Re­pu­blik

Morgenpost am Sonntag (Chemnitzer) - - GESCHICHTE -

Schlacht ge­gen die mäch­ti­ge bri­ti­sche Flot­te aus­zu­lau­fen. Am 3. No­vem­ber 1918 kam es in Kiel zum Ma­tro­sen­auf­stand und der Bil­dung von Ar­bei­ter- und Sol­da­ten­rä­ten. Heu­te vor 100 Jah­ren be­gann die No­vem­ber­re­vo­lu­ti­on, die in Win­des­ei­le das ge­sam­te Reich er­fass­te.

Das Reich ge­riet au­ßer Kon­trol­le, und in Berlin herrsch­te ein Macht-Va­ku­um. Der Kai­ser, Wil­helm II., weil­te im bel­gi­schen Spa bei der Obers­ten Hee­res­lei­tung und spiel­te auf Zeit. Durch ei­ne be­reits im Ok­to­ber er­folg­te Ver­fas­sungs-Än­de­rung galt der Chef der größ­ten Mehr­heits­frak­ti­on im Reichs­tag, Fried­rich Ebert (SPD), als Mann des Han­delns. Er muss­te sich da­bei mit Max von Baden, dem erst vor we­ni­gen Wo­chen ein­ge­setz­ten Reichs­kanz­ler, ab­stim­men.

Die bei­den hat­ten gera­de eher au­ßen­po­li­ti­sche Pro­ble­me. Denn US-Prä­si­dent Woo­drow Wil­son hat­te durch die Blu­me mit­ge­teilt, dass ein Frie­dens­ver­trag erst nach Ab­tritt des Kai­sers mög­lich sei. Am 7. No­vem­ber ge­stand Ebert dem Kanz­ler: „Wenn der Kai­ser nicht ab­dankt, ist die so­zia­le Re­vo­lu­ti­on un­ver­meid­lich. Ich aber will sie nicht, ja ich has­se sie wie die Sün­de.“Er woll­te gern die neu ge­won­ne­ne Macht be­hal­ten.

So lief am 9. No­vem­ber, ei­nem Sams­tag, al­les auf die gro­ße Ex­plo­si­on hin­aus: In Berlin wur­de zum Ge­ne­ral­streik und Mas­sen­de­mons­tra­tio­nen auf­ge­ru­fen. Um Un­ru­hen zu ver­mei­den, ließ Max von Baden ein noch als zu­ver­läs­sig gel­ten­des Jä- ger­re­gi­ment in die Haupt­stadt ho­len. Doch auch die­se Sol­da­ten wei­ger­ten sich, auf die Lands­leu­te zu schie­ßen.

Oh­ne die Ent­schei­dung aus Spa ab­zu­war­ten, han­del­te der Kanz­ler nun auf ei­ge­ne Faust. Er gab ei­ne Er­klä­rung her­aus, dass der Kai­ser und Kö­nig sich ent­schlos­sen ha­be, dem Thron zu ent­sa­gen. Dies soll­te die auf­ge­wühl­te Men­ge besänftigen.

Und so kam es, dass an die­sem 9. No­vem­ber gleich zwei­mal die Re­pu­blik in Deutsch­land aus­ge­ru­fen wur­de: Der SPD-Ab­ge­ord­ne­te Philipp Schei­de­mann pro­kla­mier­te am Reichs­tag ei­ne par­la­men­ta­risch-de­mo­kra­ti­sche Kon­sti­tu­ti­on. Und der Spar­ta­kus-Füh­rer Karl Lieb­knecht rief am Ber­li­ner Schloss die so­zia­lis­ti­sche Re­pu­blik aus.

Auch wenn bei­de Aus­ru­fun­gen kei­ne ju­ris­ti­sche Le­gi­ti­ma­ti­on hat­ten: Sie be­en­de­ten die Kai­ser­zeit in Deutsch­land. Am Fol­ge­tag nahm Kai­ser Wil­helm ei­nen Zug nach Hol­land, wo er sein Exil fand. Weil der Krieg noch nicht be­en­det war, darf man ihm das durch­aus als Fah­nen­flucht aus­le­gen.

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