Neau­an­fang im son­ni­gen Su­den

Ei­ne Chem­nit­ze­rin war reif fur die In­sel

Morgenpost am Sonntag (Chemnitzer) - - MENSCHEN - Von Tho­mas Gill­meis­ter

CHEM­NITZ/LA PALMA - Good­bye Deutsch­land. An­ge­li­ka Nolte hat es ge­wagt. Zum 60. Ge­burts­tag schenk­te sie sich selbst ei­nen Neu­be­ginn auf La Palma. Dort lebt die Säch­sin nun be­schei­den und zu­frie­den im Ein­klang mit der Na­tur und för­dert un­ter süd­li­cher Son­ne die Selbst­hei­lungs­kräf­te von Hil­fe­su­chen­den.

Der Aus­stieg aus dem Job war für die Kran­ken­schwes­ter der Ein­stieg in selbst ge­wähl­te Aben­teu­er: Sie schlief in der Si­nai-Wüs­te un­ter frei­em Him­mel. Im un­be­rühr­ten Nor­den Ba­lis be­trieb sie See­len­for­schun­gen. Auf der Ka­na­ren­in­sel La Palma leb­te sie in ei­ner Höh­le. Zwi­schen­durch kehr­te sie im­mer wie­der nach Ein­sie­del bei Chem­nitz zu­rück, um dort mit Me­di­ta­tio­nen, Klang­mas­sa­gen und lie­be­vol­len Be­rüh­run­gen Men­schen zu hel­fen und mit ih­nen al­ter­na­ti­ve Hei­lungs­we­ge zu ge­hen. „Da­bei schau­te ich in so vie­le trau­ri­ge Au­gen“, sin­niert sie. „Da saß dann manch­mal ei­ne Frau in mei­nem Al­ter vor mir und hat­te ei­gent­lich schon mit dem Le­ben ab­ge­schlos­sen.“

An­ge­li­ka Nolte be­gann sich nach sol­chen Be­geg­nun­gen im­mer öf­ter selbst zu hin­ter­fra­gen: „Bin ich auf dem rich­ti­gen Weg? Was möch­te ich in den nächs­ten

20 Jah­ren wirk­lich ma­chen? Was sagt mein Herz?“Bei ih­rem letz­ten Trip nach La Palma hör­te die Sen­si­ble noch in­ten­si­ver in sich hin­ein und spür­te da­bei die po­si­ti­ve Ener­gie, die auf der Vul­kan­in­sel herrscht. Des­halb fass­te An­ge­li­ka den Ent­schluss, Deutsch­land Good­bye zu sa­gen. „Ich ver­schenk­te vie­le Sa­chen, trenn­te mich von mei­nem Gar­ten und fuhr Mit­te Mai mit mei­nem Au­to und ei­nem Wohn­an­hän­ger Rich­tung Ka­na­ren“, er­in­nert sich die Mut­ter von zwei er­wach­se­nen Kin­dern.

Sie nahm sich ex­tra zwei Wo­chen Zeit, um die Rei­se ganz be­wusst als Ab­schieds­ri­tu­al wahr­zu­neh­men. Seit An­fang Ju­ni lebt die Na­tur­ver­bun­de­ne nun im Nor­den der In­sel auf ei­ner Fin­ca in­mit­ten von Pal­men, Oran­gen­hai­nen und Man­del­al­le­en. „Ich er­näh­re mich über­wie­gend von dem, was hier wächst und trin­ke das köst­lich fri­sche Qu­ell­was­ser“, er­zählt die Ve­ga­ne­rin. „Au­ßer­dem gibt es hier ei­ne voll funk­tio­nie­ren­de Dorf­ge­mein­schaft mit vie­len deut­schen Aus­stei­gern. Wir hel­fen uns ge­gen­sei­tig und tau­schen auch Wa­ren aus.“

Die Säch­sin ar­bei­tet täg­lich be­geis­tert in den frucht­ba­ren Gär­ten. Au­ßer­dem hat sich in­zwi­schen ih­re Her­zens­bot­schaft her­um­ge­spro­chen, Selbst­hei­lungs­kräf­te ak­ti­vie­ren zu kön­nen. Auch aus ih­rer rund 4 400 Ki­lo­me­ter ent­fern­ten al­ten Hei­mat kom­men mitt­ler­wei­le Rat­su­chen­de vor­bei. „Wenn ich se­he, wie stress­be­la­den und emo­tio­nal be­dürf­tig die Men­schen sind, sa­ge ich in­ner­lich zu mir: An­ge­li­ka, du hast al­les rich­tig ge­macht.“So ge­nießt sie ihr selbst ge­wähl­tes frei­es Le­ben un­ter Pal­men auf La Palma, „zu dem mitt­ler­wei­le auch mei­ne neue Lie­be ge­hört“, ver­rät die glück­li­che Aus­stei­ge­rin.

Kon­takt:

So strahlt nur je­mand, der mit sich im Rei­nen ist: An­ge­li­ka Nolte mag ihr neu­es Le­ben auf La Palma.

Wis­sen­de Hän­de: An­ge­li­ka Nolte ver­steht es, bei Rat­su­chen­den die Selbst­hei­lungs­kräf­te zu ak­ti­vie­ren. Wüs­ten hat­ten frü­her ei­ne be­son­de­re An­zie­hungs­kraft auf die Chem­nit­ze­rin. Gu­tes Ge­spann: An­ge­li­ka Nolte beim Um­zug mit Sack und Pack, Au­to und Wohn­wa­gen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.