Schwär­zer geht’s nicht

Die Fin­del­kind-Gro­tes­ke „Ju­ri“im Münch­ner Te­am­thea­ter

Muenchner Merkur - - KULTUR & LEBEN - MALVE GRADINGER

Hin ins Münch­ner Te­am­thea­ter! Denn Fa­b­ri­ce Mel­qui­ots „Ju­ri“, ei­ne in bes­ter Mo­liè­re’scher Tra­di­ti­on ge­schrie­be­ne Ko­mö­die (vor­ge­stellt schon 2014 in ei­ner Buch­prä­sen­ta­ti­on des Re­si­denz­thea­ters), wird in Andre­as Wie­der­manns Ins­ze­nie­rung zu ei­nem bei­ßend-ko­mi­schen Kom­men­tar zu heu­ti­ger Wohl­stands-Ego­ma­nie auf dem Hin­ter­grund von Mi­gra­ti­on.

Glück­wunsch­gir­lan­den im Wohn­zim­mer, wo An­ja ih­ren Patrick über­rascht mit: „Ju­ri, un­ser Kind“. Da Patricks Sper­ma­to­zo­en „kei­ne be­son­ders schnel­len Läu­fer sind“, hat An­ja den auf 13 Jah­re ge­schätz­ten Kn­a­ben aus dem Su­per­markt mit nach Hau­se ge­bracht. Ge­kauft? Ent­führt? Er muss sei­nen El­tern zu­rück­ge­ge­ben wer­den! Aber wo­her kommt er? An­ja selbst hat ihn Ju­ri ge­tauft. Al­so muss er nach ih­rer Lo­gik Rus­se sein!

Der Halb­wüch­si­ge kann nicht spre­chen, be­kommt Schrei­k­rämp­fe, würgt Patrick und ent­leert sei­ne Bla­se an der Zim­mer­wand. Wäh­rend Patrick aus­ras­tet, hin­ter dem „Schwach­kopf“die rus­si­sche Ma­fia ver­mu­tet, sich schon im Gu­lag sieht, über­schüt­tet An­ja ih­ren stumm-ver­wirr­ten Kas­par Hau­ser – hin­ge­bungs­voll gut Fried­rich Spie­ser als un­zi­vi­li­sier­ter Find­ling – mit müt­ter­li­chen Zärt­lich­kei­ten und be­zirzt ih­ren Mann mit weib­li­cher Er­pres­sungs­stra­te­gie in die Va­ter­rol­le hin­ein. Wenn Patrick schließ­lich dar­an Ge- fal­len fin­det, wird sie zur Ei­fer­suchts­hyä­ne.

Zwi­schen Ehe­krieg­sat­ta­cken – bei dem sur­rea­len Su­jet wun­der­bar rea­lis­tisch ge­spielt von The­re­sa Ha­nich und Cle­mens Ni­col – und über­schwäng­li­chem Drei­erKu­scheln ist Ju­ri das be­nutz­te (Zu­wan­de­rungs-) Ob­jekt der Be­gier­de, das An­ja am En­de doch noch ein Kind auf na­tür­li­chem We­ge er­mög­licht: Ju­ri ist näm­lich laut ge­fun­de­nem Pass ein neun­zehn­jäh­ri­ger kon­go­le­si­scher Chi­ne­se – mit enor­mer Zeu­gungs­po­tenz. Noch schwär­zer geht’s nicht. am 14. März; Te­le­fon 089/ 260 43 33.

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