Hat ein Raub­tier das Reh ge­köpft?

Jä­ger ver­mu­ten: Es könn­te ein Luchs oder Fuchs ge­we­sen sein

Mittelschwaebische Nachrichten - - Aus Der Nachbarschaft -

Ulm Der Fall ei­nes ge­köpf­ten Rehs im Mai­en­wald in Söf­lin­gen hat ho­he Wel­len ge­schla­gen. Vie­le Bür­ger sind em­pört über die grau­sa­me Tat, de­ren Mo­tiv völ­lig un­klar ist. War es ein Wil­de­rer oder ein sa­dis­ti­scher Tier­quä­ler? Bei der Ul­mer Po­li­zei sind ei­ni­ge Hin­wei­se ein­ge­gan­gen, nach­dem sie über den Fall be­rich­tet hat­te. Die Jä­ger, die sich im Prä­si­di­um ge­mel­det ha­ben, ver­mu­ten je­doch, dass es sich bei dem Tä­ter gar nicht um ei­nen Men­schen han­delt – son­dern um ein Raub­tier.

Die Jagd­päch­ter be­rich­te­ten der Po­li­zei, dass sich in ih­ren Re­vie­ren ähn­li­che Fäl­le er­eig­net hät­ten. Ein Jä­ger aus dem Alb-Do­nau-Kreis ist der fes­ten Über­zeu­gung, dass der Kopf von ei­nem Luchs ab­ge­trennt wur­de. Er selbst ha­be vor et­wa fünf Mo­na­ten nach ei­nem ge­mel­de­ten Wild­un­fall kur­ze Zeit spä­ter das Tier zehn Me­ter ne­ben der Stra­ße mit „fein säu­ber­lich ab­ge­trenn­tem“Kopf ge­fun­den, was er ein­deu­tig auf ein Raub­tier zu­rück­führ­te, das da­zu in der La­ge sei.

Die Po­li­zei­be­am­ten ha­ben mit den zu­stän­di­gen Stel­len im Land Kon­takt auf­ge­nom­men und prü­fen, ob dies zu­tref­fen könn­te. Ein wei­te­rer Hin­weis­ge­ber er­klär­te, dass Luch­se wie auch Füch­se Köp­fe von er­beu­te­tem Wild mes­ser­scharf ab­tren­nen kön­nen. Die Forst­li­che Ver­suchs- und For­schungs­an­stalt Ba­den-Würt­tem­berg in Frei­burg ver­mu­tet, dass es sich wahr­schein­lich um Fuchs­ris­se han­delt.

Max Witt­lin­ger, der Lei­ter des Ul­mer For­st­amts, hat Zwei­fel an der Tier-Hy­po­the­se. Denn es ha­be kei­ne Biss- oder Kampf­spu­ren ge­ge­ben. Au­ßer­dem ha­be ihm der Päch­ter gesagt, dass der Wild­kör­per – bis auf den feh­len­den Kopf – un­be­scha­det ge­we­sen sei.

Soll­te es sich bei dem Übel­tä­ter doch um ei­nen Luchs han­deln, wä­re das ei­ne gro­ße Über­ra­schung. Denn in Deutsch­land le­ben nur noch ein paar Dut­zend der stark vom Auss­ter­ben be­droh­ten Raub­kat­zen­art, die vor 150 Jah­ren aus­ge­rot­tet und seit den 1980er-Jah­ren wie­der an­ge­sie­delt wur­den. Die Ein­zel­gän­ger be­an­spru­chen rie­si­ge Re­vie­re von 200 bis 400 Qua­drat­ki­lo­me­tern für sich. Der Re­gi­on na­he­ge­kom­men sind ein­zel­ne Tie­re be­reits. Vor zehn Jah­ren wur­de ein Ex­em­plar auf der A 8 bei Laichin­gen (Alb-Do­nauK­reis) über­fah­ren.

Vor zwei Jah­ren nä­her­te sich Luchs „Friedl“auf sei­ner Wan­der­schaft vom Schwarz­wald aus Ulm. Kurz vor­her mach­te das mit ei­nem Peil­sen­der aus­ge­stat­te­te Tier aber kehrt und zog wei­ter Rich­tung Nord­wes­ten. An­fang des Jah­res riss „Friedl“bei Sig­ma­rin­gen drei Scha­fe und zwei Zie­gen, wie Gen­tests be­leg­ten. Die ei­gent­li­che Leib­spei­se des Luch­ses – der größ­ten eu­ro­päi­schen Wild­kat­ze – sind al­ler­dings Re­he. (mru, sast)

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