Nütz­li­che Idyl­le: Der Min­del­zel­ler Dorf­wei­her

Der idyl­li­sche Treff­punkt im Urs­ber­ger Orts­teil taugt auch als Re­gen­rück­hal­te­be­cken. Wie er sa­niert wer­den soll

Mittelschwaebische Nachrichten - - Landkreis - VON JO­SEF OSTERIED

Min­del­zell „Da hat sich der Bür­ger­meis­ter was Schö­nes aus­ge­dacht“, sag­te ei­ne Min­del­zel­le­rin zum Re­por­ter. Da­bei hat­te er nur nach dem Weg zum Wei­her ge­fragt. Idyl­lisch ge­le­gen, im Süd­wes­ten des Or­tes, ist der Wei­her „ein An­zie­hungs­punkt für den Ort, ein idea­ler Treff­punkt, Ge­ne­ra­tio­nen über­grei­fend“, wie Bür­ger­meis­ter Pe­ter Wal­bur­ger bei ei­nem Orts­ter­min er­klärt. Im Win­ter kann man, dank der Be­leuch­tung, auch am Abend noch Schlitt­schuh fah­ren. Im Som­mer kön­nen die Ein­hei­mi­schen Grill­fes­te feiern. Bän­ke la­den zum Ver­wei­len ein. Aber nicht nur Ein­hei­mi­sche dür­fen die Idyl­le ge­nie­ßen, auch Aus­wär­ti­ge sind herz­lich ein­ge­la­den, so der Bür­ger­meis­ter.

Der Dorf­wei­her ist kein Ba­de­see, da­zu ist er mit 80 Zen­ti­me­tern nicht tief ge­nug. Der Was­ser­stand sei be­wusst so nied­rig ge­hal­ten, weil der Wei­her ei­ne zwei­te Funk­ti­on er­füllt: Er dient als Was­ser­rück­hal­te­be­cken für das zu­rück­lie­gen­de Ein­zugs­ge­biet, vom Hang bis zum Wald hin­auf. In frü­he­ren Jah­ren gab es Über­schwem­mun­gen im Ort, wo­bei die Ka­nal­de­ckel in die Hö­he ge­schleu­dert wor­den wa­ren, so Pe­ter Wal­bur­ger.

Die Dorf­wei­he­ridyl­le will je­doch ge­pflegt sein, soll sie er­hal­ten blei­ben. So wur­de der Dorf­wei­her letz­tes Jahr ent­schlammt, es wur­den Gra­nit­blö­cke zur Ein­fas­sung des Wei­hers und zur Ver­schö­ne­rung der Op­tik an­ge­bracht. Die Ver­schlam­mung und Veral­gung blie­ben je­doch Pro­ble­me und sol­len nun durch die Augs­bur­ger Fir­ma Na­tursinn ge­löst wer­den. Der Lö­sungs­weg ha­be sich schon beim Na­tur­frei­bad in Thann­hau­sen be­währt, so Ge­schäfts­füh­rer Frank Ser­vos. Er sei zu­dem deut­lich güns­ti­ger als Aus­bag­gern. Den Wei­her wer­den Urs­ber­ger Bau­hof­mit­ar­bei­ter un­ter der An­lei­tung der Fir­ma be­han­deln.

Doch wie wird nun Al­gen und Schlamm zu Lei­be ge­rückt? Da­zu Frank Ser­vos: „Wir ak­ti­vie­ren die vor­han­de­ne Mi­kro­bio­lo­gie durch Ein­brin­gung ei­nes en­er­ge­ti­sier­ten Quarz­mehls.“Das hei­ße, die mo­bi­li­sier­ten Klein­le­be­we­sen ver­ar­bei­ten und ver­rin­gern den Nähr­stoff­über­schuss. Den Al­gen wer­de so­mit die Nah­rung ent­zo­gen, der Be­fall ge­he zu­rück. Als Fol­ge des ver­min­der­ten Al­gen­wachs­tums wer­de das Was­ser kla­rer und die Sicht­tie­fe neh­me zu.

Die Sa­nie­rung des Wei­hers wird jetzt in An­griff ge­nom­men, wo­bei es bei die­ser Selbst­hei­lung des Ge­wäs­sers zu Erst­ver­schlim­me­run­gen kom­men kön­ne, wie bei der Ho­möo­pa­thie. Ab Herbst soll­ten Ver­bes­se­run­gen sicht­bar sein, so Bür­ger­meis­ter Wal­bur­ger. Es gibt am Wei­her kei­nen Ki­osk, aber als Aus­flugs­ziel, als Treff­punkt ist er ein Schmuck­stück der Ge­mein­de, als Re­gen­rück­hal­te­be­cken dient er der Si­cher­heit der Min­del­zel­ler.

Fo­to: Jo­sef Osteried

Der Dorf­wei­her von Min­del­zell: Treff­punkt und Rück­hal­te­be­cken. Urs­bergs Bür­ger­meis­ter Pe­ter Wal­bur­ger (Mit­te) mit Jür­gen Loch­brun­ner vom Bau­amt (links) und Frank Ser vos von der Fir­ma Na­tursinn beim Orts­ter­min. Der Wei­her ist durch Al­gen trüb und ver­schlammt und soll sa­niert wer­den.

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