Lin­ke Chef will deut­lich mehr Pfle­ge­kräf­te

Bernd Ri­ex­in­ger dis­ku­tiert in Günz­burg mit dem Kran­ken­haus­per­so­nal. Droht an den Kreis­kli­ni­ken ein Warn­streik?

Mittelschwaebische Nachrichten - - Gottesdienstanzeiger - VON TILL HOF­MANN

Günz­burg Den Ver­gleich muss­te die Günz­bur­ger Ver­di-Vor­sit­zen­de Hel­ga Sprin­ger-Glo­n­ing ges­tern ein­fach los­wer­den: Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Her­mann Grö­he (CDU) sei ver­gan­ge­ne Wo­che im Land­kreis ge­we­sen und ha­be sich durch die Spit­zen zwei­er Kran­ken­häu­ser über die Si­tua­ti­on vor Ort in­for­mie­ren las­sen. Der Bun­des­vor­sit­zen­de der Par­tei „Die Lin­ke“da­ge­gen ha­be ges­tern de­nen zu­ge­horcht, die in den Kran­ken­häu­sern mit am meis­ten un­ter den Ar­beits­be­din­gun­gen zu lei­den hät­ten: dem Pfle­ge­per­so­nal. Bernd Ri­ex­in­ger war zwar „nicht über­rascht“über das Er­zähl­te. Aber von den­je­ni­gen et­was zu er­fah­ren, die täg­lich in der Pfle­ge ar­bei­ten, ha­be doch ei­ne „ganz an­de­re Qua­li­tät“.

Für den Lin­ke-Par­tei­vor­sit­zen­den ist klar, dass sich in der Pfle­ge bald­mög­lichst die Si­tua­ti­on än­dern müs­se. Ei­ne ge­setz­li­che Per­so­nal­be­mes­sung ge­be es noch nicht. Das und die Ein­füh­rung von Fall­pau­scha­len, die aus­schließ­lich auf die Wirt­schaft­lich­keit der Kran­ken­häu­ser ziel­ten, ha­be zu ei­nem Per­so­nal­schlüs­sel ge­führt, wie er un­güns­ti­ger kaum sein kön­ne: „In Deutsch­land kommt ei­ne Pfle­ge­kraft rech­ne­risch auf 10,3 Pa­ti­en­ten, in den Nie­der­lan­den liegt der Schlüs­sel bei 1 zu 6, in Nor­we­gen bei 1 zu 3,8.“Ren­ta­bi­li­tät hat für Ri­ex­in­ger im Kran­ken­haus­be­reich oh­ne­hin nichts ver­lo­ren.

Zwar gibt es Pla­nun­gen, ei­nen sol­chen Per­so­nal­schlüs­sel 2019 ein­zu­füh­ren, aber nur für die „sen­si­ti­ven Be­rei­che“. Was da­mit kon­kret ge­meint ist, konn­te ges­tern kei­ner der Be­tei­lig­ten im Pres­se­ge­spräch sa­gen. Es rei­che auch nicht, bis da­hin ab­zu­war­ten. „Wir müs­sen jetzt han­deln“, so Ri­ex­in­ger.

100000 Pfle­ge­kräf­te for­dert der Lin­ke-Chef mehr für Deutsch­land, um die Be­schäf­tig­ten kei­ner Ar­beits­be­las­tung mehr aus­zu­set­zen, un­ter der die ei­ge­ne Ge­sund­heit lei­de. „Wir müs­sen sehr schnell die Men­schen in die­sen Be­ru­fen aus­bil­den und die Rah­men­be­din­gun­gen ver­bes­sern“, sag­te er. Die Mit­ar­bei­ter im Pfle­ge­dienst mein­ten ges­tern da­mit nicht in ers­ter Li­nie ei­ne bes­se­re Be­zah­lung. Ih­nen sind mehr Kol­le­gen wich­ti­ger. Au­ßer­dem soll­ten nicht noch zu­sätz­lich ärzt­li­che Tä­tig­kei­ten auf sie ver­la­gert wer­den, da die zu pfle­gen­den Men­schen bei ei­ner ge­rin­ge­ren Ver­weil­dau­er im Kran­ken­haus oh­ne­hin äl­ter und mor­bi­der sei­en als noch vor Jah­ren. Die Pra­xis aber sieht an­ders aus, er­zählt ei­ne Sta­ti­ons­lei­te­rin, die ih­ren Na­men nicht in der Zei­tung le­sen will: „Wir über­wa­chen bei uns auch die Che­mo­the­ra­pie.“Das sei den Pfle­ge­kräf­ten „ein paar Mal ge­zeigt wor­den“. Und dann wür­den die Kran­ken­pfle­ge­rin­nen und -pfle­ger ins kal­te Was­ser ge­wor­fen: „Le­arning by do­ing“lau­te das Prin­zip. Tauch­ten Pro­ble­me auf, kom­me der Arzt na­tür­lich. Aber er sei nicht von vorn­her­ein an­we­send. Und bei der Ver­ab­rei­chung neu­er Me­di­ka­men­te sei­en all­er­gi­sche Re­ak­tio­nen kei­ne Sel­ten­heit.

Ri­ex­in­ger be­ton­te, auch nach der Bun­des­tags­wahl an die­sem The­ma dran­blei­ben zu wol­len. Ihm leuch­te nicht ein, war­um ein An­ge­stell­ter mit in­dus­tri­el­ler Ar­beit im Schnitt 10000 Eu­ro im Jahr mehr ver­die­ne als ein Be­schäf­tig­ter, der ei­ne per­so­nen­na­he Di­enst­leis­tung ver­rich­te. „Wir müs­sen die­ses Be­rufs­feld lang­fris­tig at­trak­ti­ver ma­chen“, for­dert der Lin­ke-Bun­des­vor­sit­zen­de. Dann wür­den auch vie­le Men­schen wie­der in den Pfle­ge­dienst zu­rück­keh­ren, sagt Ge­werk­schaf­te­rin Sprin­ger-Glo­n­ing vor­aus. Bis 1. Sep­tem­ber will Ver­di wis­sen, wie sich der Vor­stand der Kreis­kli­ni­ken ei­ne Min­dest­be­set­zung in der Pfle­ge vor­stellt. Kommt kein An­ge­bot, kann sich die Ge­werk­schaft ei­nen Warn­streik durch­aus vor­stel­len.

Fo­to: B. Weiz­enegger

Mit Pfle­ge­kräf­ten der Kreis­kli­nik Günz­burg dis­ku­tier­te Lin­ke Chef Bernd Ri­ex­in­ger, wie man die Men­schen in dem auf­rei­ben­den Be­ruf ent­las­ten kann.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.