„Es geht nicht um Tech­no“

Morgenpost am Sonntag (Dresdner) - - KULTUR - hn

DRES­DEN - Mit „Ma­gi­cal Mys­te­ry oder: Die Rück­kehr des Karl Schmidt“hat Au­tor Sven Re­ge­ner die Ge­schich­te ei­ner Fi­gur aus sei­nem Ro­man „Herr Leh­mann“wei­ter­ge­spon­nen. Re­gis­seur Ar­ne Feld­hu­sen (46) hat das Buch über ei­nen Trip durch die Tech­no-Sze­ne in den 90ern mit Char­lie Hüb­ner (44) in der Haupt­rol­le ver­filmt. Als Ra­ve-DJs da­bei sind Volks­büh­nen-Star Marc Ho­se­mann (47) , New­co­me­rin An­ni­ka Meier (36) und Det­lev Buck (54). Seit Don­ners­tag ist der Film in den Ki­nos.

MOPO: Ha­ben Sie per­sön­li­che Er­in­ne­run­gen an die Tech­no-Wel­le der 90er? Oder gar Er­fah­run­gen in der Sze­ne ge­macht?

Marc Ho­se­mann: Ich war nie ein Fan von Tech­no. Ich moch­te R’n’B, Funk und Soul. Tech­no fand ich brat­zig, mit dem Phä­no­men konn­te ich nichts an­fan­gen.

An­ni­ka Meier: Das gilt für mich auch. Ich war da­mals 13, 14 und hör­te eher Mas­si­ve Attack, Nir­va­na und Cross­over­Ar­ne Feld­hu­sen: Ich ken­ne zu­min­dest die An­fän­ge.

Da­mals ha­be ich sel­ber auf­ge­legt, al­le Spiel­ar­ten der elek­tro­ni­schen Mu­sik. Aber nie bei ei­nem gro­ßen Ra­ve. Ich ha­be die Sze­ne so lan­ge be­ob­ach­tet, bis es kom­mer­zi­ell wur­de.

Wenn Sie al­le Tech­no nicht mö­gen, was war dann aus­schlag­ge­bend, die­sen Film zu ma­chen?

Ho­se­mann: Es ist ja kein Film über Tech­no. Ar­ne ist mein Nach­bar in Ber­lin, der hat mir das Buch über den Bal­kon zu­ge­reicht, weil er mit mir ar­bei­ten woll­te. Den Ro­man fand ich dann sehr wit­zig, ob­wohl es nicht die tief­schür­fends­te Ge­schich­te al­ler Zei­ten ist. Es ist ei­gent­lich ei­ne Klas­sen­fahrt, ein Grup­pen­ding. Tech­no hat gar nicht so in­ter­es­siert.

Feld­hu­sen: Der Karl Schmidt in der Ge­schich­te kennt ja auch nur - wie ich - die An­fän­ge. Dann ver­schwin­det er für Jah­re in der Psych­ia­trie. In die­se blü­hen­de Sze­ne wird er dann hin­ein­ge­schubst. Da­durch kommt er aber auch wie­der auf die Bei­ne. Die Kraft die­ser Ge­mein­schafts­er­fah­rung hat mich in­ter­es­siert.

Meier: Mich reiz­te mei­ne Fi­gur, die Ro­sa, denn oh­ne sie gä­be es kei­ne Lie­bes­ge­schich­te. Die Sze­nen mit dem Auf­le­gen im Club dreh­ten wir nach dem Mot­to: „Nur cool tun, mit Zi­ga­ret­te im Mund“. Al­so al­les Fa­ke,

aber das ist ja un­ser Job als Schau­spie­ler.

In Le­an­der Hauß­manns Ver­fil­mung von „Herr Leh­mann“hat­te Det­lev Buck den Karl ge­spielt. In „Ma­gi­cal Mys­te­ry“ist Buck wie­der da­bei, den Karl spielt aber Char­lie Hüb­ner. War­um das?

Feld­hu­sen: Die­sen gan­zen Hauß­mann-Buck-Kos­mos woll­te ich nicht ha­ben. Sven Re­ge­ner greift in „Ma­gi­cal Mys­te­ry“zwar Fi­gu­ren aus „Herr Leh­mann“wie­der auf, be­schreibt mit ih­nen aber ei­ne ganz an­de­re Epo­che. Char­lie Hüb­ner hat sich auch gar nicht an Bucks Darstel­lung im Hauß­mann-Film ori­en­tiert, son­dern al­lein an Re­ge­ners Ro­man. Der hat­te sich je­den Satz da­rin an­ge­mar­kert.

Herr Feld­hu­sen, in Ih­ren Se­ri­en wie „Strom­berg“oder „Tat­or­t­rei­ni­ger“gibt es Ko­mik nie oh­ne tra­gi­sche Fall­hö­he. War das Team in Sa­chen Hu­mor­ver­ständ­nis auf ei­ner Wel­len­län­ge?

Feld­hu­sen: Bis auf Marc hat­te ich ja mit al­len schon mal ge­ar­bei­tet. Wir kann­ten uns da­her und uns al­len ist be­wusst, dass das Ko­mö­di­an­ti­sche im­mer auch das Tra­gi­sche in sich trägt.

Das „Ma­gi­cal Mys­te­ry“-Film­team im Interview

Marc Ho­se­mann, An­ni­ka Meier und Re­gis­seur Ar­ne Feld­hu­sen (v.l.) im Ge­spräch mit MOPO-Re­dak­teur Hei­ko Nemitz.

Im Club kom­men sich Tour­bus­fah­rer Karl (Char­lie Hüb­ner) und DJa­ne Ro­sa (An­ni­ka Meier) nä­her. DJ Rai­mund (Marc Ho­se­mann, F.r.) legt der­weil Tech­no auf.

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