Brei­te Kri­tik an Ab­schie­be­pra­xis

Mes­ser-At­ten­tä­ter be­fand sich im Aus­rei­se­ver­fah­ren – Vor­wür­fe ge­gen Olaf Scholz

Muenchner Merkur - - ERSTE SEITE -

– Nach der Mes­ser­at­ta­cke ei­nes aus­rei­se­pflich­ti­gen Asyl­be­wer­bers in Ham­burg wird der Ruf nach ei­ner schär­fe­ren Ab­schie­be­pra­xis lau­ter. Der 26-jäh­ri­ge war den Lan­des­be­hör­den als Is­la­mist be­kannt, wur­de aber als nicht un­mit­tel­bar ge­fähr­lich ein­ge­stuft. Der Tä­ter be­fand sich be­reits im Aus­rei­se­ver­fah­ren. Er hat­te ge­gen sei­nen ne­ga­ti­ven Asyl­be­scheid kei­ne Rechts­mit­tel ein­ge­legt und auch bei der Or­ga­ni­sa­ti­on von Pas­ser­satz­pa­pie­ren mit­ge­wirkt.

CSU-Ge­ne­ral­se­kre­tär Andre­as Scheu­er sag­te der „Bild am Sonn­tag“, der „ver­fah­rens­tech­ni­sche Teu­fels­kreis“müs­se be­en­det wer­den. „Wenn ei­ne Ra­di­ka­li­sie­rung be­kannt ist, müs­sen sol­che Per­so­nen aus dem Ver­kehr ge­zo­gen und fest­ge­setzt wer­den, be­vor sie Ta­ten be­ge­hen.“Die In­te­gra­ti­ons­be­auf­trag­te der CDU/CSU Frak­ti­on im Bun­des­tag, Ce­mi­le Giou­s­ouf (CDU), er­hob schwe­re Vor­wür­fe ge­gen Ham­burgs Ers­ten Bür­ger­meis­ter Olaf Scholz (SPD). „Es ist nicht nach­voll­zieh­bar, war­um ein Ra­di­ka­li­sier­ter, der sich im Aus­rei­se­ver­fah­ren be­fin­det und des­sen Um­feld die Po­li- zei warnt, nicht in Ab­schie­be­haft ge­nom­men wur­de“, er­klär­te sie am Sonn­tag. „Die ka­ta­stro­pha­len Zu­stän­de der Flücht­lings­un­ter­kunft am Ki­witts­moor in Ham­burg, wo 590 Men­schen sich selbst über­las­sen wer­den, sind ein wei­te­rer Be­leg der Igno­ranz.“

Der SPD-In­nen­ex­per­te Burk­hard Lisch­ka sprach sich in der „Heil­bron­ner Stim­me“da­für aus, be­ste­hen­de Ge­set­ze kon­se­quen­ter an­zu­wen­den. „Auch wenn die kon­kre­ten Um­stän­de noch un­klar sind, stellt sich die Frage, war­um der Mann nicht in Ab­schie­be­haft saß“, sag­te er.

Erst am ver­gan­ge­nen Sams­tag war das Ge­setz zur bes­se­ren Durch­set­zung der Aus­rei­se­pflicht in Kraft ge­tre­ten. Da­nach kön­nen Aus­rei­se­pflich­ti­ge, von de­nen ei­ne er­heb­li­che Ge­fahr für Leib und Leben oder die in­ne­re Si­cher­heit aus­geht, ein­fa­cher in Ab­schie­be­haft ge­nom­men oder über­wacht wer­den. So­ge­nann­ten Ge­fähr­dern kann ei­ne elek­tro­ni­sche Fuß­fes­sel an­ge­legt wer­den. Zu­dem kann der Be­we­gungs­spiel­raum die­ser Aus­rei­se­pflich­ti­gen ein­ge­engt wer­den. » KOM­MEN­TAR, PO­LI­TIK

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