Miss­tö­ne im Mu­sik­win­kel

MARKNE MARKNEUKIRCHEN - In den mit Schnee üb über­zu­cker­ten Hü­geln des Vogt­lands, im sonst so be­schau­li­chen Mu­sik­win­kel, geht

Morgenpost am Sonntag (Chemnitzer) - - VORDERSEITE - Von Mar­kuMar­kus Grie­se

Dar­um geht‘s: Seit 1973 ver­sucht die Welt­ge­mein­schaft, ge­fähr­de­te Tier- und Pflan­zen­ar­ten mit dem „Wa­shing­to­ner Ar­ten­schutz­ab­kom­men“(in­ter­na­tio­nal: „CITES“) zu ret­ten - wes­halb z.B. kein El­fen­bein mehr ein­ge­führt wer­den darf. Bei ih­rer letz­ten Kon­fe­renz im Ok­to­ber be­schloss die Run­de, auch den Han­del mit ei­ner Rei­he von Edel­höl­zern ein­zu­schrän­ken. Ei­ni­ge die­ser sel­te­nen Höl­zer - Gre­na­dill, Bu­bin­ga, Pa­li­san­der-Ar­ten - wer­den aber seit Jahr­zehn­ten im In­stru­men­ten­bau be­nö­tigt. Und der hat ei­ne sei­ner welt­wei­ten Hoch­bur­gen eben im Vogt­land.

„Uns be­trifft das ziem­lich stark“, sagt zum Bei­spiel Veit Schind­ler (55), Ge­schäfts­füh­rer bei „Ge­brü­der Mön­nig“in Markneukirchen (58 Mit­ar­bei­ter; Obo­en, Kla­ri­net­ten, Fa­got­te). „Seit Ge­ne­ra­tio­nen ver­wen­den wir ein Holz na­mens Gre­na­dill für Obo­en und Kla­ri­net­ten“, sagt Schind­ler. Das wach­se in den Sa­van­nen von Tan­sa­nia und Mo­sam­bik, sei jetzt „im frei­en Han­dels­ver­kehr“nicht mehr zu be­kom­men. Glück im Un­glück: Die meis­ten Kla­ri­net­ten­bau­er las­sen ihr Holz acht bis zehn Jah­re la­gern - bis es nicht mehr „ar­bei­tet“. Rest­be­stän­de gibt es al­so noch auf Jah­re hin­aus. Aber dann? Bleibt die Hoffung, dass künf­tig über zer­ti­fi­zier­te Händ­ler wie­der Holz ( wenn auch deut­lich teu­rer) zu er­wer­ben ist.

Apro­pos zer­ti­fi­zie­ren: Da­mit Mu­si­ker mit ih­rem In­stru­ment beim Rei­sen kei­nen Är­ger be­kom­men, müs­sen die Ma­nu­fak­tu­ren pe­ni­bel do­ku­men­tie­ren, wel­che Höl­zer in wel­chen Men­gen bei der Her­stel­lung be­nutzt wur­den. Nur so gibt es so­ge­nann­te Re-Ex­port-Ge­neh­mi­gun­gen. Und oh­ne die rich­ti­gen Pa­pie­re ris­kiert zum Bei­spiel ein Orches­ter-Mu­si­ker auf Kon­zert­rei­se, dass der Zoll ihm sei-

ne Kla­ri­net­te be­schlag­nahmt: „Künst­ler­pech“im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes.

Auch über die Alt­be­stän­de an jetzt re­gle­men­tier­ten Höl­zern muss von den In­stru­men­ten­bau­ern Buch ge­führt wer­den. Bis zum Jah­res­wech­sel muss­ten sie dem Land­rats­amt des Vogt­land­krei­ses („Un­te­re Na­tur­schutz­be­hör­de“) mit­tei­len, wie viel Holz wel­cher Sor­te noch im La­ger liegt. Die Be­hör­de selbst spricht von ei­nem „im­men­sen zu­sätz­li­chen Ar­beits­auf­wand“. Ei­ne Pres­se-An­fra­ge, wie vie­le In­stru­men­ten­bau­er dies be­trä­fe, blieb wohl auch des­halb bis­lang un­be­ant­wor­tet. Die Auf­lis­tung der Be­stän­de muss üb­ri­gens von je­dem Be­trieb stän­dig ak­tua­li­siert wer­den. Kon­trol­len dro­hen. Veit Schind­ler: „Das braucht Per­so­nal. Und was die Ge­neh­mi­gun­gen kos­ten wer­den, wis­sen wir noch gar nicht.“

Auch für Gei­gen­bau­er Udo Kretz­sch­mann (58) ist das The­ma re­le­vant. Er nutzt Pa­li­san­der z.B. für die Gei­gen­wir­bel, mit de­nen man die Sai­ten stimmt. Dunk­les Eben­holz, das er für die Griff­bret­ter braucht, darf zum Bei­spiel schon lan­ge nicht mehr aus Ma­da­gas­kar be­zo­gen wer­den. Kretz­sch­mann will die­se Maß­nah­men aber gar nicht ver­ur­tei­len, sagt: „Na­tür­lich ha­ben wir sel­ber ein In­ter­es­se an sau­be­ren Be­stän­den.“Weil die Tra­di­ti­ons­be­trie­be in Ge­ne­ra­tio­nen den­ken, sind sie an Nach­hal­tig­keit sehr in­ter­es­siert. Kretz­sch­mann ist des­halb so­gar Grün­dungs­mit­glied im Ver­ein „Eben!Holz“, der sich den Schutz der In­stru­men­ten-Höl­zer auf die Fah­ne ge­schrie­ben hat.

Beim Gei­gen­bau wer­den vor­ran­gig Fich­te und Berg­ahorn, aber eben auch das dunk­le Eben­holz ver­wen­det. In Län­dern wie Ma­da­gas­kar wird das Nach­pflan­zen der wert­vol­len Bäu­me oft ver­nach­läs­sigt. Bo­gen­bau­er Andre­as Ue­bel (32) aus Markneukirchen nutzt Fer­nam­buk-Holz. Das ist mitt­ler­wei­le aus zer­ti­fi­zier­ten Be­stän­den wie­der er­hält­lich - aber teu­er!

Zu­letzt tag­te die Ar­ten­schutz-Kon­fe­renz im süd­afri­ka­ni­schen Jo­han­nes­burg.

Ei­ne Rei­he tro­pi­scher Höl­zer ist mitt­ler­wei­le ge­schützt. Ein Kahl­schlag sel­te­ner Ar­ten soll so ver­hin­dert wer­den.

Bei „Ge­brü­der Mön­nig“wer­den Kla­ri­net­ten, Obo­en und Fa­got­te aus tro­pi­schen Höl­zern ge­baut.

Gei­gen­bau­er Udo Kretz­sch­mann hat jetzt ne­ben sei­ner ei­gent­li­chen Tä­tig­keit noch viel Pa­pier­kram zu er­le­di­gen.

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