Künst­ler in der DDR

Morgenpost am Sonntag (Dresdner) - - KULTUR - gg, Klaus Pe­ters

POTS­DAM - In Dres­den tobt seit Mo­na­ten ein Streit um den rich­ti­gen Um­gang mit der DDR-Kunst. Dass die Wer­ke der DDR-Künst­ler ge­zeigt wer­den sol­len, ist da­bei grund­sätz­lich un­zwei­fel­haft. Die Fra­ge ist eher: Wel­che Kunst soll aus­ge­stellt wer­den und wie soll sie aus­ge­stellt wer­den?

Im Vor­der­grund geht es in der Aus­ein­an­der­set­zung vor al­lem um die Wer­ke des So­zia­lis­ti­schen Rea­lis­mus, viel­fach als Staats­kunst kri­ti­siert, doch vie­len Mu­se­ums­be­su­chern ver­traut. Im Dresd­ner Al­ber­ti­num sind die Wer­ke die­ser Pro­ve­ni­enz der­zeit aus­sor­tiert, was har­sche Kri­tik her­vor­ruft. Oben­drein ist die Fra­ge un­be­ant­wor­tet, auf wel­che Wei­se die­se Ar­bei­ten best­mög­lich prä­sen­tiert wer­den könn­ten. Ob zum Bei­spiel als DDR-Kunst in iso­lier­ter Darstel­lung, ob in Aus­ein­an­der­set­zung mit der Kunst der BRD aus je­ner Zeit oder jen­seits zeit­ge­schicht­li­cher Do­mi­nanz in der Viel­falt der Kun­stepo­chen als in­di­vi­du­el­le Po­si­tio­nen.

Die neue Aus­stel­lung „Hin­ter der Mas­ke. Künst­ler in der DDR“im Mu­se­um Bar­ber­i­ni in Pots­dam könn­te man als ei­ne Ant­wort auf die­se Fra­ge aus­ge­ben, doch wä­re das trü­ge­risch. Ist doch das von dem Un­ter­neh­mer Has­so Platt­ner (SAP) ge­stif­te­te Pri­vat­mu­se­um eben­dies: pri­vat und die Aus­stel­lung ein Pro­jekt auf kur­ze Zeit. Nicht gleich­zu­set­zen mit ei­nem staat­li­chen oder kom­mu­na­len Mu­se­um und des­sen Auf­ga­be, ei­ner um­fang­rei­chen, viel­schich­ti­gen Samm­lung aus vie­len Epo­chen auf Dau­er ge­recht wer­den zu müs­sen.

Den Dresd­ner Streit bei­sei­te ge­las­sen, ist die Pots­da­mer Schau, die ver­gan­ge­nes Wo­che­n­en­de von Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter St­ein­mei­er („Ein Mei­len­stein!“) er­öff­net wur­de, al­ler Eh­ren wert. Sie zeigt ins­ge­samt 120 Wer­ke von 87 Künst­lern aus der DDR-Zeit. Ver­tre­ten sind un­ter an­de­rem Wolf­gang Mat­theu­er (1927-2004), Bern­hard Hei­sig (1925-2011), A. R. Penck (1939-2017) und Eve­lyn Rich­ter (ge­bo­ren 1930). Da­ne­ben sind erst­mals seit 20 Jah­ren die 16 groß­for­ma­ti­gen Bil­der aus dem Pa­last der Re­pu­blik zu se­hen.

„Vor die­ser Fo­lie wird um­so deut­li­cher, wel­che Frei­räu­me sich die Künst­ler in der DDR ge­schaf­fen ha­ben“, sagt Mu­se­ums­di­rek­to­rin Or­trud West­hei­der. Ge­meint ist: Auch die so­ge­nann­te Staats­kunst war nicht al­lein und nicht un­be­dingt zu­al­ler­erst Pro­pa­gan­da, son­dern Kunst, die sich ih­re Frei­hei­ten such­te, sie fand und auf die­se Wei­se Ei­gen­stän­dig­keit be­haup­te­te.

Ei­ne ful­mi­nan­te Aus­stel­lung, die ein Kunst­ka­pi­tel in gro­ßer the­ma­ti­scher Ge­schlos­sen­heit be­leuch­tet. Im Kern be­ste­hend aus der Samm­lung der Has­so-Platt­ner-Stif­tung, die zu gro­ßem An­teil aus DDR-Kunst und Nach­wen­de­kunst zu­sam­men­ge­setzt ist, er­gänzt durch Leih­ga­ben auch aus dem Dresd­ner Al­ber­ti­num. 14 Wer­ke ha­ben die Staat­li­chen Kunst­samm­lun­gen Dres­den nach Pots­dam ge­schickt, dar­un­ter Wer­ke von Peter Graf, Arno Rink und Wie­land Förs­ter. Wäh­rend man für die Dau­er­aus­stel­lung im Al­ber­ti­num nach ei­ner neu­en Ins­ze­nie­rungs­idee für die Kunst aus der DDR sucht, ge­hen de­ren Ar­bei­ten in der Bar­ber­i­ni-Schau zu­nächst ein­mal voll und ganz auf.

Aus­stel­lung „Hin­ter der Mas­ke. Künst­ler in der DDR“bis 4. Fe­bru­ar, ge­öff­net mon­tags und mitt­wochs–sonn­tags, 10–19 Uhr.

Ei­ne Be­su­che­rin vor Ro­nald Pa­ris’ rie­sen­haf­tem Ge­mäl­de „Un­ser die Welt - trotz al­le­dem“, ent­stan­den 1975/76 für den Pa­last der Re­pu­blik.

Der Bar­ber­i­ni-Bau in Pots­dam, da­vor Wolf­gang Mat­theu­ers Bron­ze-Skulp­tur „Der Jahr­hun­dert­schritt“von 1984, ver­gan­ge­nes Jahr dort auf­ge­stellt.

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