Ade Un­ter­rohr, moin Ham­burg

Ma­ria-Ro­sa Vo­ge­le aus Kam­mel­tal wuss­te nicht, was sie nach der Schu­le ma­chen soll­te. Wie sie ih­ren Weg ge­fun­den hat und ei­nen der be­gehr­ten Plät­ze an ei­ner der bes­ten Mu­si­cal­schu­len Deutsch­lands er­gat­ter­te

Mittelschwaebische Nachrichten - - K!ar.text - VON STE­PHA­NIE LORENZ

Un­ter­rohr Die frü­he­re DSDS-Kan­di­da­tin Ju­li­et­te Schopp­mann war dort. Ex-No An­gel Lu­cy Dia­kovs­ka, Sän­ge­rin Ocea­na und Top­mo­del-Kan­di­da­tin Wan­da Bad­wal auch. Das nächs­te Ta­lent sitzt schon auf­ge­regt im hei­mi­schen Wohn­zim­mer und war­tet dar­auf, end­lich nach Ham­burg auf­zu­bre­chen und das Aben­teu­er Mu­si­cal-Aus­bil­dung an der Sta­ge School zu star­ten: Ma­ri­aRo­sa Vo­ge­le aus Un­ter­rohr in der Ge­mein­de Kam­mel­tal.

20 Jah­re ist sie alt. Gro­ße Au­gen, brei­tes Lä­cheln. Wenn sie ih­re blon­den, lan­gen Haa­re mit ei­ner bei­läu­fi­gen Be­we­gung aus dem Ge­sicht streicht, blit­zen kurz ih­re sil­ber­nen Ohr­ste­cker auf. Sie trägt ein schim­mern­des Top, das mit ih­rem sil­ber­nen Col­lier aus Strass­stein­chen und Per­len um die Wet­te glit­zert.

Schon in der Schu­le ha­be sie im­mer ir­gend­et­was Flip­pi­ge­res ge­tra­gen, sagt Ma­ria-Ro­sa. Sie ha­be zum Bei­spiel ei­nen Tüll­rock. Wenn sie mit dem durch Un­ter­rohr lau­fe, dann wer­de sie ko­misch an­ge­schaut, er­zählt sie und lacht. Des­halb mag sie to­le­ran­te, gro­ße Städ­te. Und des­halb freut sie sich jetzt auf Ham­burg. Sie geht an die re­nom­mier­te Sta­ge School, um end­lich das zu tun, was sie ei­gent­lich im­mer schon tun woll­te, sich aber als be­ruf­li­che Zu­kunft nicht vor­zu­stel­len wag­te: als Mu­si­caldar­stel­le­rin auf der Büh­ne ste­hen. Dar­in hat­te sie am St.-Tho­masGym­na­si­um in Wet­ten­hau­sen be­reits Er­fah­rung ge­sam­melt. In der sechs­ten Klas­se als Cheer­lea­de­rin im High School Mu­si­cal, zwei Jah­re spä­ter als Tän­ze­rin bei We Will Rock You, in der zehn­ten Klas­se als Ne­ben­dar­stel­le­rin bei den Blues Bro­thers und wäh­rend des Abis hat­te sie schließ­lich ei­ne Rol­le in Ro­ckes­que, in An­leh­nung an Bur­les­que. „Es hat mir so viel Spaß ge­macht, das Gan­ze auf­zu­bau­en, ein­zu­stu­die­ren und auf der Büh­ne um­zu­set­zen“, sagt sie und ih­re Au­gen strah­len. Aber als das Abi und das letz­te Mu­si­cal vor­bei wa­ren, war da plötz­lich nichts mehr. „Ich mag es nicht, im Lee­ren zu hän­gen und nicht zu wis­sen, was pas­siert“, sagt Ma­ria-Ro­sa und dreht an dem gro­ßen sil­ber­nen Ring an ih­rer lin­ken Hand. Ei­ne be­ruf­li­che Zu­kunft mit Tanz, Ge­sang und Schau­spiel er­schien ihr un­rea­lis­tisch. Doch was soll­te sie statt­des­sen tun? So­zia­le Ar­beit stu­dier­te der Bru­der schon, für den Stu­di­en­gang Mu­sik- und be­we­gungs­ori­en­tier­te So­zia­le Ar­beit reich­te der No­ten­schnitt nicht.

Al­so ging es nach Aus­tra­li­en, wo ein Er­leb­nis al­les ver­än­der­te: Mit Freun­den be­such­te sie ein Mu­si­cal im Opern­haus von Syd­ney und wur­de dort auf die Büh­ne ge­holt. „Es war gi­gan­tisch“, sagt sie. Ih­re Mut­ter fügt hin­zu, Ma­ria-Ro­sa ha­be da­nach beim Sky­pen ge­sagt: „Ma­ma, jetzt weiß ich, was ich ma­chen will. Für mich gibt’s nur ei­nen Traum: Ich will auf der Büh­ne ste­hen.“

Da­bei war sie ein schüch­ter­nes Kind, sagt Mut­ter Ca­ro­la. Selbst­be­wusst ist ih­re Toch­ter durch Bal­lettund Gei­gen­un­ter­richt ge­wor­den, glaubt sie. Das ha­be Ma­ria-Ro­sa als Kind schon ma­chen wol­len. Auch im Chor und im Orches­ter war sie da­bei. Bal­lett tanz­te sie schließ­lich zehn Jah­re lang, von sie­ben bis 17. Doch der Abitur­stress setz­te dem Tan­zen ein En­de. Da­nach, mit 20, fand sie kei­nen Er­satz. Al­le Tanz­schu­len ha­be sie ab­ge­klap­pert. Goog­le brach­te sie schließ­lich auf die Sta­ge School. „Dann war klar, ich muss die­sen Work­shop ma­chen.“

Den konn­te sie prak­ti­scher­wei­se gleich als Auf­nah­me­prü­fung zäh­len las­sen. Am 10. März buch­te sie spon­tan den drei­tä­gi­gen Kurs, am 20. März fand er in Mün­chen statt. „Ich hat­te gar kei­ne Zeit, mich vor­zu­be­rei­ten“, sagt sie und spielt an ih­rem Ring. „Und dann war ich da und hät­te am liebs­ten auf dem Ab­satz wie­der kehrt ge­macht.“Über­all jun­ge, sport­li­che Mäd­chen, teils mit über 20 Jah­ren Tan­zer­fah­rung und zehn Jah­ren Ge­s­angs­un­ter­richt. „Oh mein Gott, da ka­men wie­der die Selbst­zwei­fel.“

Doch dann traf sie so vie­le Leu­te, „die Lust dar­auf ha­ben, was zu in­sze­nie­ren, was in Gang zu set­zen“. Es sei un­ge­wohnt ge­we­sen, al­le auf dem glei­chen Ni­veau und mit der glei­chen Lei­den­schaft zu se­hen – „so ein coo­les Ge­fühl“. Ma­ria-Ro­sa streicht sich die Haa­re aus dem Ge­sicht und lä­chelt. „Als ich nach Hau­se ge­fah­ren bin, hat mir al­les weh­ge­tan, aber ich war so glück­lich, ich hat­te so ei­ne in­ne­re Ru­he, ich hät­te fast an­ge­fan­gen zu heu­len.“Ge­heult hat sie dann ei­ne Wo­che spä­ter, als die Zu­sa­ge kam. Und dann ging al­les ganz schnell. Ein an­de­res Mäd­chen aus dem Work­shop, das eben­falls an­ge­nom­men wur­de, fand für die bei­den ei­ne Woh­nung in Ham­burg.

„Ma­ma, wenn ich groß bin, bin ich nicht mehr in Un­ter­rohr, dann ge­he ich in die gro­ße Welt“, hat Ma­ria-Ro­sa schon beim Bar­bie-Spie­len ge­sagt, er­zählt Mut­ter Ca­ro­la. Das Aben­teu­er kann be­gin­nen.

Sta­ge School Ham­burg Zu ver­schie de­nen Work­shops in ganz Deutsch­land kann man sich un­ter www.sta­ge­school.de an­mel­den. Ein Drei Tages Work­shop kos­tet 285 Eu­ro.

Foto: Ste­pha­nie Lorenz

Mit die­sem Päck­chen er­hielt die 20 Jäh­ri­ge die Zu­sa­ge. „Ich ha­be so an­ge­fan­gen zu schrei­en und zu heu­len“, sagt sie und lacht.

Foto: Brit­ta Pe­der­sen/dpa

Na­tür­lich steht Ge­sang auf dem Lehr plan.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.