Aben­teu­er am Dach der Wel­tWelt

Ne­pal haut­nah, be­reist von MOPO-Re­dak­teur a.D. Jörg Schnei­der

Morgenpost am Sonntag (Chemnitzer) - - VORDERSEITE -

Rolfs lang­jäh­ri­ger Rei­se­füh­rer Bish­nu hat et­was ganz Spe­zi­el­les vor: Von sei­nem Hei­mat­ort Phulk­har­ka aus plant er ei­ne „Cul­tu­ral Tour“über Berg­re­gio­nen, die sonst kaum je Tou­ris­ten ge­se­hen ha­ben, bis zum Fu­ße des 8 163 Me­ter ho­hen Ma­naslu. Von An­fang an er­war­ten uns spek­ta­ku­lä­re Fern­sich­ten auf gi­gan­ti­sche Berg­ku­lis­sen, aber eben­so fas­zi­nie­ren­de Ein­bli­cke ins ur­sprüng­li­che Le­ben der Ein­hei­mi­schen.

Per Jeep über die Cha­os-Pis­te

Die 100 Ki­lo­me­ter lan­ge An­fahrt von Kath­man­du aus war zu­nächst per Li­ni­en­bus ge­plant. Für ge­wöhn­lich fah­ren die klei­nen All­rad-Kraft- pa­ke­te über Stock und Stein, doch die Re­gen­zeit hat dem Land in die­sem Jahr län­ger als sonst zu­ge­setzt. Knie­tief auf­ge­weich­te Fahr­we­ge ma­chen den Bus­ver­kehr übers Ge­bir­ge un­mög­lich. Wir wa­gen das Ex­pe­ri­ment mit ei­nem „Ma­hin­dra“Jeep - über Schlamm­pis­ten, Ge­röll­ber­ge und durch Bach­läu­fe. Manch­mal nur Me­ter um Me­ter kämpft sich das un­ver­wüst­li­che Ge­fährt vor­an. Am En­de sind wir froh, wie­der fes­ten Bo­den un­ter den Fü­ßen zu ha­ben.

Zu Gast im Erd­be­ben-Dorf

Die letz­ten 15 Ki­lo­me­ter bis nach Phulk­har­ka sind als Fuß­marsch zu be­wäl­ti­gen: zu­nächst ein paar hun­dert Me­ter bar­fuß über sump­fi­ges Schilf­gras­land, dann durch ei­nen Ge­birgs­fluss und schließ­lich rund 800 Hö­hen­me­ter durch den Re­gen- wald in das Hei­mat­dorf un­se­rer bei­den Be­glei­ter, Bish­nu und Kai­la (der Trä­ger), auf 1 500 Me­ter Hö­he. Bei mehr als 90 Pro­zent Luft­feuch­tig­keit und knapp 30 Grad Cel­si­us sind un­se­re Shirts schnell klatsch­nass. Da­für er­le­ben wir am Ziel ei­nen herz­li­chen Emp­fang, wie spä­ter auf al­len Sta­tio­nen un­se­rer Rei­se. Mit lau­tem „Na­mas­te“-Ge­schrei be­grüßt uns ei­ne Schar Kin­der. Im Nu ist auch ein Ru­he­la­ger in­klu­si­ve Tee-Flat­rate her­ge­rich­tet

und ein köst­li­ches Dhal Bhat (Reis, Lin­sen, Cur­ry, Ge­mü­se und schar­fe Pick­les) zum Mit­tag be­rei­tet. Zwei Ta­ge lang ge­nie­ßen wir die Gast­freund­schaft im Dorf und ge­win­nen Ein­bli­cke in Le­bens­ver­hält­nis­se, in de­nen Strom, Warm­was­ser und Toi­let­ten­pa­pier im­mer noch Lu­xus­gü­ter sind. Fast je­der der 3 000 Ein­woh­ner hat Ver­lus­te durch das ver­hee­ren­de Erd­be­ben vom April 2015 zu be­kla­gen. Zum Glück wa­ren die meis­ten Men­schen zu dem Zeit­punkt auf den um­lie-

Fünf Mal schon war mein al­ter Stu­di­en­freund Rolf auf Trek­king-Rou­ten in Ne­pal un­ter­wegs. Von sei­ner Be­geis­te­rung an­ge­steckt, be­glei­te ich ihn auf sei­ner sechs­ten Tour vier aben­teu­er­li­che Wo­chen lang auf neu­en We­gen un­term „Dach der Welt“.

Zum Knud­deln: Die Kin­der in den Berg­dör­fern in­ter­es­sie­ren sich be­son­ders für die un­be­kann­ten Be­su­cher, hier mit dem Au­tor Jörg Schnei­der. Rast mit Berg­ku­lis­se an ei­nem bud­dhis­ti­schen Schrein (Chör­ten). Im Jeep über die Schlamm­pis­te: Un­se­re Fahrt über die Ber­ge nach Phulk­har­ka wur­de zum ers­ten Aben­teu­er der Tour.

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