Mit­nah­me ei­nes Hun­des oder ei­ner Kat­ze nicht grund­sätz­lich ver­wei­gern“, sagt Wil­helms­mey­er. Al­ler­dings kön­ne er so wie bei Ge­päck­stü­cken Ge­büh­ren ver­lan­gen, wenn dies in der ört­li­chen Ta­rif­ord­nung ge­re­gelt ist. „Der Fah­rer darf die Mit­nah­me auch ganz ver­wei­gern, wenn es sich um ein be­son­ders gro­ßes, ag­gres­si­ves oder ver­dreck­tes Tier han­delt.“

Mehr Gäs­te als das Ta­xi Sitz­plät­ze hat, dür­fen nicht ins Au­to. Im Kfz-Schein ist ge­nau ge­re­gelt, wie vie­le das sind. Bei Ge­päck­stü­cken hin­ge­gen gibt es kei­ne ge­ne­rel­le Ober­gren­ze. „Der Gast darf so vie­le Stü­cke mit­füh­ren, wie er möch­te, so­lan­ge sie im Kof­fer­raum oder im Fuß­raum ver­staut wer­den kön­nen“, sagt Wil­helms­mey­er. Al­ler­dings sei der Fah­rer nicht ver­pflich­tet, die Ge­gen­stän­de ein- oder aus­zu­la­den oder bis zur Woh­nungs­tür zu tra­gen. „Da­bei han­delt es sich um ei­ne frei­wil­li­ge Ser­vice-Leis­tung.“

Geht nun die Fahrt end­lich los, nach­dem die ers­ten De­tails ge­klärt sind, sorgt häu­fig die Stre­cken­wahl für Un­ei­nig­keit. „Grund­sätz­lich muss der Fah­rer den kür­zes­ten Weg zum Ziel wäh­len“, sagt Wil­helms­mey­er. Al­ler­dings dür­fe er in Ab­spra­che mit dem Gast auch ei­ne al­ter­na­ti­ve und stre­cken­mä­ßig län­ge­re Rou­te wäh­len. Das emp­fiehlt sich zum Bei­spiel bei ei­nem Stau oder Bau­ar­bei­ten. Was aber, wenn man ver­mu­tet, dass der Fah­rer ab­sicht­lich ei­ne län­ge­re Rou­te wählt?

Na­tür­lich kön­ne man das zur An­zei­ge brin­gen. „Aber man muss es auch ir­gend­wie be­wei­sen kön­nen. Das ist schwie­rig und setzt vor­aus, dass man sich aus­kennt“, sagt Füll­hardt. Da­her sei es ein­fa­cher für den Gast, sich bei ei­nem Ta­xi­ver­band oder beim Un­ter­neh­men selbst zu be­schwe­ren. „Wer sich übers Ohr ge­hau­en fühlt, soll­te auf je­den Fall die Num­mer des Ta­xis no­tie­ren.“Sie ste­he rechts in der Front­schei­be.

„Wich­tig ist, dass man sich ei­ne Quit­tung aus­stel­len lässt, auf der Start, Ziel, Da­tum und Uhr­zeit der Fahrt fest­ge­hal­ten wer­den“, sagt Kirsten Schie­kie­ra von der Stif­tung Wa­ren­test. Sie kennt die Tricks der schwar­zen Scha­fe un­ter den Fah­rern: „Das ein­zig si­che­re Zei­chen da­für ist, dass der Gast zum zwei­ten Mal in ei­ner Stra­ße oder an ei­ner Se­hens­wür­dig­keit vor­bei­kommt.“

Für Ta­xis gibt es kei­ne Son­der­rech­te. „Das fängt bei der An­schnall­pflicht an und geht über das Be­ach­ten der Ver­kehrs­schil­der bis hin zum Ein­hal­ten der Ge­schwin­dig­keits­be­gren­zun­gen“, sagt Wil­helms­mey­er. Soll­te der Gast des­halb ei­nen Ter­min oder sein Flug­zeug ver­pas­sen, be­stün­den kei­ne An­sprü­che an den Fah­rer oder das Ta­xi­un­ter­neh­men. Wer sich als Gast hin­ge­gen un­wohl fühlt, weil er Ver­kehrs­ver­stö­ße be­merkt, soll­te zü­gig han­deln. „Am bes­ten wei­sen Fahr­gäs­te den Fah­rer dar­auf hin. Än­dert er sein Ver­hal­ten nicht, soll­ten sie aus­stei­gen, zah­len und die In­nung über das Fehl­ver­hal­ten in­for­mie­ren“, sagt Schie­kie­ra. D. Pfis­ter, dpa

Die Su­che nach ei­nem Hand­wer­ker kann in Zeiten, in de­nen an al­len Ecken und En­den ge­baut, re­no­viert und ge­wer­kelt wird, mit­un­ter schwie­rig sein. Der ei­ne hat kei­ne Zeit oder kei­ne Lust, der an­de­re hat kei­nen gu­ten Ruf oder über­zo­ge­ne (fi­nan­zi­el­le) An­sprü­che. Ist nach et­li­chen Te­le­fo­na­ten end­lich ein Fach­mann ge­fun­den, hofft man das Bes­te. Meis­tens läuft dann ja auch al­les rei­bungs­los. So wie in die­sem Fall. Zu­min­dest auf den ers­ten Blick.

An­ge­sichts ei­ner de­fek­ten Ar­beits­plat­te in der neu­en Kü­che ob­lag es dem ga­ran­tie­ge­ben­den Ge­schäft, Er­satz zu be­schaf­fen und den Hand­wer­ker gleich da­zu. Der klin­gel­te al­so ei­nes Mor­gens an der Tür und stand schon in der Kü­che, be­vor er das „Gu­ten Mor­gen“aus­ge­spro­chen hat­te. Zack, zack, zack – schon war das Werk­zeug aus­ge­packt, die Plat­te aus mas­si­vem Ei­chen­holz in den vier­ten Stock ge­wuch­tet und die al­te fach­kun­dig ab­mon­tiert.

Dem Haus­herrn, der dem Tru­bel in der hei­mi­schen Kü­che ent­flie­hen woll­te, nö­tig­te die Ar­beits­ge­schwin­dig­keit der zwei schweig­sa­men Hand­wer­ker ge­hö­ri­gen Re­spekt ab, als er von ei­nem kur­zen Ein­kauf zu­rück in die ei­ge­nen vier Wän­de kam. „Fer­tig“, lau­te­te die knap­pe An­sa­ge. Ei­ne Un­ter­schrift hier, ei­ne Un­ter­schrift da und noch ein­mal dort. Und zum Ab­schluss bit­te noch kurz auf dem mit­ge­brach­ten Ta­blet auf ei­nen Smi­ley drü­cken: auf den la­chen­den bei volls­ter Zuf­rie­den­heit. Auf den wei­nen­den bei gro­ßer Ent­täu­schung. Oder auf ei­nen der bei­den da­zwi­schen. Über­for­dert von all den Ent­schei­dun­gen in­ner­halb ei­nem (ge­fühl­ten) Bruch­teil ei­ner Se­kun­de, lan­de­te der Fin­ger auf dem la­chen­den Gelb­ge­sicht und schon wa­ren die flin­ken Hand­wer­ker wie­der aus dem Haus.

Durch­schnau­fen. Ru­he ge­nie­ßen. Und dann mal die neue Ar­beits­plat­te ge­nau­er be­gut­ach­ten. Die ist wun­der­schön. Gu­te Ar­beit. Doch beim zwei­ten Blick auf das Werk der um­trie­bi­gen Be­su­cher, ent­glei­sen dem Smi­ley im Kopf die Ge­sichts­zü­ge. Sä­ge­spä­ne über­all – zwi­schen Glä­sern, Tel­lern, Müs­li und Äp­feln. Ei­ne of­fe­ne Fla­sche Was­ser aus dem Kühl­schrank – gern ge­sche­hen, hät­te man aber auch drü­ber re­den kön­nen. Und beim Blick in die Toi­let­te wird of­fen­sicht­lich, dass die Hand­wer­ker nicht nur in der Kü­che äu­ßerst ge­schäf­tig wa­ren. Na vie­len Dank auch!

Fah­rer kön­nen für Haus­tie­re Ge­büh­ren ver­lan­gen Ta­xis müs­sen sich an Ver­kehrs­re­geln hal­ten

Fo­to: Ma­scha Brich­ta, dpa

Zwi­schen Ta­xi­fah­rern und ih­ren Fahr­gäs­ten gibt es ei­ni­ge Re­geln, die es zu be­ach­ten gilt.

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