Die et­was an­de­re Schlaf­mu­sik

Mit Ba­rock en­de­te am Sams­tag das Rogz Open 2017. Was die Fans zur AC/DC-Tri­bu­te-Band ge­zo­gen hat und war­um an die­sem Abend Er­in­ne­run­gen ge­weckt wer­den

Mittelschwaebische Nachrichten - - Landkreis - VON PE­TER WIESER

Günz­burg Drei Ta­ge lang Rock vom Feins­ten: Am Don­ners­tag und Frei­tag hat­ten schon Bon­fi­re und Hel­ter Skel­ter beim Rogz Open 2017 den Schloss­platz be­ben las­sen. Für den Sams­tag hat­te sich Ba­rock, die wohl bes­te AC/DC-Tri­bu­te-Band, an­ge­kün­digt. Kaum je­mand dürf­te den Aus­tra­li­ern so na­he­kom­men wie die fünf Pro­fi-Mu­si­ker der aus Nürn­berg stam­men­den Co­ver-Band.

Sams­tag kurz nach 19 Uhr: Der Schloss­platz füllt sich lang­sam, aber si­cher. Als Vor­band heizt „Mis­si­on Rock ’n’ Roll“aus Thannhausen schon ein­mal mäch­tig ein. Gu­ter al­ter Rock, ehr­lich und hand­ge­macht, von „Poi­son“(Ali­ce Cooper) bis zu den „War­ri­ors of the World“(Ma­no­war). Bei „La Gran­ge“(ZZ Top) denkt man un­will­kür­lich an die ame­ri­ka­ni­schen Män­ner mit ih­ren lan­gen Bär­ten. Die Stim­mung ist bes­tens. Un­ter den Be­su­chern ist auch Mo­ni­ka Wies­mül­ler-Schwab. „Die Mu­sik ist ein­fach gut“, trifft es die stell­ver­tre­ten­de Land­rä­tin auf den Punkt. Was tat­säch­lich auf­fällt, ist das Pu­bli­kum: Fast al­le be­fin­den sich im „Mit­tel­al­ter“, ab 40 Jah­ren auf­wärts – und bis zum Auf­tritt von Ba­rock wer­den ge­ra­de die­se Fans im­mer mehr. Ihr Blick ist be­reits auf die rie­si­ge „Hell Bell“über, auf die vier Ka­no­nen auf und auf die „Ro- sie-Gum­mi­pup­pe“vor der Büh­ne ge­rich­tet.

War­um geht man zu Ba­rock, vor al­lem, wenn man schon um die 50 ist? Die Ant­wort ist ein­fach: Es ist der Rock ’n’ Roll, mit dem man auf­ge­wach­sen ist. Und dass Ba­rock ei­ne Co­ver­band ist, das stört kei­nen. Schon gar nicht die bei­den Fans im An­gus-Young-Out­fit, in Schul­uni­form, wei­ßen Ten­nis­so­cken und den Gib­son-Holz­gi­tar­ren: Kars­ten Men­zin­ger, 51, aus Main­hardt bei Schwä­bisch Hall und Geb­hard Fi­scher, 53, aus Salz­stet­ten bei Freu­den­stadt, die zu­sam­men mit Wolf­gang Lo­sert, 50, aus Gär­trin­gen bei Bö­blin­gen ex­tra nach Günz­burg an­ge­reist sind – drei ganz ein­ge­fleisch­te Fans. „Ich hör’ AC/DC seit dem 15. Le­bens­jahr“, sagt Geb­hard Fi­scher. Nur den Bon Scott, den ha­be er nicht mehr live er­lebt. Ba­rock sei­en eben die Bes­ten, weil sie al­les von AC/DC spiel­ten.

Claus Af­feld, 55, aus Jet­tin­gen ist mit sei­ner Toch­ter An­ne, 31, da. „Die bes­te Mu­sik al­ler Zeiten“, sagt An­ne und vor al­lem sei es die, die der Pa­pa hört und schon im­mer ge­hört hat. „AC/DC ist die Schlaf­mu­sik aus mei­ner Kind­heit. Da hat schon der Schnul­ler vi­briert“, fügt An­ne la­chend hin­zu. „Ich bin zwi­schen 50 und 60“, mehr will Ro­bert Kai­ser aus Bur­gau nicht mehr ver­ra­ten. Ge­kom­men sei er, um mit AC/ DC, oder viel­mehr mit Ba­rock, die gu­ten al­ten Zeiten wie­der zu er­le­ben und um die „al­ten Sä­cke“von frü­her auf ei­nem Hau­fen „mal wie­der zu tref­fen“, sagt er scher­zend. Und au­ßer­dem: Der An­gus Young sei, so wie er sich schon da­mals auf der Büh­ne be­wegt ha­be, als Rock­mu­si­ker et­was ganz Au­ßer­ge­wöhn­li­ches. Und sei­ne Frau Ger­lin­de, 56? „A biss­le“ge­fal­le ihr AC/DC schon. Zwar nicht al­les, aber trotz­dem sei sie mit ih­rem Mann mit­ge­kom­men. Se­bas­ti­an, 22, und Chris­ti­na, 17, aus Bi­ber­tal da­ge­gen sind zwei der re­la­tiv we­ni­gen jün­ge­ren Fans. Für sie sei­en AC/DC und Ba­rock fast wie ei­ne Rück­rei­se in al­te Zeiten.

„Rock ’n’ Roll Dam­na­ti­on“und „Back in Black“: In­zwi­schen röhrt Grant Forsters Stim­me – kaum zu un­ter­schei­den von AC/DC-Sän­ger Bri­an John­son – über den Schloss­platz. Le­ad­gi­tar­rist Eu­gen Tor­scher hüpft über die Büh­ne wie der leib­haf­ti­ge An­gus Young höchst­per­sön­lich. Bei „Bad Boy Boo­gie“ent­le­digt er sich sei­ner Schul­uni­form und streckt den Fans für ei­nen kur­zen Mo­ment sein Hin­ter­teil ent­ge­gen. Zu „Hells Bells“fährt die gro­ße Glo­cke von der Büh­nen­de­cke her­un­ter und als „For tho­se about to Rock“er­tönt, spu­cken die vier Ka­no­nen ab­wech­selnd Feu­er­bäl­le über die Büh­ne.

Die Fans sin­gen „She’s got the Jack“, tan­zen mit oder ge­nie­ßen ganz lo­cker mit ih­rem Bier oder der Co­la in der Hand das Ge­wit­ter aus Schwer­me­tall und sat­tem Rock ’n’ Roll, das von der Büh­ne her­ab­don­nert. Trotz­dem ist al­les ganz ent­spannt und fried­lich.

„Die Band ist sau­gut. Ganz na­he am Ori­gi­nal“, sa­gen Pe­ter Gil­lit­zer, 50, und Bri­git­te Bal­zer, 49, aus Ger­stet­ten. Das sind „Frei­heit und Mu­sik“, die sie mit ih­rer Ju­gend ver­bin­den. Nach gut zwei St­un­den ex­tre­mer Power und zwei Zu­ga­ben dür­fen die Fans wie­der her­un­ter­fah­ren. Grant Forster, Eu­gen Tor­scher, Wolf „Ba­ba“Hail, Nick Young und Er­win Rie­der ver­nei­gen sich ein letz­tes Mal.

„Die Band ist ein­fach der Wahn­sinn“, meint Pe­ter Wei­ßen­hor­ner aus Rö­fin­gen am En­de. „Es wär’ jam­mer­schad’, wenn sie nicht mehr kom­men wür­den.“Im­mer­hin spiel­te Ba­rock am Sams­tag be­reits zum sechs­ten Mal in Günz­burg. Sei­ne Gib­son-Holz­gi­tar­re hat Geb­hard Fi­scher aus Salz­stet­ten üb­ri­gens im­mer noch auf dem Rü­cken: „Wenn es AC/DC mal nicht mehr gibt, dann gibt es im­mer­hin noch Ba­rock. Halt als Er­satz“, meint er und grinst.

Si­cher ist ei­nes: Ver­an­stal­ter Joe Jait­ner, in­zwi­schen eben­falls schon 60, hat am Sams­tag mit Ba­rock und auch mit Mis­si­on Rock ’n’ Roll voll ins Schwar­ze ge­trof­fen.

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