Six­ties-Iko­ne, Jun­kie, gro­ße Di­va

Morgenpost am Sonntag (Chemnitzer) - - POP -

Ei­nes der schöns­ten Ge­sich­ter der Swin­ging Six­ties, dann tief un­ten im Dro­gen­sumpf, nun schon seit Lan­gem hoch­ver­ehr­te Pop-Di­va: Ma­ri­an­ne Faith­full (71) hat ei­ne wech­sel­vol­le Kar­rie­re hin­ter sich. Das hört man ih­rer neu­en

Plat­te an - ei­ne

Bi­lanz, in der al­le Pha­sen an­klin­gen. Man muss ein in­ten­si­ves, auch schmer­zens­rei­ches Le­ben ge­lebt ha­ben, um ein Al­bum zu ma­chen wie jetzt Ma­ri­an­ne Faith­full mit „Ne­ga­ti­ve Ca­pa­bi­li­ty“. Und man muss gu­te Freun­de und her­aus­ra­gen­de Mu­si­ker an sei­ner Sei­te wis­sen, um ei­ne so wuch­ti­ge Le­bens­bi­lanz dann auch an­ge­mes­sen um­zu­set­zen. Bei­des zu­sam­men macht die 21. Plat­te der Sän­ge­rin zu ei­nem Er­eig­nis.

In den 60er-Jah­ren war Faith­full ei­ne be­wun­der­te Sti­li­ko­ne an der Sei­te ih­res Le­bens­ab­schnitts­ge­fähr­ten Mick Jag­ger, mit dem ers­ten Welt­hit „As Te­ars Go By“(1964). Die 70er er­leb­te die Bri­tin als Jun­kie, ganz tief un­ten und dann doch noch tri­um­phie­rend mit dem Trotz-und-Wut-Al­bum „Bro­ken Eng­lish“(1979).

„Ne­ga­ti­ve Ca­pa­bi­li­ty“fasst nun all die Er­fol­ge und Ab­stür­ze wie un­ter ei­nem Brenn­glas zu­sam­men. Die vom zeit­wei­se un­ge­sun­den Le­ben ge­gerb­te, krat­zig-tie­fe Stim­me der Faith­full, ih­re zwi­schen Kla­vier­bal­la­de, Folk­song und düs­te­rem Rock pen­deln­den Lie­der - schon das greift ans Herz. Und dann noch die Tex­te, über den Ver­lust ge­lieb­ter Men­schen („Don’t Go“) oder den gan­zen Wahn­sinn in der Welt („They Co­me At Night“be­han­delt den Ter­ror­an­schlag von 2015 in ih­rer Wahl­hei­mat Paris). Kein Wun­der, dass „Ne­ga­ti­ve Ca­pa­bi­li­ty“mit den mo­nu­men­ta­len Al­ters­wer­ken von John­ny Cash oder Leo­nard Co­hen ver­gli­chen wird.

Wie schon bei frü­he­ren Al­ben gibt es span­nen­de Ko­ope­ra­tio­nen, et­wa mit Nick Ca­ve oder Mark La­ne­gan. Au­ßer­dem co­vert die Bri­tin Bob Dylans „It’s All Over Now, Ba­by Blue“und nimmt sich zwei wich­ti­ge Lie­der ih­rer Lauf­bahn noch­mals vor: „Wit­ches Song“(von „Bro­ken Eng­lish“) - und die­ses be­rühm­te „As Te­ars Go By“, mit dem vor gut 50 Jah­ren al­les be­gann. Mit der be­we­gen­den Auf­nah­me schließt sich ein Kreis. „Ne­ga­ti­ve Ca­pa­bi­li­ty“ist ei­nes der bes­ten Al­ben ei­ner ein­drucks­vol­len Kar­rie­re. Wer­ner Her­pell

Im­mer noch auf­recht auf der Büh­ne: Ma­ri­an­ne Faith­full (71). Sie war sei­ne ers­te gro­ße Lie­be: Die Six­ties-Sti­li­ko­ne 1969 an der Sei­te von Mick Jag­ger.

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