Na­tur­schüt­zer wol­len ge­gen Er­wei­te­rung kla­gen

Ist beim Ge­wer­be­ge­biet Au­weg II der Ar­ten­schutz für die Helm-Azur­jung­fer, die Be­kas­si­ne und den Schwarz­blau­en Wie­sen­knopf­bläu­ling be­rück­sich­tigt? Zie­mets­hau­ser be­han­deln vie­le Fra­gen zu dem Be­bau­ungs­plan

Mittelschwaebische Nachrichten - - Landkreis - VON PE­TER VOH

Ziemetshausen Der Markt­ge­mein­de­rat hat­te in sei­ner letz­ten Sit­zung vor der Som­mer­pau­se neu­er­lich Stel­lung­nah­men Trä­ger öf­fent­li­cher Be­lan­ge und ei­ner Bür­ger­be­tei­li­gung zur Än­de­rung des Be­bau­ungs­plans „Er­wei­te­rung Ge­wer­be­ge­biet Au­weg II“zu be­han­deln. Hier geht es dar­um, dass sich die Fir­ma Holz­bau Au­mann zur Auf­recht­er­hal­tung der Wett­be­werbs­fä­hig­keit im An­schluss an ih­re be­ste­hen­den Fa­b­ri­ka­ti­ons­hal­len in nörd­li­cher Rich­tung aus­wei­ten und Pro­duk­ti­ons­an­la­gen aus dem Jahr 1994 durch neue, mo­der­ne er­set­zen will.

Der am Rand der jet­zi­gen An­la­gen und dann süd­öst­lich der neu­en Hal­len lie­gen­de Aus­sied­ler­hof mit Schaf­hal­tung und Schaf­zucht sei da­bei nicht ge­fähr­det, hieß es in der Rats­sit­zung. Im Rah­men der Bür­ger­be­tei­li­gung nach Aus­le­gung des Be­bau­ungs­plans be­fürch­tet der Land­wirt je­doch, dass durch das An­le­gen ei­nes neu­en Ent­wäs­se­rungs­gra­bens sei­ne Hof­stel­le bei star­ken Re­gen­fäl­len oder durch Schnee­schmel­ze über­flu­tet wer­den könn­te. Der Mark­t­rat nimmt dies zur Kennt­nis, be­teu­ert aber, dass im der ent­spre­chen­den Fach­pla­nung da­von aus­ge­gan­gen wer­den kön­ne, dass den Be­lan­gen des Be­trof­fe­nen in aus­rei­chen­dem Maß Rech­nung ge­tra­gen wer­de. Ent­spre­chend lau­te­te dann auch der ein­stim­mi­ge Be­schluss zum Ent­wurf der Be­bau­ungs­plan­än­de­rung.

We­sent­lich zeit­auf­wen­di­ger war die Be­hand­lung der Stel­lung­nah­men der Trä­ger öf­fent­li­cher Be­lan­ge (Be­hör­den), die von den Markt­rä­ten höchs­te Kon­zen­tra­ti­on er­for­der­te und nicht we­ni­ger als knapp vier­zig Be­schlüs­se nach sich zog. Das Land­rats­amt Günzburg nimmt zu­nächst den Im­mis­si­ons­schutz in den Blick und da­mit die De­fi­ni­ti­on des zu be­bau­en­den Ge­län­des. Im Ge­gen­satz zur Pla­nung, die von ei­nem Ge­wer­be­ge­biet spricht, be­trach­tet das Land­rats­amt das Are­al als In­dus­trie­ge­biet. Dem­zu­fol­ge gel­ten dort an­de­re (leicht hö­he­re) Lärm­schutz­gren­zen, ins­be­son­de­re auch bei Nacht. Dies be­zieht sich auf die süd­und west­lich des Ge­wer­be­be­trie­bes lie­gen­den Wohn­ge­bäu­de, die kei­nen schäd­li­chen oder un­zu­mut­ba­ren Lärm­be­läs­ti­gun­gen aus­ge­setzt wer­den dür­fen. Schall­tech­ni­sche Gut­ach­ten wer­den ge­for­dert. An­de­rer­seits muss der An­trag­stel­ler in Kauf dass von dem land­wirt­schaft­li­chen Be­trieb Emis­sio­nen in Form von Ge­ruch und Lärm aus­ge­hen. So soll­ten im zur Dis­kus­si­on ste­hen­den er­wei­ter­ten Ge­wer­be­ge­biet we­der Woh­nun­gen noch Bü­ro­ge­bäu­de er­stellt wer­den.

Beim Na­tur­schutz und der Land­schafts­pfle­ge be­stä­tigt das Land­rats­amt, dass mit Maß­nah­men zum Ar­ten­schutz, ins­be­son­de­re der dort vor­kom­men­den Li­bel­len­art Hel­mAzur­jung­fer, be­reits be­gon­nen wur­de. Wenn die Maß­nah­men dau­er­haft be­ach­tet und um­ge­setzt wer­den, müs­se es auch kein Bau­ver­bot ge­ben. Ei­ne neue Hür­de baut sich dem Pla­ner da­durch auf, dass der Bund Na­tur­schutz schrift­lich mit­ge­teilt ha­be, dass man ge­gen die Pla­nung im dor­ti­gen Are­al Kla­ge ein­rei­chen wol­le. Es wur­de näm­lich fest­ge­stellt, dass na­he des Bau­ge­bie­tes ei­ne Be­trof­fen­heit für die Wie­sen­brü­ter­art Be­kas­si­ne nicht gänz­lich aus­ge­schlos­sen wer­den kön­ne. Von Vo­gel­kund­lern wur­de die­se Vo­gel­art hier schon als Durch­züg­ler re­gis­triert, im Jahr 1993 so­gar zur Brut­zeit. Es gibt aber kei­nen Brut­nach­weis. Da auf dem um­strit­te­nen Are­al auch die Schmet­ter­lings­art „Schwarz­blau­er Wie­sen­knopf­bläuRah­men ling“be­trof­fen sein könn­te, lehnt der Bund Na­tur­schutz die vor­ge­leg­te Pla­nung ge­ne­rell ab. Dies schon des­we­gen, weil ein Teil der Pla­nung in be­reits aus­ge­wie­se­ne FFH-Ge­bie­te hin­ein­rei­che und die an­ge­bo­te­nen Tausch­flä­chen zur Art­er­hal­tung bei Wei­tem nicht aus­rei­chen wür­den. Ak­zep­tie­ren könn­te man je­doch ei­ne Pla­nung bis zur jetzt vor­han­de­nen nörd­li­chen Bau­gren­ze bei ent­spre­chen­dem Aus­gleich.

Pla­ner und Markt­ge­mein­de sind sich die­ser Pro­ble­ma­tik be­wusst, be­son­ders, was die Li­bel­len­art be­trifft. In Ge­sprä­chen mit Fach­be­hör­den sol­le al­les dar­an ge­setzt wer­den, der Helm-Azur­jung­fer neue Le­bens­räu­me zu schaf­fen. Ei­ne Re­du­zie­rung des Pl­an­ge­biets auf die vom Bund Na­tur­schutz an­ge­bo­te­ne Bau­gren­ze wür­de die Er­wei­te­rung des holz­ver­ar­bei­ten­den Be­trie­bes mit dem not­wen­di­gen Flä­chen­be­darf aber un­mög­lich ma­chen.

Un­ter Be­rück­sich­ti­gung der dar­ge­leg­ten Ar­gu­men­te und Maß­nah­men sei da­von aus­zu­ge­hen, dass die vor­lie­gen­de Bau­leit­pla­nung na­tur­schutz­recht­li­chen Be­lan­gen, auch im Hin­blick auf die Be­kas­si­ne, in aus­rei­chen­dem Maß ge­recht wer­de. Der Markt Ziemetshausen hält da­neh­men, her mit al­len Stim­men der Markt­rä­te (aus­ge­nom­men der be­trof­fe­ne Theo Au­mann) an der vor­lie­gen­den Pla­nung fest.

Wäh­rend das Amt für Land­wirt­schaft und Fors­ten Kon­flikt­si­tua­tio­nen mit dem Schaf­hal­ter ver­mie­den wis­sen will, zu­mal die­ser be­reits ei­nen Bau­an­trag auf Er­wei­te­rung sei­nes Schaf­stal­les mit Schaf­zucht ge­stellt hat, plä­diert die Re­gie­rung von Schwa­ben vor­ran­gig auf die Fül­lung von Bau­lü­cken in be­reits aus­ge­wie­se­nen Ge­wer­be­ge­bie­ten. Für die Fir­ma Au­mann bräch­te dies je­doch kei­ne Lö­sung zur drin­gend be­nö­tig­ten Er­wei­te­rung ih­rer Pro­duk­ti­ons­an­la­gen. Der End­be­schluss lau­te­te, dass die vor­ge­brach­ten Ein­wen­dun­gen in den Ent­wurf ein­ge­ar­bei­tet wer­den und er neu­er­lich, dies­mal mit ei­ner Frist von 14 Ta­gen, aus­ge­legt wer­den soll.

Man­fred Kraut­krä­mer, CSUFrak­ti­ons­vor­sit­zen­der, nann­te es ei­nen Irr­sinn, was hier in Deutsch­land zu der­ar­ti­gen Bau­an­trä­gen ab­lau­fe. Müss­ten hier doch 32 Be­hör­den und In­sti­tu­tio­nen an­ge­schrie­ben und be­fragt wer­den, die wie­der­um Hun­der­te von Be­am­ten da­mit be­schäf­tig­ten und sich die Bau­vor­ha­ben dann auf Jah­re hin­aus ver­zö­ger­ten.

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