Ra­bia­ter Schlä­ger muss in Ju­gen­d­ar­rest

Nach ei­nem wüs­ten Streit am Köt­zer Ju­gend­treff fällt die Stra­fe für zwei 18-Jäh­ri­ge re­la­tiv mild aus

Mittelschwaebische Nachrichten - - Aus Der Heimat - VON WOLF­GANG KAH­LER

Günzburg Ei­ne ra­bia­te Prü­ge­lei hat ei­nem jun­gen Mann ges­tern ei­nen Kurz­auf­ent­halt hin­ter Git­tern ein­ge­bracht. Der 18-Jäh­ri­ge hat­te bei ei­nem wüs­ten Streit am Köt­zer Bau­wa­gen sei­nen Kon­tra­hen­ten zu Bo­den ge­streckt. Ein Mit­an­ge­klag­ter glei­chen Al­ters kam mit ei­ner Ar­beits­auf­la­ge da­von.

Sei­nem Rechts­an­walt ha­be es der jün­ge­re der bei­den An­ge­klag­ten zu ver­dan­ken, so Ju­gend­rich­ter Da­ni­el Theu­rer, dass die Stra­fe mit dem ein­wö­chi­gen Ju­gen­d­ar­rest re­la­tiv mild aus­fiel.

Ver­tei­di­ger Wal­ter Deist­ler hat­te nach Ver­le­sung der An­kla­ge ein Rechts­ge­spräch an­ge­regt. Deist­ler wies auf die wi­der­sprüch­li­chen Aus­sa­gen von sechs ge­la­de­nen Zeu­gen schon bei der Po­li­zei hin, die wei­te­re Er­mitt­lungs­ver­fah­ren zur Fol­ge ha­ben könn­ten.

Zur Schlä­ge­rei war es En­de Ju­li ge­gen 1 Uhr bei ei­ner Bau­wa­genFe­te in Kötz ge­kom­men. Nach ei­nem zu­nächst ver­ba­len Streit wa­ren ei­ni­ge mehr oder we­ni­ger stark al­ko­ho­li­sier­te Män­ner auf­ein­an­der los­ge­gan­gen. Da­bei er­litt das zu Bo­den ge­gan­ge­ne Op­fer ein Schä­delHirn-Trau­ma und muss­te zwei Ta­ge sta­tio­när in der Ul­mer Uni­k­li­nik be­han­delt wer­den, ein wei­te­res hat­te durch ei­nen Faust­schlag ein Hä­ma­tom im Ge­sicht da­von­ge­tra­gen. In der An­kla­ge war der Tat­ort als „Blau­wa­gen“in Kötz be­schrie­ben. Noch vor Be­ginn der Ver­hand­lung wur­de im Ge­richts­saal dar­über ge­rät­selt, ob da­mit eher der Zu­stand der Be­su­cher des Treff­punk­tes ge­meint sein kön­ne.

Von den sie­ben ge­la­de­nen Zeu­gen hat­te es ei­ner vor­ge­zo­gen, gar nicht erst zur Ver­hand­lung zu kom­men. Ge­gen ihn ver­häng­te der Ju­gend­rich­ter ein Ord­nungs­geld, er­satz­wei­se zwei Ta­ge Haft. Die üb­ri­gen sechs Zeu­gen, dar­un­ter drei jun­ge Frau­en, muss­ten nicht mehr aus­sa­gen. Als Fol­ge des Rechts­ge­sprächs zwi­schen Rich­ter, den bei­den Ver­tei­di­gern und der Staats­an­wäl­tin konn­te das Ver­fah­ren er­heb­lich ab­ge­kürzt wer­den. Den bei­den An­ge­klag­ten wur­de ei­ne deut­lich mil­de­re Stra­fe in Aus­sicht ge­stellt, so­fern sie die Vor­wür­fe ein­räum­ten. Die bei­den 18-Jäh­ri­gen ge­stan­den. Dem jün­ge­ren An­ge­klag­ten war nicht nur ge­fähr­li­che Kör­per­ver­let­zung, son­dern auch al­ko­ho­li­sier­tes Fah­ren oh­ne Füh­rer­schein zur Last ge­legt wor­den. Er hat­te sich das Au­to der Mut­ter ge­schnappt und war da­mit von Günzburg bis nach Neu-Ulm ge­fah­ren, wo er in ei­ne Po­li­zei­kon­trol­le ge­riet. Der nur we­ni­ge Mo­na­te äl­te­re Kum­pel hat­te sich au­ßer der Kör­per­ver­let­zung noch ei­ne An­kla­ge we­gen Be­lei­di­gung ein­ge­han­delt. Er hat­te Po­li­zei­be­am­ten den be­kann­ten Stin­ke­fin­ger ge­zeigt und ei­nen an­de­ren Ju­gend­li­chen üb­le Be­schimp­fun­gen an den Kopf ge­wor­fen.

Ganz un­be­schrie­be­ne Blät­ter sind bei­de üb­ri­gens nicht: Der Jün­ge­re hat­te be­reits Är­ger mit der Jus­tiz we­gen ei­ner Sach­be­schä­di­gung und ei­ner Dro­gen­sa­che, der Äl­te­re eben­falls we­gen Dro­gen­kon­sums.

Nur we­gen des Ge­ständ­nis­ses und der Ent­schul­di­gung kön­ne beim 18-jäh­ri­gen Schlä­ger ein ein­wö­chi­ger Ju­gen­d­ar­rest gera­de noch als aus­rei­chen­de Stra­fe ver­tre­ten wer­den, sag­te die Staats­an­wäl­tin. Der Vor­wurf der ge­mein­schaft­li­chen ge­fähr­li­chen Kör­per­ver­let­zung wur­de aus Man­gel an Be­wei­sen fal­len ge­las­sen. Die bei­den Ver­tei­di­ger be­rie­fen sich in ih­ren Plä­doy­ers auf das Rechts­ge­spräch. An­walt Deist­ler ver­wies dar­auf, dass die Aus­ein­an­der­set­zung am Bau­wa­gen wohl durch ge­gen­sei­ti­ge Be­lei­di­gun­gen und Schub­ser es­ka­liert sei, was aber kei­ne Not­wehr­si­tua­ti­on er­ge­ben ha­be. Ei­ne Wo­che Dau­er­ar­rest sei an­ge­mes­sen für sei­nen Man­dan­ten. Der zwei­te An­ge­klag­te muss 40 St­un­den ge­mein­nüt­zi­ge Ar­beit in ei­ner Ein­rich­tung leis­ten, die von der Ju­gend­ge­richts­hil­fe vor­ge­schla­gen wird.

Nach dem Ur­teil gab Ju­gend­rich­ter Theu­rer den bei­den 18-Jäh­ri­gen aus dem nörd­li­chen Land­kreis ei­ne deut­li­che Mah­nung mit auf den Weg. Wei­te­re Ver­feh­lun­gen hät­ten ei­nen „Drei­sprung“zur Fol­ge: Erst ei­ne Ar­beits­auf­la­ge, dann fol­ge der Ju­gen­d­ar­rest und als Nächs­te dro­he ei­ne Ju­gend­stra­fe von sechs Mo­na­ten bis zu zehn Jah­ren. Bei wei­te­ren De­lik­ten „wird ei­ne Be­wäh­rungs­auf­la­ge sehr kri­tisch ge­se­hen“, warn­te der Rich­ter.

Fo­to: Bern­hard Weiz­enegger

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