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Morgenpost am Sonntag (Chemnitzer) - - POLITIK/WELT -

als es noch vor ein paar Jah­ren der Fall war.

Auch sei­ne El­tern wa­ren vom Ou­ting des da­mals 15-Jäh­ri­gen nicht ge­schockt, er­zählt Fa­bi­an. „Sie hat­ten si­cher ei­ne Vor­ah­nung, da ich nicht mit den Mäd­chen Bar­bie spie­len, son­dern mit den Jungs Fuß­ball ki­cken woll­te.“Die Lei­den­schaft zum run­den Le­der ist nie ab­ge­klun­gen, mit Freun­den ist er nach wie vor auf dem Platz. „Mei­ne Bar­bies ha­a­be ich da­mals im Ka­min ver­brannt“, ge steht Fa­bi­an.

Schon in der frü­hen Kind­heit war er im mer „mit den Jungs be­schäf­tigt“, spielt mit ih­nen mit „Hot Wheels“(Spiel­zeugau tos). Auch in Sa­chen Klei­dung leg­te sic Fa­bi­an schon Jah­re vor sei­nem Ou­tin fest. „Ich hab‘ kein Ro­sa an­ge­zo­gen. Da ge­gen hab‘ ich mich im­mer ge­wei­gert.“

Tipps zu sei­ner Trans­se­xua­li­tät hol te sich Fa­bi­an vor al­lem im In­ter­net. Er trat on­line mit meh­re­ren Leu­ten in Kon­takt, die sich wie er auch im fal­schen Kör­per füh­len. „Die­se Leu­te kön­nen das viel bes­ser nach­voll­zie­hen, weil die na­tür­lich das­sel­be durch­ma­chen wie ich“, ist er sich si­cher. „Sie konn­ten mir am bes­ten hel­fen“, schätzt sich Fa­bi­an glück­lich über sei­ne Kon­tak­te im In­ter­net.

Nun ist es nicht ein­fach, als Trans­se­xu­el­ler in ei­ner 7 000-Ein­woh­ner-Kle­in­stadt zu woh­nen. Mit ei­nem sol­chen The­ma wur­den die Geit­hai­ner viel­leicht noch nie in ih­rem Le­ben kon­fron­tiert.

Doch auf Un­ver­ständ­nis ist der 17-Jäh­ri­ge nie ge­sto­ßen. „Ich ha­be das Glück, dass ich re­la­tiv männ­lich bin, wo­bei ich noch kei­nen Bart­wuchs ha­be“, sagt Fa­bi­an. „Ich wur­de aber nie blöd an­ge­schaut, Läs­te­rei­en ha­be ich auch nie mit­be­kom­men.“Ei­ni­ge Si­tua­tio­nen wa­ren dann doch da­bei, in de­nen sich der Abitu­ri­ent un­wohl fühl­te. „Be­son­ders der Sport- un­ter­richt oder der Gang zur Toi­let­te“sei­en un­an­ge­nehm ge­we­sen. „Du wirst auf dem Klo im­mer schei­ße an­ge­guckt, egal ob du bei den Män­nern oder Frau­en gehst.“Auch im Mu­sik­un­ter­richt, als der Leh­rer auf­for­der­te, dass jetzt nur die Mäd­chen oder nur die Jungs sin­gen, kam sich Fa­bi­an oft blöd vor: „Man weiß dann nicht, wo man nun mit­sin­gen soll. Ich sin­ge aber ein­fach bei den Jungs mit, weil ich mich als ei­ner füh­le.“Ver­ge­ben ist er üb­ri­gens noch nicht. Aber zu wel­chem Ge­schlecht fühlt sich der 17-Jäh­ri­ge hin­ge­zo­gen? „Wenn man da­von aus­geht, dass ich ak­tu­ell noch ein Mäd­chen bin, bin ich of­fi­zi­ell les­bisch“, sag­te Fa­bi­an. „Ich ste­he ganz klar auf Mäd­chen.“Kon­kre­te Be­rufs­vor­stel­lun­gen nach dem Abitur 2018 hat er auch schon. „Ich will in der Ka­me­ra­tech­nik im Be­reich Film ar­bei­ten und Fil­me dre­hen“, ver­riet uns der Geit­hai­ner. Soll­te das nicht klap­pen, wür­de er auch im PR-Ma­nage­ment ar­bei­ten. „Ir­gend­was, wo man nicht nur im Bü­ro sitzt“, lacht Fa­bi­an. „Ich brauch‘ im­mer Ac­tion!“Zum Stu­die­ren wür­de Fa­bi­an dann zwar in Deutsch­land blei­ben, aber lie­ber wei­ter weg zie­hen als nur nach Leip­zig. „Ich will neue Leu­te ken­nen­ler­nen und ich fin­de es gut, aus dem ge­wohn­ten Um­feld her­aus­zu­kom­men.“Be­suchs­wei­se wird er na­tür­lich zu­rück­keh­ren. In nicht all­zu lan­ger Zeit läuft Fa­bi­an dann als Mann durch sei­ne klei­ne Hei­mat­stadt Geithain.

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