Bo­wie für Be­gin­ner - Sei­ne bes­ten Songs

Morgenpost am Sonntag (Chemnitzer) - - POP -

ie Lis­te der 2016 ge­stor­be­nen Pop-Hel­den ist lang. Be­son­ders stark hat der Krebs­tod von Da­vid Bo­wie die Welt be­wegt. Heu­te wä­re der Bri­te 70 ge­wor­den, heu­te vor ei­nem Jahr er­schien auch sein letz­tes Al­bum „Black­star“. Vor al­lem der ers­te To­des­tag am 10. Ja­nu­ar wird Mil­lio­nen Fans noch ein­mal sehr trau­rig ma­chen. Ge­blie­ben ist sei­ne Mu­sik aus über 40 Jah­ren. Da­vid Bo­wie war zwar ein „Al­bum-Künst­ler“, aber er kann­te auch den Wert von ein­zel­nen Lie­dern und Hit-Singles im Pop. Hier ei­ni­ge sei­ner bes­ten. WELTRAUMDRAMA

Be­ein­druckt von St­an­ley Ku­bricks Film „2001: A Space Odys­sey“und kurz vor der ers­ten Mond­lan­dung schreibt Bo­wie das trau­ri­ge Lied „Space Od­di­ty“(1969). Die Ge­schich­te des As­tro­nau­ten Ma­jor Tom, der nach ei­ner Ha­va­rie angst­voll ins All drif­tet und sich von sei­ner Frau ver­ab­schie­det, be­rührt bis heu­te. VERSPÄTETER HIT

Die 1973 von RCA nach­träg­lich ver­öf­fent­lich­te Sing­le „Li­fe on Mars?“aus dem Al­bum „Hun­ky Do­ry“(1971) klet­tert bis auf Platz 3 der Sing­le-Charts und bleibt 13 Wo­chen vor­ne. Trotz des aber­mals mit der Welt­raum-Fas­zi­na­ti­on spie­len­den Ti­tels geht es hier ganz erd­ver­bun­den et­wa um ein Mäd­chen, Lie­bes­pro­ble­me und vie­les mehr. SCHRILL UND SELBST­BE­WUSST

Kaum ein Song der ers­ten Jah­re ver­strömt so viel Ener­gie wie „Suf­fra­get­te Ci­ty“(1972). Die Gi­tar­re von Mick Ron­son, ein ent­fes­sel­tes Boo­gie-Pia­no und Bo­wies krei­schen­der Ge­sang ge­hö­ren zum Stärks­ten, was der kurz­le­bi­ge Glam­rock zu bie­ten hat­te. Am bes­ten di­rekt da­nach vom „Zig­gy Star­dust“-Al­bum auch „Moo­na­ge Day­dream“hö­ren! KRAFTWERK IM HIN­TER­KOPF Die Fas­zi­na­ti­on für neue deut­sche Rock­mu­sik er­greift Bo­wie schon früh: „Mei­ne Lieb­lings­grup­pe ist Kraftwerk“, sagt er Mit­te der 70er-Jah­re. Der Al­bum-Er­öff­nungs­track „Sta­ti­on to Sta­ti­on“(1976) zeugt da­von. Zug­ge­räu­sche, lan­ge In­stru­men­tal­pas­sa­gen und die­ser un­wi­der­steh­li­che Rock-Groo­ve - ein Song­mo­nu­ment. HEL­DEN-HOMMAGE

Wenn es ein iko­ni­sches Lied von Da­vid Bo­wie gibt, dann wohl „He­roes“(1977). Der kur­ze Blick auf ein küs­sen­des Pär­chen vor der Ber­li­ner Mau­er soll ihn zu dem Text in­spi­riert ha­ben, von dem es auch ei­ne char­man­te deut­sche Ver­si­on gibt. Ei­ne gänz­lich un­pein­li­che Po­phym­ne, ein Gän­se­haut-Song für die Ewig­keit. ALS POPPER ZUM POP-RUHM Nach Glam­rock, Soul und New Wa­ve kommt Bo­wie in den 80ern im Main­stream an: Mit An­zug und blon­der Popper-Tol­le ge­lingt ihm 1983 mit „Let’s Dan­ce“ei­ner sei­ner größ­ten Hits. Das von Ni­le Rod­gers pro­du­zier­te Stück wird ei­ne der ein­fluss­reichs­ten Singles des Jahr­zehnts. An die­sen Erfolg wird der Künst­ler jah­re­lang nicht mehr an­knüp­fen kön­nen. BLICK ZU­RÜCK OH­NE ZORN Im Ge­gen­teil, mit „Whe­re Are We Now?“(2013) er­hebt Bo­wie die Ber­li­ner Jah­re von 1976 bis 1978 zu ei­ner sei­ner prä­gen­den Kar­rie­re­pha­sen. Er be­singt mit fra­gi­ler Stim­me den Pots­da­mer Platz, den eins­ti­gen Stamm­club „Dschun­gel“, das Kauf­haus KaDeWe - und den Mau­er­fall. Nost­al­gisch und sehr be­we­gend. IM ANGESICHT DES TODES

Die bi­bli­sche Fi­gur ei­nes von den To­ten er­weck­ten Men­schen lie­fert die Vor­la­ge für den letz­ten gro­ßen Song Bo­wies zu Leb­zei­ten, „La­za­rus“. Text und Vi­deo er­schüt­tern vor ei­nem Jahr mit ih­rer End­zeit­stim­mung - der krebs­kran­ke Sän­ger wuss­te, dass er nicht mehr lan­ge zu le­ben hat­te. Ein Ab­schied in größt­mög­li­cher Wür­de.

2003 trat Da­vid Bo­wie (†69) zum letz­ten Mal auf. Heu­te wä­re der Aus­nah­me­künst­ler 70 Jah­re alt ge­wor­den, über­mor­gen jährt sich sein To­des­tag zum ers­ten Mal.

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