It­sagen­tur will Geld ei­nem 13-Jäh­ri­gen

Morgenpost am Sonntag (Chemnitzer) - - SACHSEN -

an­nehm­lich­kei­ten. Da­bei hat­te er noch nie Leis­tun­gen vom Job­cen­ter er­hal­ten.

Auch sein Va­ter, bei dem er lebt, war noch nie ar­beits­los. Elek­tro­in­ge­nieur

Jens Uhl­mann: „Am Te­le­fon sag­te man mir gleich, dass die For­de­rung nicht be­rech­tigt sei.“Er be­stand auf ei­nen schrift­li­chen Ab­hil­fe­be­scheid oder die Rück- nah­me der For­de­rung: „Nur das ist rechts­si­cher.“Drei Mo­na­te spä­ter hat das Amt Uhl­manns Wi­der­spruch noch im­mer nicht be­ant­wor­tet. Steht bald der Ge­richts­voll­zie­her vor der Tür und knöpft sei­nem Sohn Ta­schen­geld ab? Erst als Uhl­mann ein Bün­del Di­enst­auf­sichts- und Un­tä­tig­keits­be­schwer­den los­schick­te, ver­sprach man in der ver­gan­ge­nen das Wo­che die Be­ar­bei­tung.

Als Mit­glied des Krei­s­el­tern­ra­tes im Vogt­land weiß Uhl­mann, dass sein Fall nicht die ein­zi­ge ge­setz­wid­ri­ge For­de­rung des Am­tes an Min­der­jäh­ri­ge ist. Des­halb setz­te er der Agen­tur jetzt ei­ne Frist. Uhl­mann: „Sonst se­he ich mich ver­an­lasst, ge­gen al­le an der For­de­rung be­tei­lig­ten Per­so­nen Straf­an­trag we­gen ei­nes Ver­mö­gens­de­lik­tes ge­gen­über ei­nem Min­der­jäh­ri­gen zu stel­len.“

Üb­ri­gens: Bei dem Sohn hat sich bis zum heu­ti­gen Tag nie­mand ent­schul­digt. DRES­DEN - „Ich baue mir mei­ne gan­ze Welt so, wie es mir passt“sagt Mir­ko Deutsch­mann. In sei­nem Ba­s­tel­kel­ler hor­tet der 40-jäh­ri­ge Dresd­ner all sei­ne Schät­ze. Von lau­fen­den klei­nen Mons­tern über um­ge­bau­te Con­trol­ler bis hin zu Ro­bo­tern. Der Dresd­ner baut die ver­rück­tes­ten Sa­chen - und das mit nur ei­nem Arm.

Mir­ko Deutsch­mann brennt für Tech­nik, Com­pu­ter und al­les, was da­mit zu tun hat. Der ge­lern­te Bau­zeich­ner ist selbst­stän­di­ger IT-Be­ra­ter, spe­zia­li­siert auf Mi­cro­soft Of­fice. „Das Ta­bel­len­pro­gramm Ex­cel zum Bei­spiel - das ist so wun­der­schön un­lo­gisch. So wie ich“, sagt der Dresd­ner. „Dass ich nur ei­nen Arm ha­be, ken­ne ich nicht an­ders, das ist schon seit mei­ner Ge­burt so“, sagt der 40-Jäh­ri­ge.

Und beim Bas­teln scheint ihn das auch kei­nes­wegs zu be­ein­träch­ti­gen. „Erst wenn die Tei­le wirk­lich nicht mehr zu ge­brau­chen sind, wan­dern sie auf den Schrott. Sei­ne Ehe­frau pro­fi­tiert da­von üb­ri­gens auch. „Wir ha­ben in un­se­rem Haus so ei­ni­ge tech­ni­sche Kin­ker­litz­chen“, sagt Deutsch­mann. „Mei­ner Frau ha­be ich zum Bei­spiel ein digitales Koch­buch ge­bas­telt.“

Sein dies­jäh­ri­ger Coup: Ein Ro­bo­ter, der stark an den Dro­iden R2-D2 aus dem Star-Wars-Uni­ver­sum er­in­nert. „Er be­steht zu ei­ner Hälf­te aus al­tem Elek­tro­schrott, zur an­de­ren aus Bau­markt­tei­len“, sagt Deutsch­mann. Sechs Wo­chen lang hat er an dem Ro­bo­ter ge­wer­kelt, ihn zum „Lau­fen“und zum Spre­chen ge­bracht. Heu­te wird er in den Tech­ni­schen Samm­lun­gen Dres­den piep­send sei­ne Run­den zie­hen.

Un­ter dem Mot­to „Zu­kunfts­mu­sik“läuft dort der­zeit das Me­di­en­fes­ti­val Dres­den. Bis 18 Uhr kön­nen Tech­nik-Lieb­ha­ber stau­nen, ler­nen und mit­ma­chen. Mir­ko Deutsch­mann, der schon seit vie­len Jah­ren zur Stamm­be­set­zung des Fes­ti­vals ge­hört, wird auch heu­te wie­der mit Kin­dern lö­ten und Sound­ro­bo­ter bau­en.

www.me­di­en­kul­tur­zen­trum.de

Lau­fen­des Mons­ter: Bei dem Bast­ler lan­det nichts im Müll, was nicht noch wie­der­ver­wer­tet wer­den kann. Mir­ko Deutsch­mann (40) kommt mit sei­nem fern­ge­steu­er­ten Ro­bo­ter zum Me­di­en­fes­ti­val.

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