Ha­noi

Morgenpost am Sonntag (Chemnitzer) - - Reise -

Ha­noi ist die Haupt­stadt Viet­nams, hat stol­ze 1000 Jah­re auf dem Bu­ckel und glänzt heu­te mit pom­pö­sen staats­tra­gen­den Par­la­ments­ge­bäu­den. Trotz­dem hat sich ein an­ge­nehm pro­vin­zi­el­ler Charme er­hal­ten. Die­ses be­son­de­re Flair er­lebt man am ein­drucks­volls­ten bei Spa­zier­gän­gen durch das flir­ren­de La­by­rinth der Stra­ßen und Gas­sen in der In­nen­stadt - wenn man sich traut. Denn die Stra­ßen er­schei­nen hier wie an­ge­schwol­le­ne Flüs­se vol­ler Mo­peds. Hun­der­te? Tau­sen­de? Nein, Hun­dert­tau­sen­de tu­ckern da in ei­nem schier end­lo­sen Strom vor­bei. Der Trick, um in Ha­noi über die Stra­ße zu kom­men: ein­fach los­ge­hen. Die Mo­peds flie­ßen förm­lich wie von Geis­ter­hand ent­we­der da­vor oder da­hin­ter um je­des Hin­der­nis her­um. Auch wenn es sich be­wegt. Das klappt so­gar oh­ne Schram­me, wenn man die Au­gen schlie­ßen wür­de. Nur Mut. Was die gan­ze Stadt (6,5 Mio. Ein­woh­ner) zu bie­ten hat, prä­sen­tiert sie rund um den Ho­an Kiem See im Zen­trum wie auf ei­nem Sil­ber­ta­blett. Tol­le Tem­pel und Pa­go­den wie den Schild­krö­ten­turm (Wahr­zei­chen der Stadt). Tra­di­tio­nel­le Kul­tur wie im Was­ser­pup­pen­thea­ter (Ti­cket: 4 Eu­ro), wo man viet­na­me­si­sche Folk­lo­re er­le­ben kann, die ih­ren Ur­sprung auf den über­flu­te­ten Fel­dern der Reis­bau­ern hat. Und fit­te Ein­woh­ner je­den Al­ters, die am See auf skur­ri­len Fit­ness­ge­rä­ten stöh­nend stem­men, step­pen, han­geln oder ru­dern.

Der Li­te­ra­tur­tem­pel ist ei­ne grü­ne Oa­se der Stadt und gern ge­wähl­tes Fo­to­mo­tiv für frisch Ver­mähl­te oder Gra­dua­ti­ons­fei­ern. Am längs­ten har­ren Ha­noi-Tou­ris­ten je­doch meist am Mau­so­le­um des ein­bal­sa­mier­ten Leich­nams von Ho Chi Minh aus - al­ler­dings un­frei­wil­lig. Wer den Held der viet­na­me­si­schen Re­vo­lu­ti­on se­hen will, muss sich in die meist lan­ge Schlan­ge an­stel­len und ge­dul­dig war­ten - an Fei­er­ta­gen manch­mal stun­den­lang.

Drin­nen an­ge­kom­men geht man lang­sam ein­mal im Ka­ree um den Sarg des Na­tio­nal­hel­den her­um. War­um es da­von kei­ne Fo­tos gibt? Weil fo­to­gra­fie­ren im Mau­so­le­um streng ver­bo­ten ist. Al­so an­stel­len und sel­ber se­hen.

Jo­ker in der Um­ge­bung: Aus­flü­ge zu u Kreuz­fahr­ten in der Ha­long Bucht mitt ih­ren keck auf­ra­gen­den Kalk­fel­sen - ein biss­chen wie Elb­sand­stein­ge­bir- ge im Was­ser.

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