Tol­le WM – aber das ZDF sen­det Fuß­ball

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VON AN­TON SCHWANKHART

Wie fas­zi­nie­rend die ein­fa­chen Be­we­gungs­for­men des Lau­fens, Sprin­gens und Wer­fens wir­ken kön­nen, er­le­ben der­zeit all­abend­lich Mil­lio­nen Zu­schau­er an den TV-Ge­rä­ten. Die Leicht­ath­le­tik fei­ert mit der WM in Lon­don ei­nes ih­rer ho­hen Fes­te. Au­ßer­halb von Welt- und Eu­ro­pa­meis­ter­schaf­ten so­wie Olym­pi­schen Spie­len er­lebt sie das Schick­sal al­ler Sport­ar­ten im Schat­ten des Fuß­balls. Kei­ne Sen­de­zei­ten, kei­ne Wahr­neh­mung. Um­so mehr freut sich der Freund der olym­pi­schen Kern­sport­art der­zeit ge­ra­de auf je­den Abend.

Lei­der ist die Leicht­ath­le­tik auch an ih­ren bes­ten Ta­gen nicht vor Fuß­all si­cher. Wie schwach ih­re Po­si­ti­on ist, zeigt das Um­schal­ten des ZDF am Di­ens­tag nach Skopje, wo Real Madrid ge­gen Man­ches­ter Uni­ted um den Ue­fa-Su­per­cup kick­te. Ei­ne von vie­len Edel­me­tall­kan­nen, die der Fuß­ball in Auf­trag ge­ge­ben hat, um Sen­de­zeit ab­zu­schöp­fen. Ein­zi­ger deut­scher Ver­tre­ter in die­sem Wett­be­werb war To­ni Kroos von Real Madrid.

Nun ist die Teil­nah­me deut­scher Ath­le­ten so we­nig ent­schei­den­des Über­tra­gungs­kri­te­ri­um wie de­ren Er­folgs­aus­sich­ten. Wie mit­rei­ßend ei­ne WM auch oh­ne deut­sche Me­dail­len sein kann, ist in Lon­don zu be­sich­ti­gen. Kaum ei­ne Sport­art ver­sam­melt so vie­le ver­schie­de­ne Ty­pen bei­der Ge­schlech­ter – mit­un­ter auch in­ein­an­der lau­fen­de – wie die Leicht­ath­le­tik. Ein wun­der­ba­res Sam­mel­su­ri­um sport­li­cher In­di­vi­du­en. Man­chem Zu­schau­er wür­de es rei­chen, sie nur zu be­stau­nen.

Dar­über könn­te man fast ver­ges­sen, dass der ei­gent­li­che Sinn ih­res Tref­fens der Wett­kampf und das Ein­sam­meln von Edel­me­tall ist. Ge­nau da­mit ha­pert es bei den deut­schen Ath­le­ten noch. Ei­ne ein­zi­ge Sil­ber­me­dail­le hat die Lon­don-Ex­pe­di­ti­on bis­lang er­gat­tert – zu ver­dan­ken der Sie­ben­kämp­fe­rin Ca­ro­lin Schä­fer. Das be­trübt auch des­halb, weil Deutsch­land sich zu den Leicht­ath­le­tik-Na­tio­nen zählt. Der Staat in­ves­tiert groß­zü­gig in die Sport­för­de­rung und er­war­tet Ren­di­ten. Da ist vie­len ein Sil­ber­ling zur WM-Halb­zeit zu we­nig. Tat­säch­lich liegt die Er­folgs­quo­te un­ter den Er­war­tun­gen. Der Ku­gel­sto­ßer Da­vid Storl oder der St­ab­hoch­sprin­ger Ra­pha­el Holz­dep­pe ha­ben ent­täuscht. Auch Kat­ha­ri­na Mo­li­tor, die als Welt­meis­te­rin im Speer­wurf an­ge­reist war, ist un­ter ih­ren Mög­lich­kei­ten ge­blie­ben – wenn­gleich sie da­mit in ei­nem brei­ten Trend liegt. Das Welt­ni­veau der Leicht­ath­le­tik sinkt. Ei­ne er­freu­li­che Ent­wick­lung, die na­he­legt, dass der Do­ping­s­umpf aus­trock­net.

Deut­sche Me­dail­len­zäh­ler müs­sen die Hoff­nung üb­ri­gens noch nicht auf­ge­ben. Das Speer­wer­fen der Män­ner am Sams­tag ist edel­me­tall­träch­tig. Viel­leicht blei­ben die Öf­fent­li­chRecht­li­chen ja dann auf Sen­dung.

Foto: dpa

Ein­zi­ges Edel me­tall für Deutsch land: Ca­ro­lin Schä­fer.

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