Si­cher sind die ind­rad-

Morgenpost am Sonntag (Chemnitzer) - - SACHSEN - Von Uwe Blü­mel

DÖBELN - Es hör­te sich wie ein Flug­zeug­ab­sturz an: Am 28. De­zem­ber knick­te ein 95 Me­ter ho­hes Wind­rad (Bau­jahr: 1999) im Wind­park Sit­ten bei Döbeln wie ein Streich­holz um - kein Ein­zel­fall. Jetzt macht sich Angst breit, dass Wind­kraft­an­la­gen un­si­che­rer sind, als man denkt.

„Die Auf­räum­ar­bei­ten dau­ern an“, sagt Ben­ja­min Sch­mitt (39), für den Wind­park zu­stän­di­ger Nie­der­las­sungs­lei­ter der Eu­ro­wind Ener­gy Gm­bH. „Die Ur­sa­che des Zu­sam­men­bruchs ist wei­ter­hin noch un­klar. Wir müs­sen die Er­geb­nis­se des Gut­ach­ters der Ver­si­che­rung ab­war­ten.“Die Auf­räum­ar­bei­ten wür­den die kom­men­den zwei Wo­chen an­dau­ern. Scha­den: 1,5 Mil­lio­nen Eu­ro.

Ver­letzt wur­de in Sit­ten nie­mand. Doch müs­sen wir jetzt Angst vor wei­te­ren Ein­stür­zen ton­nen­schwe­rer Wind­rä­der ha­ben? Im­mer­hin gab es al­lein in den ver­gan­ge­nen vier Wo­chen drei wei­te­re Wind­rad-Un­fäl­le: Am 3. Ja­nu­ar war in Neu Wulms­dorf bei Ham­burg ein 94 Me­ter ho­hes Wind­rad um­ge­stürzt. Die Bol­zen der Rohr­ver­schrau­bung in 20 Me­tern Hö­he wa­ren ge­ris­sen. Mit­te De­zem­ber war ei­ne An­la­ge in Grischow (Meck­len­burg-Vor- pom­mern) we­gen ei­nes de­fek­ten Bau­teils um­ge­stürzt. Und auf der B 166 zwi­schen dem Au­to­bahn­kreuz Ucker­mark und Schwedt knick­te am 3. Ja­nu­ar ein Ro­tor­blatt ei­ner 130 Me­ter ho­hen Wind­kraft­an­la­ge ab.

Für Wolf­ram Ax­t­helm vom Bun­des­ver­band Wind­Ener­gie ist das Ri­si­ko ei­nes Zu­sam­men­bruchs ei­ner ton­nen­schwe­ren An­la­ge „sehr ge­ring“: „Es gibt 26 560 An­la­gen in Deutsch­land. Da­von bre­chen oder kip­pen viel­leicht zwei oder drei im Jahr.“

Micha­el Ei­len­ber­ger (45), Vor­sit­zen­der des Bun­des­ver­ban­des Land­schafts­schutz e.V., hat al­ler­dings al­lein 2015 ins­ge­samt 10 und im ver­gan­ge­nen Jahr wei­te­re 16 Wind­rad-Un­fäl­le ge­zählt. Er macht Ma­te­ri­al­er­mü­dung für die Um­stür­ze ver­ant­wort­lich: „Die star­ken Win­de nach Weih­nach­ten wa­ren dann wohl das aus­lö­sen­de Mo­ment für den To­des­stoß.“

Ei­len­ber­ger hat selbst schon Ro­tor­blät­ter re­pa­riert: „Das Ri­si­ko wei­te­rer Ein­stür­ze ist un­kal­ku­lier­bar. Das glas­fa­ser­ver­stärk­te Ma­te­ri­al der Ro­tor­blät­ter ver­sprö­det, muss re­gel­mä­ßig ge­wachst wer­den.“Der Land­schafts­schüt­zer for­dert weit­räu­mi­ge Ab­sperr­flä­chen un­ter den An­la­gen und grö­ße­re Ab­stän­de der Wind­rä­der zu Stra­ßen. Der­zeit sind bei­spiels­wei­se nur 40 Me­ter Ab­stand zu Bun­des­stra­ßen vor­ge­schrie­ben.

Knick­te um ein wie ein Stroh­halm: Beim Ab­sturz des Wind­ra­des wur­de zum Glück nie­mand ver­letzt. Es lief auch kein Öl aus.

In der Ucker­mark brach aus bis­lang un­ge­klär­ter Ur­sa­che ein 40 Me­ter langer Flü­gel ab.

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