Als Mar­got Hone­cker noch nicht die „Frau Mi­nis­ter“war ...

Sie war ver­hasst und ge­fürch­tet: Mar­got Ho­neker (19272016) hat als Volks­bil­dungs­mi­nis­te­rin gan­ze Ge­ne­ra­tio­nen der DDR ge­prägt. Doch auch die „stahl­har­te Frau“oder „li­la He­xe“war ein­mal jung und ver­liebt, hat­te ih­re ver­letz­li­chen Sei­ten. Mit dem Film „Marg

Morgenpost am Sonntag (Dresdner) - - KULTUR - hn

Zu Be­ginn des Fil­mes sieht man ei­ne jun­ge Frau, of­fen­bar ge­schockt von ei­nem Brief. Sie zün­det sich ei­ne Zi­ga­ret­te an, lang­sam rinnt ihr ei­ne Trä­ne über die Wan­ge. Es ist die jun­ge Mar­got Feist, dar­ge­stellt von der Schau­spie­le­rin Ka­ro­li­ne Tes­ka (29), die wie die spä­te­re Mar­got Hone­cker aus Hal­le stammt. Sie gibt der ge­fürch­te­ten Frau ein ganz an­de­res Ge­sicht als je­nes, das in die Ge­schich­te ein­ging. Sie er­weckt die ver­letz­li­che Sei­te Mar­got Hone­ckers zum Le­ben, in ei­ner Zeit, als von der ge­fürch­te­ten „Frau Mi­nis­ter“noch kei­ne Re­de war.

Als sol­che galt Mar­got Hone­cker, ei­ne po­li­ti­sche Hard­li­ne­rin, die bei ideo­lo­gi­schen Ver­ge­hen kei­ne Mil­de wal­ten ließ. Der Film „Mar­got Hone­cker und die ver­bo­te­ne Lie­be“er­hellt, wie die ehr­gei­zi­ge FDJ-Funk­tio­nä­rin zu die­ser li­ni­en­treu­en Dog­ma­ti­ke­rin und spä­ter mäch­tigs­ten Frau der DDR wur­de. Er­zählt wird der Drei­ecks­kon­flikt zwi­schen Mar­got Feist, dem 15 Jah­re äl­te­ren Erich Hone­cker und des­sen da­ma­li­ger Ehe­frau Edith Baumann.

Dass Hone­ckers par­tei­ge­woll­te Ehe durch die Af­fä­re

mit Mar­got Feist in die Brü­che ging, blieb nicht oh­ne Fol­gen. Feist wur­de als Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me für an­dert­halb Jah­re zum Stu­di­um nach Mos­kau ge­schickt. Ih­ren Ge­lieb­ten Erich und die ge­mein­sa­me, erst sie­ben Mo­na­te al­te Toch­ter muss­te sie zu­rück­las­sen. Ei­ne har­te Prü­fung für die jun­ge Mut­ter, die sie nie ver­ges­sen wird. Lohnt sich das Ein­schal­ten?

Ja. Zahl­rei­che Do­ku­men­tar­auf­nah­men und Kom­men­ta­re von His­to­ri­kern und Weg­ge­fähr­ten ord­nen das Ge­sche­hen in die da­ma­li­ge Zeit ein, sind auf­schluss­reich, für Nach­ge­bo­re­ne eben­so wie für Zeit­zeu­gen.

Be­ein­dru­ckend aber sind vor al­lem die Spiel­sze­nen. Ka­ro­li­ne Tes­ka als jun­ge Mar­got so­wie Chris­ti­an Nä­the (31) als jun­ger Erich Hone­cker ver­ste­hen es ein­fühl­sam, die pri­va­ten Sei­ten der spä­te­ren Po­li­ti­ker aus­zu­fül­len. Mar­got wird da be­schrie­ben als „fe­sches Mä­del“, äu­ßer­lich wie in­tel­lek­tu­ell at­trak­tiv. Wenn man sie et­wa im Un­ter­hemd bü­geln sieht, wenn sie ver­zwei­felt auf Erichs Schoß sitzt, wenn bei­de ge­mein­sam den Kin­der­wa­gen schie­ben, wird deut­lich, dass die­se Sinn­bil­der ei­ner ver­stei­ner­ten DDR auch Men­schen aus Fleisch und Blut wa­ren, mit Ge­füh­len und all­täg­li­chen Pro­ble­men. Das zu zei­gen ist ein gro­ßer Ver­dienst die­ses Films, der über­ra­schen­de Sym­pa­thi­en weckt, spä­te­re Feh­ler aber nicht be­schö­ni­gen will.

Im An­schluss an den ers­ten neu­en Film der Do­ku-Rei­he steht ab 21 Uhr ei­ne wei­te­re „First La­dy“der DDR im Mit­tel­punkt, in der Wie­der­ho­lung der Fol­ge „Lot­te Ul­bricht - Zwi­schen Par­tei­dis­zi­plin und Mut­ter­rol­le“. An den kom­men­den Au­gust­sonn­ta­gen fol­gen al­len drei neu­en Fil­men der Rei­he „Ge­schich­te Mit­tel­deutsch­lands“the­ma­tisch pas­sen­de Fil­me frü­he­rer Staf­feln.

Die FDJ-Funk­tio­nä­rin Mar­got Feist (Ka­ro­li­ne Tes­ka) und ihr Ge­lieb­ter Erich Hone­cker (Chris­ti­an Nä­the) sor­gen sich im Som­mer 1958 um ih­re Zu­kunft.

„Fe­sches Mä­del“: An sol­che Bil­der denkt man sel­ten, wenn der Na­me Mar­got Hone­cker fällt.

Spä­ter war die DDRVolks­bil­dungs­mi­nis­te­rin (hier ca. 1984) als „stahl­har­te Frau“ge­fürch­tet.

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