In der Höh­le der Lö­win

Beim Gar­misch-Par­ten­kir­che­ner Strauss-Fes­ti­val gab Edi­ta Gru­bero­va für Nachwuchs-Sän­ge­rin­nen ei­nen Meis­ter­kurs

Muenchner Merkur - - KULTUR -

Nein, tau­schen möch­te man nicht un­be­dingt mit den sechs jun­gen Sän­ge­rin­nen. Sol­len sie sich doch beim Meis­ter­kurs im Rah­men des Richar­dS­trauss-Fes­ti­vals in Gar­misch-Par­ten­kir­chen nicht nur vor dem in­ter­es­sier­ten Pu­bli­kum, son­dern vor al­lem vor den kri­ti­schen Oh­ren von Edi­ta Gru­bero­va be­wei­sen. Sie thront am lin­ken Büh­nen­rand mit dem Rot­stift im An­schlag ernst über die No­ten ge­beugt. Zwar dür­fen al­le erst ein­mal noch oh­ne Un­ter­bre­chung ih­re vor­be­rei­te­ten Lie­der und Ari­en vor­tra­gen, doch dann geht es schon los: „Wer ist die Ers­te? Oder bes­ser, wer ist die Mu­tigs­te und will an­fan­gen?“Aber auch die Di­va selbst weiß na­tür­lich aus ei­ge­ner lang­jäh­ri­ger Er­fah­rung um die Ner­vo­si­tät der Kol­le­gin­nen und geht die Sa­che, zu­min­dest zu Be­ginn, noch re­la­tiv lo­cker an. „Al­lein im Zim­mer ist so et­was im­mer ein­fa­cher.“Wie sie dem Pu­bli­kum ver­si­chert. „Sie wis­sen schon, wenn Sie da un­ten jetzt nicht da wä­ren.“

Be­vor es an die ers­te No­te geht, dreht sich da­her zu­nächst ein­mal al­les um die rich­ti­ge Hal­tung und das Selbst­be­wusst­sein, das man ge­ra­de in so ei­ner Si­tua­ti­on aus­strah­len möch­te. „Auch der Atem ge­hört da zum Aus­druck. Es be­ginnt schon mit dem Ein­at­men. Da­mit stimmst du dich sel­ber ein, aber auch das Pu­bli­kum. Und das will ich hö­ren.“Selbst wenn Gru­bero­va im­mer wie­der klei­ne tech­ni­sche Tricks und Knif­fe zu ver­mit­teln ver­sucht, so ist es aber doch vor al­lem der mu­si­ka­li­sche Aus­druck, an dem sie mit den Sän­ge­rin­nen feilt. Klang­far­ben und Nuan­cen. Je­des Wort, manch­mal so­gar je­de ein­zel­ne Sil­be soll da, wenn mög­lich, ei­ne ei­ge­ne Schat­tie­rung er­hal­ten. Ge­win­nen

„Ich möch­te dir jetzt mal so ei­ne Gru­ber’sche Sa­che bei­brin­gen. Wenn das geht. Man­che nen­nen es Ma­nie­ris- mus, aber ich lie­be es.“Ge­meint sind vor al­lem die für sie so ty­pi­schen, im sanf­ten Pia­no an­ge­setz­ten und lang- sam an­schwel­len­den Tö­ne. Denn ge­nau die will sie bei Strauss’ „Efeu“nun eben­falls von der Ja­pa­ne­rin Mi­sa­ki Mo- ri­no hö­ren und be­kommt sie schon nach we­ni­gen Ver­su­chen ge­lie­fert. Ob­wohl man­ches da­von so nicht eins zu eins in den No­ten steht, dem So­pran-Lieb­ha­ber Strauss hät­te es zwei­fel­los ge­fal­len, meint zu­min­dest Gru­bero­va nicht oh­ne Au­gen­zwin­kern. Sprach­los ist sie da­ge­gen selbst kurz nach dem Vor­trag der Ko­rea­ne­rin Sooye­on Lee, die sich nach dem Lob der Di­va so­gar to­des­mu­tig an ei­ne von Gru­bero­vas ehe­ma­li­gen Pa­ra­de­rol­len, die Kö­ni­gin der Nacht, wagt und da­für vom Pu­bli­kum ge­fei­ert wird.

In die Höh­le der Lö­win be­gibt sich da­nach eben­falls Da­na Sˇ­tast­ná als Oc­ta­vi­an. Ruht auf ihr doch zu­sätz­lich noch das kri­ti­sche Au­ge von Fes­ti­val­lei­te­rin Bri­git­te Fass­ba­en­der, die von Ge­ne­ra­tio­nen von Opern­fans ge­ra­de mit die­ser Rol­le iden­ti­fi­ziert wur­de und von der ers­ten Rei­he aus noch ei­ge­ne Tipps gibt. Der Mez­zo­so­pra­nis­tin aus Prag legt Gru­bero­va zum Woh­le ei­ner lan­gen Kar­rie­re vor al­lem das Pia­no­sin­gen ans Herz. „Wir ver­ra­ten dem Pu­bli­kum jetzt nicht, dass wir manch­mal spa­ren.“Heißt es da wie­der mit dem schon be­kann­ten Aus­gen­zwin­kern. „Aber na­tür­lich müs­sen wir ab und zu spa­ren. Denn das ist ei­ne lan­ge Par­tie.“

Zu­wei­len zeigt sich Gru­bero­vas gna­den­lo­se Sei­te. Denn ob­wohl sie selbst im Vor­feld ver­kün­det hat­te, ei­gent­lich nicht sin­gen zu wol­len, son­dern nur An­re­gun­gen zu ge­ben, bricht es manch­mal aus ihr her­aus. Auf ein­mal träl­lert sie sich fast zwei­mal kom­plett durch „Ich wollt ein Sträuß­lein bin­den“. Das auf ih­re ganz per­sön­li­che Art, die ein mög­li­cher Weg ist. Aber zum Trost der jun­gen Kol­le­gin eben nicht der ein­zi­ge. Die welt­weit wich­tigs­te Kunst­mes­se Art Ba­sel ver­spricht noch mehr Qua­li­tät als sonst. „Wir le­ben in un­si­che­ren Zei­ten. Sol­che Zei­ten ver­lan­gen ei­ne noch stär­ke­re Mes­se“, sag­te der Lei­ter der Schwei­zer Kunst­mes­se Marc Spieg­ler ges­tern. Die Qua­li­tät der his­to­ri­schen Wer­ke sei des­halb noch hö­her als im ver­gan­ge­nen Jahr, er­klär­te der Art-Ba­sel-Chef auf ei­ner Pres­se­kon­fe­renz. Be­reits im Vor­jahr stan­den die Klas­si­ker der Mo­der­ne, die auf dem Kunst­markt im­mer sel­te­ner wer­den, im Fokus der Mes­se­po­li­tik. Die Art Ba­sel sei noch nie ei­ne Trend­schau ge­we­sen. Ins­ge­samt neh­men 286 Ga­le­ri­en aus 33 Län­dern teil. Samm­ler, Mu­se­ums­di­rek­to­ren und Pro­mi­nen­te kön­nen so­fort die Mes­se­hal­len be­su­chen. Für das Pu­bli­kum öff­net die Art Ba­sel am Don­ners­tag ih­re To­re. Sie en­det am Sonn­tag. Nach ei­ner mehr­mo­na­ti­gen Pau­se we­gen Rü­cken­pro­ble­men wird der ita­lie­ni­sche Film­kom­po­nist Ennio Mor­ri­co­ne im Herbst wie­der als Di­ri­gent in der rö­mi­schen Mu­sik­aka­de­mie San­ta Ce­ci­lia auf­tre­ten. Der 87-Jäh­ri­ge wird am 5., 6. und 7. Ok­to­ber Kon­zer­te ge­ben. Die Ärz­te hat­ten dem Ma­e­s­tro („Spiel mir das Lied vom Tod“) im Mai Ru­he ver­ord­net. Kon­zer­te in Rom und an­de­ren Städ­ten Eu­ro­pas wur­den ab­ge­sagt. Eben­falls am 7. 10. soll das Best-of-Al­bum „Mor­ri­co­ne 60“auf den Markt kom­men, mit dem der Kom­po­nist sei­ne 60-jäh­ri­ge Kar­rie­re fei­ert. Mor­ri­co­ne hat­te im Fe­bru­ar erst­mals ei­nen re­gu­lä­ren Os­car ge­won­nen, für die Film­mu­sik zu Qu­en­tin Ta­ran­ti­nos „The Ha­te­ful Eight“.

Die Pri­ma­don­na as­so­lu­ta

Edi­ta Gru­bero­va ar­bei­tet hier mit So­pra­nis­tin Si­mo­na Ei­sin­ger; am Kla­vier un­ter­stützt Ju­li­an Riem die bei­den.

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