Krum­bachs ver­bor­ge­ne Groß­bau­stel­le

Wäh­rend ober­ir­disch das Le­ben in ge­wohn­ten Bah­nen ver­läuft, wird un­ter dem Luit­pold­park seit Mo­na­ten akri­bisch ge­ar­bei­tet: Die Tief­ga­ra­ge muss auf­wen­dig sa­niert wer­den

Mittelschwaebische Nachrichten - - Krumbach, Kammel- Und Günztal - VON ANDREAS LAN­GER

Krumbach Ei­ne mit Bau­zäu­nen ver­sperr­te Zu­fahrt, ein pro­vi­so­ri­scher Schup­pen im In­nen­hof, ein Was­ser­schlauch, der übers Ge­län­der am Krum­bäch­le hängt: Viel mehr deu­tet an den meis­ten Ta­gen nicht auf die Groß­bau­stel­le hin, die seit Mo­na­ten mit­ten in Krumbach be­trie­ben wird.

An die­sem Tag kommt noch der Ge­ruch nach fri­schem As­phalt hin­zu: In der Tief­ga­ra­ge un­ter dem Luit­pold­park ist so­eben ei­ne Gus­s­asphalt­de­cke auf­ge­bracht wor­den. Ei­ner der eher letz­ten Schrit­te ei­ner auf­wen­di­gen Sa­nie­rung, die schon lan­ge vor­her ih­ren An­fang nahm. Ab­plat­zun­gen an der Bo­den­ober­flä­che wa­ren die ers­ten An­zei­chen ge­we­sen, dass da et­was im Ar­gen lag in der 1300 Qua­drat­me­ter gro­ßen Tief­ga­ra­ge, er­in­nert sich Man­fred Pilz. Mit sei­nem Haus­ver­wal­tungs­un­ter­neh­men be­treut er die Wohn­an­la­ge zwi­schen der Luit­pold­stra­ße und dem Krum­bäch­le, die En­de der 90er-Jah­re fer­tig­ge­stellt wor­den war und mehr als 50 Wohn- und Ge­wer­be­ein­hei­ten um­fasst.

Um­fas­sen­de Un­ter­su­chun­gen wur­den in Auf­trag ge­ge­ben, das Re­sul­tat war klar: An die Be­weh­rung un­ter­halb der Ober­flä­che war Chlo­rid ge­langt. Das lässt den ver­bau­ten Bau­stahl zu­neh­mend ros­ten, wenn man nichts da­ge­gen tut. Von ein­drin­gen­dem Tau­salz wird die Kor­ro­si­on noch be­schleu­nigt, er­läu­tert Micha­el Pilz, Ju­ni­or­chef der gleich- na­mi­gen Krum­ba­cher Haus­ver­wal­tung. Die hat­te das In­ge­nieur­bü­ro Muh­sau Kindl aus Bi­be­rach ein­ge­schal­tet, das auf den Er­halt von Bau­wer­ken spe­zia­li­siert ist. Der Ex­per­ten­rat war ein­deu­tig: „So­fort sa­nie­ren, an­sons­ten wür­de der Scha­den im­mer grö­ßer“, er­zählt Man­fred Pilz.

Die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer, die zü­gig zu ei­ner Ver­samm­lung ein­be­ru­fen wur­den, sa­hen das ge­nau­so. Und so fiel im März dann der Start­schuss für die um­fas­sen­de Sa­nie­rung. Stück für Stück wur­den ein­zel­ne Be­rei­che des Be­tons ab­ge­tra­gen, der Bo­den der Tief­ga­ra­ge „sah aus wie ein Schach­brett“, er­in­nert sich Man­fred Pilz. Zum Ein­satz kam da­bei auch ein Höchst­druck­was­ser­ver­fah­ren, das die Luft­feuch­tig­keit in der Tief­ga­ra­ge zeit­wei­se auf 100 Pro­zent an­stei­gen ließ.

Stück für Stück wur­de auch der von Kor­ro­si­on be­fal­le­ne Bau­stahl er­setzt und der Bo­den an­schlie­ßend wie­der auf­be­to­niert – ei­ne äu­ßerst zeit­auf­wen­di­ge Pro­ze­dur. So­gar ei­ne ab­ge­häng­te De­cke muss­ten die Fach­ar­bei­ter in der Tief­ga­ra­ge mon­tie­ren, die ge­sam­te Tech­nik und die di­ver­sen dort ver­leg­ten Ka­bel wur­den in Was­ser­schutz­käs­ten ge­steckt. Dass die Tief­ga­ra­ge des Luit­pold­parks per­ma­nent im Grund­was­ser ste­he, ha­be die Sa­nie­rung zu­sätz­lich er­schwert, so Man­fred Pilz.

Nach Ab­schluss der Be­ton­ar­bei­ten wur­de im Bo­den­auf­bau ei­ne Kunst­stoff­be­schich­tung an­ge­bracht, dar­über ei­ne Bi­tu­men­bahn und schließ­lich in den ver­gan­ge­nen Ta­gen die ers­te Gus­s­asphalt­de­cke als Iso­lier­schicht. Der zu­sätz­li­che Ober­flä­chen­schutz des Tief­ga­ra­gen­bo­dens ist laut Man­fred und Micha­el Pilz mitt­ler­wei­le bei be­stimm­ten Tief­ga­ra­gen­ty­pen vor­ge­schrie­ben – beim Bau vor rund 20 Jah­ren sei das noch nicht so ge­we­sen. „Land­auf, land­ab wer­den des­halb ge­ra­de Tief­ga­ra­gen sa­niert oh­ne En­de“, sagt Man­fred Pilz.

Der zu­sätz­li­che Ober­flä­chen­schutz macht die Sa­nie­rung deut­lich teu­rer, da­für sei der Le­bens­zy­klus we­sent­lich län­ger, so Man­fred Pilz. 40 Jah­re soll­ten die Woh­nungs­ei­gen­tür­mer dann min­des­tens Ru­he ha­ben. Jetzt müs­sen sie aber erst ein­mal die Kos­ten schul­tern: Der Chlo­ridein­trag ist kein Fall für die Ver­si­che­rung, die ge­sam­te Tief­ga­ra­gen­sa­nie­rung wird auf die Ei­gen­tü­mer der Woh­nun­gen und Ge­wer­be­flä­chen um­ge­legt. Und das ist kein Pap­pen­stiel: Micha­el und Man­fred Pilz spre­chen von ei­nem ho­hen sechs­stel­li­gen Be­trag.

An der Sa­nie­rung ha­be aber „kein Weg dran vor­bei ge­führt“, stellt Man­fred Pilz klar. Denn der Tief­ga­ra­ge kommt in Punk­to Sta­tik ei­ne im wört­li­chen Sin­ne tra­gen­de Rol­le zu: Die Wohn- und Ge­schäfts­häu­ser des Luit­pold­parks sind di­rekt dar­über ge­baut. Die Stüt­zen in der Tief­ga­ra­ge wer­den da­her im Zu­ge der Sa­nie­rung auch bis zu 50 Zen­ti­me­ter hoch iso­liert.

Der­zeit wird noch ei­ne zwei­te As­phalt­schicht auf­ge­bracht, da­nach ste­hen noch Ma­ler- und Brand­schutz­ar­bei­ten an. An­fang Sep­tem­ber soll die Tief­ga­ra­gen­sa­nie­rung nach rund sechs­mo­na­ti­ger Bau­zeit ab­ge­schlos­sen sein. Dann kön­nen die An­woh­ner ih­re Au­tos end­lich wie­der un­ter ih­ren Woh­nun­gen par­ken, statt in der Dr.-Schlögl-Stra­ße, beim Stadt­saal oder an­ders­wo in der Um­ge­bung. Und auch der Schup­pen im In­nen­hof, in dem der­zeit noch Fahr­rä­der un­ter­ge­stellt wer­den, wird dann end­lich nicht mehr be­nö­tigt.

Nicht nur die An­woh­ner, auch Man­fred und Micha­el Pilz sind froh, wenn das Groß­pro­jekt in we­ni­gen Wo­chen sei­nen Ab­schluss fin­det. In den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten fun­gier­ten sie als Schnitt­stel­le zwi­schen In­ge­nieur­bü­ro, Fach­ar­bei­tern und An­woh­nern, die von ih­nen per­ma­nent über den Bau­fort­schritt in­for­miert wur­den. Für ihr Haus­ver­wal­tungs­un­ter­neh­men war es die ers­te Tief­ga­ra­gen­sa­nie­rung – „und hof­fent­lich auch die letz­te“, sagt Man­fred Pilz und lacht.

Foto: Haus­ver­wal­tung Pilz

Die ers­te As­phalt­de­cke ist in den ver­gan­ge­nen Ta­gen auf­ge­bracht wor­den: Mit den Fahr­zeu­gen im Bild wur­de der cir­ca 240 Grad hei­ße As­phalt in die Tief­ga­ra­ge des Luit­pold­parks trans­por­tiert und heiß ge­hal­ten. Seit März läuft die dor­ti­ge Ge­ne­ral­sa­nie­rung, von der ober­ir­disch nicht viel zu se­hen ist.

Foto: Andreas Lan­ger

Sie ko­or­di­nie­ren die Tief­ga­ra­gen­sa­nie­rung: Micha­el (links) und Man­fred Pilz vom gleich­na­mi­gen Haus­ver­wal­tungs­un­ter­neh­men. Im pro­vi­so­ri­schen Schup­pen im Hin ter­grund stel­len die An­woh­ner seit März ih­re Fahr­rä­der ab.

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