Neu­es Ge­setz macht Ju­gend­äm­tern zu schaf

Morgenpost am Sonntag (Chemnitzer) - - SACHSEN -

CHEM­NITZ - Gu­te Nach­richt für al­lein ge­las­se­ne Kin­der, ei­ne eher schlech­te für das Ju­gend­amt: Kurz vor der Som­mer­pau­se hat der Bun­des­tag be­schlos­sen, viel mehr be­trof­fe­nen Kin­dern den Un­ter­halts­vor­schuss zu ge­wäh­ren, falls ein El­tern­teil nicht zahlt. Das Chem­nit­zer Ju­gend­amt hat jetzt mit ei­nem rie­si­gen An­sturm zu kämp­fen.

Wenn ein ge­trennt le­ben­der El­tern­teil - meist der Va­ter - die Ali­men­te schul­dig bleibt, müs­sen oft die Kom­mu­nen ein­sprin­gen und den Un­ter­halt vor­schie­ßen. In Sach­sen be­trifft das über 30 000 Kin­der, 2 250 al­lein in Chem­nitz. Bis­her gab es den Vor­schuss nur bis zum zwölf­ten Le­bens­jahr und höchs­tens sechs Jah­re lang. Ab so­fort sind bei­de Gren­zen auf­ge­ho­ben.

Zwar gibt es das Geld nicht so­fort, weil das Ge­setz noch nicht im Bun­des­an­zei­ger ver­öf­fent­licht ist. Doch be­reits jetzt stür­men die An­trags­be­rech­tig­ten Sach­sens Ju­gend­äm­ter. Al­lein im Ju­ni nahm das Chem­nit­zer Amt 347 An­trä­ge ent­ge­gen und führ­te zu­sätz­lich 440 Be­ra­tungs­ge­sprä­che. Man geht von ei­ner Ver­dopp­lung der Fall­zah­len aus.

Das liegt auch dar­an, dass die Job­cen­ter sach­sen­weit tau­sen­de Leis­tungs­be­rech­tig­te zur Mit­wir­kung auf­ge­for­dert ha­ben, den Un­ter­halts­vor­schuss als vor­ran­gi­ge Leis­tung zu be­an­tra­gen. Für die­se Leu­te be­deu­tet das neue Ge­setz nicht un­be­dingt mehr Geld, aber zu­sätz­li­chen bü­ro­kra­ti­schen Auf­wand.

Aber auch bei den Ju­gend­äm­tern. Ju­gend­amts­lei­ter Claus Lipp­mann aus Dres­den: „Die Be­ar­bei­tungs­zeit wird sich an­fangs mit Si­cher­heit er­hö­hen. Un­se­re Mit­ar­bei­ter sind na­tür­lich be­strebt, bis zum En­de des Jah­res wie­der Nor- ma­li­tät zu er­rei­chen.“In Chem­nitz wur­den sechs zu­sätz­li­che Stel­len ge­schaf­fen.

Für die Städ­te und Krei­se ist der Se­gen aus dem Bund eher ein Fluch. Denn die zu­sätz­li­chen Kos­ten wer­den von den kom­mu­na­len Haus­hal­ten ge­tra­gen. So kal­ku­liert Chem­nitz in die­sem

In den Ju­gend­äm­tern herrscht in den letz­ten Wo­chen er­höh­ter Be­ra­tungs­be­darf. Für vie­le Al­lein­ste­hen­de gibt es zu­sätz­li­che Un­ter­stüt­zung vom Amt.

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