„Kö­nig Ka­mil“& Co. auf dem Weg zur neu­en Su­per­macht

Ers­ter, Zwei­ter, Vier­ter - Wahn­sinn­s­er­geb­nis für Po­len

Morgenpost am Sonntag (Chemnitzer) - - VIERSCHANZENTOURNEE -

BISCHOFSHOFEN - Ganz Po­len fei­ert „Kö­nig Ka­mil“, den gro­ßen Tri­um­pha­tor der 65. Vier­schan­zen­tour­nee ließ das aber ziem­lich un­be­ein­druckt. „Was jetzt in mei­ner Hei­mat los ist? Ich neh­me an, es schneit und ist kalt - so wir hier“, sag­te Ka­mil Stoch und grins­te schel­misch.

Kurz zu­vor hat­te der 29-Jäh­ri­ge in Bischofshofen sein Meis­ter­stück ab­ge­lie­fert, den letz­ten Wett­be­werb und da­mit auf der Ziel­ge­ra­den die gan­ze Tour­nee ge­won­nen. Nach zwei Kri­sen­jah­ren mit an­ge­knacks­tem Schlüs­sel­bein und schmer­zen­dem Knie. Für Stoch ist die Be­zeich­nung Teu­fels­kerl noch ei­ne Un­ter­trei­bung.

„Der Mo­ment ist wun­der­schön. Für mich, fürs gan­ze Team“, sag­te der Dop­pel-Olym­pia­sie­ger von 2014, der am Mitt- woch im Pro­be­durch­gang von Inns­bruck ge­stürzt war und sich durch den Wett­be­werb am Berg­isel ge­quält hat­te, dem es in Bischofshofen bei ei­nem wei­ten Flug auch noch die Knie zu­sam­men­ge­staucht hat­te. Bei der Sie­ger­eh­rung konn­te Stoch vor Schmer­zen kaum den Gold­ad­ler stem­men.

„Ich ha­be vor Freu­de ge­weint. Von die­sem Er­geb­nis konn­ten wir nur träu­men“, sag­te Adam Ma­ly­sz. Po­lens Tour­nee­sie­ger von 2000/01 war lan­ge der Ski­sprung­held sei­nes Lan­des. Dann zog Stoch mit dem WM-Titel 2013 und dem Olym­pia-Dop­pel­pack 2014 gleich. Und jetzt hat die Nach­fol­ge-Ge­ne­ra­ti­on den einst auf ein­sa­mer

Fa­zit

Flur ste­hen­den Ma­ly­sz über­holt.

Da war ja nicht nur Stoch, der die­se Tour­nee mit dem Nor­we­ger Daniel And­re Tan­de und dem Ös­ter­rei­cher Ste­fan Kraft be­herrsch­te, ehe die­se ein­bra­chen. Der letzt­lich dritt­plat­zier­te Tan­de, weil im ent­schei­den­den Mo­ment, dem letz­ten Tour­nee­sprung, die Bin­dung ver­sag­te. Der auf Platz sechs durch­ge­reich­te Oberst­dorf-Sie­ger Kraft, weil er durch Ma­gen-Darm-Pro­ble­me die Fit­ness, dann in Inns­bruck das Wind-Glück, schließ­lich in Bischofshofen völ­lig die Li­nie verlor.

Nein, ne­ben Stoch war da Piotr Zy­la, der als Zwei­ter die Über­ra­schung der Tour­nee war. „Platz zehn hat­te ich mir zu­ge­traut. Aber Platz zwei - nie im Le­ben“, mein­te er. Und Ma­ciej Kot, des­sen Sie­ges­zug bei den Som­mer­sprin­gen kein Zu­falls­pro­dukt war, wo­von nun Rang vier zeug­te. Ers­ter, Zwei­ter, Vier­ter - da schien selbst der ge­stren­ge pol­ni­sche Wap­pe­n­ad­ler zu grin­sen.

Da­bei wa­ren die Po­len im Vor­jahr zweit­klas­sig. Stoch, ein Schat­ten sei­ner selbst, stand sinn­bild­lich fürs gan­ze Team. Dann eis­ten sie den Ös­ter­rei­cher Ste­fan Hornga­cher vom Deut­schen Ski­ver­band los, mach­ten den As­sis­ten­ten von Bun­des­trai­ner Wer­ner Schus­ter zum Chef­coach - und der Kuf­stei­ner schaff­te bin­nen Re­kord­zeit Sen­sa­tio­nel­les.

„Ste­fan ist ei­ner der bes­ten Trai­ner, die es gibt“, sag­te Stoch. Und Schus­ter, der bei­de bes­tens kennt, er­zähl­te am Abend nach dem Fi­na­le noch ei­ne Ge­schich­te: „2005 bei der Ju­nio­ren-WM in Ro­va­nie­mi war ich als ös­ter­rei­chi­scher Ju­nio­ren-Trai­ner, Ste­fan als pol­ni­scher. Da hat Ka­mil den si­cher ge­glaub­ten Titel ver­geigt, in­dem er beim Tele­mark um­ge­fal­len ist. Da hat ,Steff‘ die Fah­ne weg­ge­schmis­sen.“

Knapp zwölf Jah­re später in Bischofshofen, flo­gen kei­ne Stoffs­tü­cke. Bei­de, der Stoch und der „Steff“, woll­ten sich nur noch vor­ein­an­der ver­nei­gen.

Ka­mil Stoch prä­sen­tier­te sich bei der in über­ra­gen­der Ver­fas­sung und si­che als zwei­ter Po­le nach Adam Ma­ly­sz ve den Ge­samt­sieg.

Platz zwei in der Tour­nee-Ge­samt­wer­tung - da­mit hat­te der Po­le Piotr Zy­la über­haupt nicht ge­rech­net.

Ste­fan Hornga­cher

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.