Die töd­li­che Ge­fahr

Morgenpost am Sonntag (Chemnitzer) - - VORDERSEITE - Von Uwe Blü­mel

Sie kön­nen sich lan­ge ver­ste­cken, oh­ne be­merkt zu wer­den. Doch für ge­schwäch­te Schwer­kran­ke, Kin­der und Al­te kön­nen sie töd­lich sein: mul­ti­re­sis­ten­te Kei­me, ge­gen die al­le An­ti­bio­ti­ka macht­los sind. Im Kran­ken­haus Dres­den-Neu­stadt star­ben ver­gan­ge­ne Wo­che zwei Pa­ti­en­ten nach ei­ner In­fek­ti­on mit den tü­cki­schen Er­re­gern, vier wei­te­re wur­den an­ge­steckt. Wir ha­ben nach­ge­fragt: Wie ent­ste­hen die tod­brin­gen­den Kei­me? Wie kann ich mich an­ste­cken? Und wie kann man sich schüt­zen?

Für das Kran­ken­haus Dres­den-Neu­stadt geht ei­ne Schre­ckens­wo­che zu En­de. Sonn­tag­nacht starb ein Pa­ti­ent auf der In­ten­siv­sta­ti­on (ITS), am Mon­tag­abend ein zwei­ter (Jahr­gang 1956 und 1964). Bei­de wa­ren mit dem ge­gen An­ti­bio­ti­ka mul­ti­re­sis­ten­ten Darm­keim in­fi­ziert. Die ITS wur­de für Neu­zu­gän­ge ge­sperrt.

Auf der ITS traf der Kil­ler-Keim auf Pa­ti­en­ten mit oh­ne­hin schon ge­schwäch­tem Im­mun­sys­tem, die teil­wei­se be­at­met wer­den müs­sen. „Bei­de ver­stor­be­nen Pa­ti­en­ten hat­ten schwe­re Vo­r­er­kran­kun­gen, wa­ren schon mit ei­ner An­ti­bio­ti­ka-The­ra­pie be­han­delt wor­den“, sagt Kli­nik­spre­che­rin Vi­via­ne Piffc­zyk.

Fa­tal: Vier wei­te­re ITS-Pa­ti­en­ten ha­ben sich mit dem nicht be­han­del­ba­ren Keim in­fi­ziert. An­ge­hö­ri­ge, die zu ih­nen auf die ITS zu Be­such kom- men, dür­fen nur ein­zeln, ge­schützt durch Kit­tel und Hand­schu­he und nur in Be­glei­tung me­di­zi­ni­schen Fach­per­so­nals an die Kran­ken­bet­ten. Das soll die wei­te­re Aus­brei­tung ver­hin­dern. Denn der Keim kann nur durch Be­rüh­rung über­tra­gen wer­den, fliegt nicht durch die Luft.

„Die vier noch auf der ITS ver­blie­be­nen Pa­ti­en­ten hat­ten schwe­re, kom­ple­xe Grun­d­er­kran­kun­gen. Ihr Zu­stand ist seit An­fang der Wo­che un­ver­än­dert. Sie müs­sen je­doch noch über ei­ne län­ge­re Zeit auf un­se­rer In­ten­siv­sta­ti­on be­han­delt wer­den. Da­nach wer­den sie ent­we­der nach Hau­se ent­las­sen, in ei­ne Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­ein­rich­tung über­wie­sen oder auf un­se­re In­fek­tio­lo­gie-Ab­tei­lung in Ein­zel­zim­mer ver­legt“, sagt der Me­di­zi­ni­sche Di­rek­tor Dr. Lutz Bla­se. „Dort sind auch für An­ge­hö­ri­ge bei Kran­ken­be­su­chen lan­ge Kit­tel und Hand­schu­he Pflicht.“Die ITS bleibt in­des­sen für Neu­auf­nah­men wei­ter ge­sperrt.

Kil­ler-Kei­me sind gar nicht so sel­ten. „2017 wur­den uns ins­ge­samt 510 Keim­nach­wei­se so­ge­nann­ter mul­ti­re­sis­ten­ter Bak­te­ri­en­ar­ten ge­mel­det, die zu In­fek­tio­nen ge­führt hat­ten“, sagt Dr. Ger­lin­de Schnei­der, Prä­si­den­tin der Lan­des­un­ter­su­chungs­an­stalt (LUA) Sach­sen.

Üb­ri­gens: „Zehn Pro­zent der Be­völ­ke­rung sind Keim­trä­ger - zeit­wei­se oder stän­dig, müs­sen aber nicht er­kran­ken“, sagt Vi­via­ne Piffc­zyk. Bei hy­gie­ni­scher Le­bens­wei­se wie gründ­li­chem Hän­de­wa­schen nach je­dem Toi­let­ten­gang kann der ge­fähr­li­che Darm­keim nicht wei­ter über­tra­gen wer­den.

Dr. Lutz Bla­se, Me­di­zi­ni­scher Di­rek­tor vom Kran­ken­haus Dres­den-Neu­stadt, muss­te zwei To­des­fäl­le nach ei­nem Kei­maus­bruch in sei­ner Kli­nik be­kannt ge­ben.

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