Wenn Au­tos in die Pöt­te kom­men

Morgenpost am Sonntag (Dresdner) - - AUTO -

Wenn das der Som­mer ist, möch­te ich nicht wis­sen, wie kalt es hier im Win­ter wird.“Ka­pi­tän Su­dip Dey ver­schränkt die Ar­me. Sein Blick schweift über die mäch­ti­gen Ha­fen­an­la­gen von Rot­ter­dam. In 35 Me­tern Hö­he, ne­ben der Brü­cke der Eu­pho­ny Ace, ei­nem Car Car­ri­er, pfeift ei­ne stei­fe Bri­se. Von un­ten sieht das Schiff aus wie ei­ne mas­siv in das Ha­fen­be­cken be­to­nier­te Im­mo­bi­lie, so so­li­de und völ­lig un­be­wegt liegt es am Pier. Ei­ni­ge Tau­send Fahr­zeu­ge hat sie dies­mal im Ge­päck, kunst­voll ge­schich­tet über 12 Stock­wer­ke aus Stahl­plat­ten. Bis zu 5 214 Au­tos und an­de­re fah­ren­de Ge­rät­schaf­ten fasst der 199,95 Me­ter lan­ge und 34 063 Ton­nen Was­ser ver­drän­gen­de Pott. Mit 32 Me­tern Brei­te passt er ge­ra­de noch durch den süd­ame­ri­ka­ni­schen Pa­na­ma-Ka­nal.

Die 2005 ge­bau­te und 20 571 PS star­ke Eu­pho­ny Ace pen­delt un­er­müd­lich über die Welt­mee­re, mit ei­ner Höchst­ge­schwin­dig­keit von 20 Kno­ten, von ei­nem Auf­trag zum nächs­ten. Das Schiff und sei­ne Cr­ew er­le­digt ei­ne Auf­ga­be, die vie­le, die ein im Aus­land ge­bau­tes Au­to be­stel­len, ver­mut­lich über­haupt nicht mehr zur Kennt­nis neh­men. Doch we­der ist der Job in den „schwim­men­den Park­häu­sern“ein­fach. Noch ist er oh­ne Ri­si­ken. Denn das Was­ser ist im­mer noch stär­ker als der Ko­loss aus Stahl. Je­der noch so zeit­rau­ben­de und kraft­stoff­fres­sen­de Um­weg wird in Kauf ge­nom­men, um Stür­men und schwe­rer See zu ent­ge­hen. „Vor den Na­tur­ge­wal­ten sind wir auf die­sem Schiff nichts“, sagt Dey.

Über 5 200 Fahr­zeu­ge pas­sen in den Bauch des Schif­fes.

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