Sach­sen „wächst“um 3 000 Hekt­ar

Morgenpost am Sonntag (Dresdner) - - VORDERSEITE -

S. 4/5

W ie durch ei­nen Zau­ber­trick ist Sach­sen um knapp 30 Qua­drat­ki­lo­me­ter ge­wach­sen - das ent­spricht im­mer­hin ei­ner Flä­che von 4 200 Fuß­ball­fel­dern. Der Zu­wachs ist al­ler­dings kein gro­ßes Wald­ge­biet, das plötz­lich auf der Land­kar­te auf­ge­taucht ist. Der Land­ge­winn ver­teilt sich auf fast al­le Krei­se der Frei­staats. Ein­fachs­te Er­klä­rung für die neue Grö­ße: Die Er­de ist eher ei­ne Ku­gel als ei­ne Schei­be!

Die Um­stel­lung auf die neue Grö­ße Sach­sens er­folg­te zum Jah­res­wech­sel auf 2016, da führ­te die Sta­tis­tik die neu­en Zah­len ein. Und zwar heim­lich, still und lei­se: Selbst Goog­le und Wi­ki­pe­dia ge­ben noch die al­te Flä­che an, näm­lich 18 420,25 Qua­drat­ki­lo­me­ter. Da­bei ist Sach­sen nun 18 449,99 Qua­drat­ki­lo­me­ter groß!

Es gibt durch­aus Mög­lich­kei­ten, das Land oh­ne An­nek­ti­on oder neue Grenz­zie­hung zu er­wei­tern. Et­wa, wenn ein Stück Wat­ten­meer tro­cken fällt. Oder wenn der Grenz­fluss sich ein neu­es Bett sucht. Das gab es in Sach­sen tat­säch­lich ein­mal am Lauf der Kir­nitzsch, aber da ging es nur um ein paar Qua­drat­me­ter.

Der neue Raum­ge­winn er­gibt sich aus ei­ner neu­en Mess­me­tho­de, auf wel­che die Bun­des­re­pu­blik und Sach­sen als ei­nes der letz­ten Län­der nun um­ge­stellt ha­ben. Die größ­ten Zu­wäch­se gab es im Os­ten. Bran­den­burg wuchs gar um 16969 Qua­drat­ki­lo­me­terQua­da­toe­te - die de Flä­che ce Liech­ten­steins.

Aus­flug in die Ge­schich­te: Im 19. Jahr­hun­dert wur­den für die säch­si­sche Steu­er­er­he­bung von 3 373 Dör­fern und 143 Städ­ten knapp 1,8 Mil­lio­nen Flur­stü­cke in Ka­tas­ter­kar­ten auf­ge­nom­men. Die Ge­samt­sum­me er­gab dann die sta­tis­ti­sche Flä­che.

Die da­ma­li­gen Mess­me­tho­den stell­ten die Erd­ober­flä­cheErd­ober­fl­flä­che noch ver­eb­net in zwei Di­men­sio­nen dar und ver­nach­läs­sig­ten die Krüm­mung. Heu­te misst man welt­weit in ei­nem Ko­or­di­na­ten­sys­tem, wel­ches sich an der Fi­gur der Er­de ori­en­tiert. Mit sa­tel­li­ten­ba­sier­tem GPS kommt der

Ver­mes­ser dann auf zen­ti­me­ter­ge­naue Er­geb­nis­se.

Die ver­fei­ner­ten Mess­me­tho­den wir­ken sich nicht so­fort auf al­le Grund­stücks­grö­ßen aus. Die bis­her im Grund­buch ge­führ­te Flä­che bleibt auch wei­ter­hin be­ste­hen. Erst wenn ein Flur­stück nach den ex­ak­te­ren Me­tho­den neu ver­mes­sen wird, gibt es die neue Flä­che - bei den meis­ten wohl ein paar Zen­ti­me­ter mehr.

Die größ­ten Pro­ble­me mit der Land­ver­grö­ße­rung ha­ben eher die Lan­des­sta­tis­ti­ker. Denn al­le Be­rech­nun­gen, die sich auf die Flä­che be­zo­gen (et­wa Ein­woh­ner pro Qua­drat­ki­lo­me­ter), er­lei­den in ih­rer Fort­schrei­bung ei­nen Bruch und sind nicht mehr ver­gleich­bar. Und mehr Zu­wei­sun­gen an För­der­mit­teln müs­sen sich Sach­sen oder die Krei­se auch nicht er­hof­fen, denn die be­mes­sen sich noch im­mer an der Be­völ­ke­rungs­zahl.

Dres­den von oben. Um die wah­re Grö­ße von Stadt und Frei­staat zu er­ken­nen, wa­ren al­ler­dings Sa­tel­li­ten­da­ten von­nö­ten. Die ein­zel­nen säch­si­schen Land­krei­se und kreis­frei­en Städ­te ha­ben durch die Neu­be­mes­sung sehr un­ter­schied­lich da­zu­ge­won­nen. Das Erz­ge­bir­ge ver­lor so­gar an Flä­che.

Die Ar­beit der Ver­mes­ser brach­te Er­staun­li­ches zu­ta­ge - Sach­sen ist grö­ßer als ge­dacht.

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