Fred­die war die „ größ­te Her­aus­for­de­rung“

Morgenpost am Sonntag (Dresdner) - - KULTUR -

Ü ber zehn Jah­re wur­de am Film „Bo­he­mi­an Rh­ap­so­dy“ge­ar­bei­tet, seit die­ser Wo­che ist das Bio­pic über die Rock­grup­pe Queen und ih­ren Sän­ger Fred­die Mer­cu­ry (†45) in den Ki­nos. Nicht je­der Kri­ti­ker fin­det den Film ge­lun­gen, über ei­nes aber sind sich al­le ei­nig: Haupt­dar­stel­ler Ra­mi Ma­lek (37) ist ein Er­eig­nis.

1970 grün­den Fred­die Mer­cu­ry, Gi­tar­rist Bri­an May, Schlag­zeu­ger Ro­ger Tay­lor und Bas­sist John De­a­con die Band Queen. Fünf Jah­re spä­ter ge­lingt ih­nen mit dem opern­haf­ten „Bo­he­mi­an Rh­ap­so­die“der Durch­bruch. Es fol­gen Hits wie „We Are The Cham­pi­ons“oder „We Will Rock You“, doch hin­ter der Fas­sa­de der Band ent­wi­ckelt sich ein Dra­ma: Mer­cu­ry, der mit bür­ger­li­chem Na­men Far­rokh Bul­sa­ra heißt und aus dem heu­ti­gen Tan­sa­nia stammt, kämpft mit sei­ner in­ne­ren Zer­ris­sen­heit und ver­sucht, sich mit sei­ner Ho­mo­se­xua­li­tät zu ar­ran­gie­ren. Pu­rer Film­stoff.

Ur­sprüng­lich hat­te der bri­ti­sche Bra­chi­al-Ko­mi­ker Sacha Ba­ron Co­hen („Bo­rat“) den 1991 an AIDS ver­stor­be­nen Rock­sän­ger spie­len sol­len. Das schei­ter­te am Ve­to von May und Tay­lor, die seit dem En­de von Queen das Er­be der Band ver­wal­ten und dem Film be­ra­tend zur Sei­te stan­den. Schließ­lich über­nahm Ma­lek den Part. Der US-ame­ri­ka­ni­sche Schau­spie­ler wur­de zu­vor für die Rol­le des Ha­ckers El­li­ot Al­der­son in der Fern­seh­se­rie „Mr. Ro­bot“mit ei­nem Em­my aus­ge­zeich­net. Wäh­rend der Film „Bo­he­mi­an Rh­ap­so­dy“vie­len Kri­ti­kern zu brav und un­kri­tisch ist, weil er Dro­gen- und Sex-Ex­zes­se so­wie di­ven­haf­te Aus­brü­che - kurz: al­le Schat­ten­sei­ten Mer­cu­rys - zu bei­läu­fig be­han­de­le, über­schüt­ten sie Ma­lek mit Lob. Je­der­zeit au­then­tisch ver­kör­pe­re er den Sän­ger, ob als lang­mäh­ni­gen Glam-Ro­cker in den 70ern oder als Schnauz­bart-Fred­die 1985 auf der Büh­ne des Wem­bley Sta­di­ons. Für Ma­lek war die Mer­cu­ry-Rol­le je­doch ein har­tes Stück Ar­beit, denn er ist laut ei­ge­ner Aus­sa­ge nicht sehr mu­si­ka­lisch. „Ich hab mich nie als Sän­ger ge­se­hen, ich ha­be vor­her auch nie ein Kla­vier an­ge­fasst“, ge­stand er der Deut­schen Pres­se-Agen­tur. „Es war ein stei­ni­ger Weg für mich, ich muss­te Un­ter­richt neh­men und al­les ler­nen. In­zwi­schen sit­ze ich aber gern am Kla­vier, sehr so­gar.“Als Queen-Front­mann haut er in „Bo­he­mi­an Rh­ap­so­dy“un­ter an­de­rem beim Ti­tel­song in die Tas­ten. „Ich glau­be, das war die größ­te Her­aus­for­de­rung, die ich je­mals an­ge­gan­gen bin“, sagt Ma­lek, der un­zäh­li­ge Vi­de­os von Mer­cu­ry und Queen stu­dier­te, um ihn au­then­tisch dar­zu­stel­len. „Wenn es et­was im In­ter­net gibt, was wir noch nicht ge­se­hen ha­ben, wä­re ich sehr über­rascht“, scherzt er. Al­ler­dings woll­te Ma­lek nicht nur den En­ter­tai­ner, son­dern auch den Men­schen zei­gen. „Es gibt vie­le Fa­cet­ten von Fred­die Mer­cu­ry, die die Leu­te nicht ken­nen“, sagt er. „Wenn man sich mit sei­ner Hin­ter­grund­ge­schich­te be­fasst, dann macht ihn das zu­gäng­li­cher, nicht nur für das Pu­bli­kum, son­dern auch für mich als Schau­spie­ler.“

Ma­lek als spä­ter Mer­cu­ry beim „Live Aid“-Fes­ti­val 1985. Al­le lo­ben ihn: Schau­spie­ler Ra­mi Ma­lek (37) macht den Queen-Film zum Er­eig­nis. Ma­lek als jun­ger Fred­die 1975 im Stu­dio bei der Auf­nah­me von „Bo­he­mi­an Rh­ap­so­dy“.

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