Ent­stand der Text

Morgenpost am Sonntag (Chemnitzer) - - Geschichte - Von Ant­je Ull­rich

Pünkt­lich zur Ad­vents­zeit er­klin­gen sie über­all um uns her­um: Weih­nachts­lie­der. Von al­len ist „Stil­le Nacht, hei­li­ge Nacht“das welt­weit be­kann­tes­te. Den Text da­zu schuf vor 200 Jah­ren ein Hilfs­pfar­rer aus dem Salz­bur­ger Land. Nur zwei Jah­re spä­ter wur­de dar­aus ein un­ver­gäng­li­cher Weih­nachts­hit, der heu­te in über 300 Spra­chen und Dia­lek­ten ge­sun­gen wird.

Als Ur­he­ber der Weih­nachts­hym­ne gilt der Salz­bur­ger Pries­ter Jo­seph Franz Mohr (1792-1848). Im Jahr 1816 schuf er das sechs­stro­phi­ge Ge­dicht „Stil­le Nacht! Hei­li­ge Nacht!“, das mit den be­kann­ten Zei­len be­ginnt: „Stil­le Nacht! Hei­li­ge Nacht! Al­les schläft. Ein­sam wacht Nur das trau­te hei­li­ge Paar. Hol­der Knab’ im lo­ckig­ten Haar, Schla­fe in himm­li­scher Ruh! Schla­fe in himm­li­scher Ruh!“Zu die­ser Zeit war Jo­seph Mohr Hilfs­pries­ter in Ma­ria­pfarr im Lun­gau – dem Ge­burts­ort sei­nes Va­ters. Erst ein Jahr zu­vor hat­te er die Pries­ter­wei­he emp­fan­gen. Aus dem Lun­gau kehr­te Mohr 1817 aus ge­sund­heit­li­chen Grün­den nach Salz­burg zu­rück und wur­de Pries­ter in Oberndorf.

Ein Jahr spä­ter soll­te er in der neu er­rich­te­ten Pfar­rei St. Ni­co­la die Christ­mes­se hal­ten. Da­für bat er am 24. De­zem­ber den Dorf­schul­leh­rer und Or­ga­nist Franz Xa­ver Gru­ber (1787–1863), ei­ne Me­lo­die für sein Ge­dicht zu kom­po­nie­ren. Es wird ver­mu­tet, dass die klei­ne Or­gel der Kir­che zu alt und nicht mehr be­spiel­bar war. Des­halb gab Mohr ei­ne Me­lo­die für zwei So­lo­stim­men mit Gi­tar­ren­be­glei­tung in Auf­trag.

Ge­sagt, ge­tan! Nur we­ni­ge St­un­den spä­ter über­reich­te Gru­ber sei­ne Kom­po­si­ti­on, und zur Christ­mes­se er­leb­te „Stil­le Nacht, hei­li­ge Nacht“sei­ne Urauf­füh­rung. Mohr sang Te­nor und spiel­te Gi­tar­re, Gru­ber sang Bass. In der Be­völ­ke­rung fand das Lied „all­ge­mei­nen Bei­fall“.

In­ner­halb von 20 Jah­ren brei­te­te es sich dann in Eu­ro­pa aus, in den 1840er-Jah­ren auch in Ame­ri­ka – vor­nehm­lich durch die Sän­ger­fa­mi­li­en Rai­ner und Stras­ser, die es auf ih­ren Tour­ne­en vor­führ­ten. So ist zum Bei­spiel ein Auf­tritt der Fa­mi­lie Stras­ser in Leip­zig be­legt, bei der die Sän­ger dem Wunsch nach­ka­men, das Lied zu sin­gen. Aber auch in Kir­chen­lie­der­bü­cher hielt „Stil­le Nacht, hei­li­ge Nacht“Ein­zug.

Der Er­folg des Lie­des liegt ver­mut­lich auch in der Zeit be­grün­det, in der es ent­stand. Die Na­po­leo­ni­schen Krie­ge wa­ren ge­ra­de vor­über. Der Wie­ner Kon­gress hat­te Eu­ro­pa neu ge­ord­net. Das geist­li­che Fürs­ten­tum Salz­burg wur­de sä­ku­la­ri­siert und ge­teilt. Ein Teil fiel Bay­ern, der grö­ße­re Ös­ter­reich zu. Oberndorf wur­de zur ge­teil­ten Stadt. Die Men­schen sehn­ten sich nach Ru­he und Frie­den, den sie in „Stil­le Nacht, hei­li­ge Nacht“für ei­nen kur­zen Au­gen­blick fan­den. Heißt es doch in der heu­te meist nicht mehr ge­sun­ge­nen vier­ten Stro­phe: „Stil­le Nacht! Hei­li­ge Nacht! Wo sich heut al­le Macht Vä­ter­li­cher Lie­be er­goß Und als Bru­der huld­voll um­schloß Je­sus die Völ­ker der Welt! Je­sus die Völ­ker der Welt!“

Zur Stei­ge­rung der Moral gab’s 1942 für die Sol­da­ten im­pro­vi­sier­te Weih­nachts­bäu­me. Die Pro­pa­gan­da­ma­schi­ne­rie von Jo­seph Go­eb­bels lief auch zu Weih­nach­ten.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.