Spra­che und Welt­bild

Sven Kemm­ler in der Münch­ner Lach & Schieß

Muenchner Merkur - - KULTUR & LEBEN - RU­DOLF OGIERMANN

Wenn man von ei­nem Ka­ba­rett­pro­gramm sa­gen kann, dass es nicht nur un­ter­hält, son­dern so­gar bil­det, dann gilt das in der Bran­che als gro­ßes Lob. Nun han­delt es sich bei dem, was Sven Kemm­ler da in der Münch­ner Lach- und Schieß­ge­sell­schaft bie­tet,

gibt im Ka­ba­rett ei­nen un­ter­halt­sa­men Eng­lisch­kurs. nicht um Ka­ba­rett im klas­si­schen Sin­ne, son­dern um ei­ne Ex­kur­si­on in ei­ne Spra­che, oh­ne die man in der Welt (und in Deutsch­land) nicht weit kommt. „Eng­lisch­stun­de“ist zwar – buch­stäb­lich – ei­ne Vor­le­sung und doch für al­le, die wis­sen, was sie an­ge­sichts des Ti­tels zu er­war­ten ha­ben, ei­ne äu­ßerst un­ter­halt­sa­me An­ge­le­gen­heit.

Denn Kemm­ler, ganz vir­tuo­ser Künst­ler, be­herrscht nicht nur die (Hoch-)Spra­che, son­dern taucht auch tief ein in die ver­schie­dens­ten Ak­zen­te und Slangs, sein Kurz­lehr­gang ist ei­ne Rei­se in die Men­ta­li­tät der Men­schen, die Eng­lisch spre­chen – oder es zu­min­dest ver­su­chen. Ob „r“-freie (südost-)asia­ti­sche Va­ri­an­te, das „Sou­thern“der Süd­staa­ten oder schot­ti­sches Eng­lisch – der Münch­ner zielt über Gram­ma­tik und Aus­spra­che hin­weg auf den In­tel­lekt, auf das Welt­bild der Spre­cher.

„Gir­lie Talk“(„It’s li­ke – you know?!“), die be­rühm­te „stei­fe Ober­lip­pe“, ja so­gar die Art und Wei­se, in der En­g­län­der das Eng­lisch der Deut­schen par­odie­ren – kommt al­les vor an die­sem Abend, der ganz by the way das Po­li­ti­sche an und in der Spra­che of­fen­bart. Die Yan­kees als „Preu­ßen der USA“– aus baye­ri­scher Sicht ist das ein ganz neu­er Blick auf die Din­ge.

Wer ir­gend­wie im­mer nur „Mod­da­fo­cka“ver­steht, muss sich nicht är­gern – und „Lern­ziel­kon­trol­len“von der Büh­ne her­un­ter sind auch nicht zu be­fürch­ten. Das ei­ne oder an­de­re bleibt hän­gen. Oder, wie man mit eng­li­schem Un­der­state­ment for­mu­lie­ren könn­te: „We’re ra­ther plea­sed, aren’t we?“ bis Sams­tag, je­weils 20 Uhr; Kar­ten un­ter der Te­le­fon­num­mer 089/ 39 19 97.

Sven Kemm­ler

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