Den Men­schen schul­dig

Muenchner Merkur - - POLITIK -

Als Po­lens Prä­si­dent An­drzej Du­da sich am Mon­tag wei­ger­te, zwei Ge­set­ze zur um­strit­te­nen Jus­tiz­re­form zu un­ter­schrei­ben, keim­te Hoff­nung auf: Ei­ne Stim­me der Ver­nunft, end­lich. Im Lich­te der Eu­pho­rie ging bei­na­he un­ter, das Du­da au­ßer­dem an­kün­dig­te, ein drit­tes Ge­setz zu un­ter­zeich­nen. Es er­laubt dem Jus­tiz­mi­nis­ter, die Prä­si­den­ten von Amts- und Be­zirks­ge­rich­ten zu er­nen­nen und ih­re Amts­zeit zu ver­län­gern – und zwar nach Be­lie­ben. Wir soll­ten uns nicht täu­schen las­sen: Die Ent­mach­tung der pol­ni­schen Jus­tiz schrei­tet vor­an und das schlei­chen­de En­de der Ge­wal­ten­tei­lung ist nur der Auf­takt für ei­nen grund­le­gen­den Um­bau des Lan­des. Dass die EU-Kom­mis­si­on mit ei­nem Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren re­agiert, ist kon­se­quent, aber zahn­los. Am En­de steht ma­xi­mal ei­ne Geld­stra­fe. Und ob es da­zu kommt, ist höchst frag­lich. Es mag mü­ßig er­schei­nen, ei­ne Re­gie­rung die­ses Ty­pus mit Mit­teln in die Schran­ken zu wei­sen, die sie selbst so of­fen­kun­dig ver­ach­tet. Trotz­dem soll­te die EU nicht lo­cker las­sen und den Druck im Rah­men ih­rer Mög­lich­kei­ten auf­recht er­hal­ten. Sie ist es den tau­sen­den Men­schen schul­dig, die seit Wo­chen ge­gen die Jus­tiz­re­for­men und für ei­ne freie Ge­sell­schaft auf die Stra­ße ge­hen. Mar­cus Mäck­ler Sie er­rei­chen den Au­tor un­ter Mar­cus.Ma­eck­ler@mer­kur.de

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