Mer­kel in Dres­den

Par­tei-Nach­wuchs lässt Dampf ab

Morgenpost am Sonntag (Dresdner) - - VORDERSEITE -

DRES­DEN - Es hät­te un­ge­müt­lich wer­den kön­nen für An­ge­la Mer­kel (63, CDU) beim Deutsch­land­tag der Jun­gen Uni­on (JU). Die Kanz­le­rin ern­te­te har­te Kri­tik vom Par­teinach­wuchs - am En­de aber Stan­ding Ova­tions.

Vor dem Kon­gress­zen­trum blie­ben spür­ba­re Pro­tes­te aus. Drin­nen stell­te sich die CDU-Che­fin erst­mals seit den schwe­ren Ver­lus­ten bei der Wahl der Par­tei­ba­sis. So man­cher woll­te mit ihr ab­rech­nen. Denn die JU pocht auf ei­ne Schär­fung des kon­ser­va­ti­ven Pro­fils.

Mer­kel kün­dig­te erst­mal Ge­sprä­che mit FDP und Grü­nen über ei­ne Ja­mai­ka-Ko­ali­ti­on an - noch vor der Ei­ni­gung mit der CSU! Bon­bon für die Par­tei­ju­gend: Dies­mal wer­de ein Par­tei­tag über ei­nen Ko­ali­ti­ons­ver­trag ent­schei­den - Ap­plaus. Ih­re Flücht­lings­po­li­tik ver­tei­dig­te sie: „Wer glaubt, ich hät­te für zwei Sel­fie-Fo­tos die Leu­te ein­ge­la­den - das ist Kin­der­glau­be, das ist nicht in Ord­nung.“

Sie wis­se aber, dass für das schlech­te Er­geb­nis das Flücht­lings­the­ma ver­ant­wort­lich sei. „Ich als Spit­zen­kan­di­da­tin bin ver­bun­den mit den Ent­schei­dun­gen des Herbs­tes 2015.“Doch sie ma­che sich nur zwei Vor­wür­fe: dass es we­gen des Wi­der­stands der SPD 14 Mo­na­te dau­er­te, den West­bal­kan zu si­che­ren Her­kunfts­län­dern zu ma­chen. Und dass man weg­ge­guckt ha­be, als Flücht­lin­ge et­wa in Sy­ri­en nichts mehr zu es­sen ge­habt hät­ten.

Be­son­ders übel kam bei JU­lern Mer­kels Wei­ter-so-Re­ak­ti­on nach der Wahl an. Doch sie nahm sich Zeit, um zu er­klä­ren, auch Feh­ler ein­zu­räu­men. Von ih­ren Po­si­tio­nen wich sie nicht ab. Na­tür­lich sei das Er­geb­nis ent­täu­schend. Es ge­be bei der Au­f­ar­bei­tung kei­ne Ta­bus. Aber man sei stärks­te Kraft, ha­be ei­nen kla­ren Re­gie­rungs­auf­trag. Es ge­hö­re zu ver­ant­wort­li­cher Po­li­tik, nicht nur ge­schockt zu sein.

Die­go Faß­nacht (26) aus NRW warf ihr „Igno­ranz“vor und ob die CDU den Knall nicht ge­hört ha­be. In­di­rekt for­der­te er ih­ren Rück­tritt - und ern­te­te Buh­ru­fe. Mer­kel: „Ich füh­le mich de­mo­kra­tisch le­gi­ti­miert.“Auf Kra­wall ge­bürs­tet war die JU Bay­ern. Chef Hans Reich­hart (35) ver­lang­te ei­nen kom­plet­ten Kurs­wech­sel. Mer­kel sagt in­des zu, „neue Köp­fe“zu be­rück­sich­ti­gen. mor

An­ge­la Mer­kel (63, CDU) mit dem Par­teinach­wuchs. Am En­de blie­ben nur die Bay­ern beim Schluss­ap­plaus sit­zen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.