Schwe­rer Be­such in Ma­li

„Weil ich nah bei Ih­nen sein woll­te“– Nach dem Ab­sturz ei­nes Ti­ger-Hub­schrau­bers mit zwei To­ten be­sucht Ur­su­la von der Ley­en Ma­li

Muenchner Merkur - - POLITIK -

– Mar­ja Alm hat­te nicht viel Zeit zum Trau­ern. Na­tür­lich sei­en da Wut und Hilf­lo­sig­keit. Aber ein Sol­dat, sagt die 33-Jäh­ri­ge, müs­se funk­tio­nie­ren. Das tat die IT-St­abs­of­fi­zie­rin, als sie am Mitt­woch von dem töd­li­chen Un­fall ih­rer Kol­le­gen hör­te. Alm kann­te bei­de per­sön­lich. „Egal wie eng man mit de­nen war, es sind Ka­me­ra­den, die wir aus un­se­rer Mit­te ver­lo­ren ha­ben. Das ist sehr be­we­gend.“

Die Lei­chen der bei­den Sol­da­ten, die mit ei­nem Ti­gerKampf­hub­schrau­ber in Ma­li ab­stürz­ten, sind seit Sams­tag wie­der in der Hei­mat. Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en (CDU) nahm die Sär­ge in Köln in Emp­fang. Ei­nen Tag spä­ter steht sie in­mit­ten von et­wa 100 deut­schen Sol­da­ten im Camp Cas- tor in Ma­li. Die oh­ne­hin ge­plan­te Rei­se – ih­re letz­te vor der Bun­des­tags­wahl – hat sie vor­ge­zo­gen. „Weil ich nah bei Ih­nen sein woll­te nach dem schreck­li­chen Ab­sturz.“Sie wol­le „Raum und Zeit für vie­le Ge­sprä­che schaf­fen“. Die bei­den to­ten Ka­me­ra­den sei­en hoch­ge­schätzt ge­we­sen. „Die­ser Ver­lust wiegt schwer.“

Au­ßer­dem will von der Ley­en mit je­nen Luft­fahrt­ex­per­ten der Bun­des­wehr spre­chen, die zur Zeit das Un­glück un­ter­su­chen. Das Team hat ei­nen von zwei Flug­schrei­bern ge­fun­den, die Ur­sa­che für den Ab­sturz ist noch im­mer un­klar. Für ei­nen Ab­schuss spricht bis­lang nichts, ein tech­ni­scher De­fekt ist wahr­schein­li­cher. Die Mi­nis­te­rin sagt, es sei wich­tig, die Ur­sa­che mit gro­ßer Sorg­falt zu un­ter­su­chen. Es han­delt sich um die ers­ten To­des­fäl­le deut­scher Sol­da­ten im Ein­satz seit 2015.

Am Vor­mit­tag, die Son­ne knallt schon hef­tig, fei­ern die Sol­da­ten ei­nen Feld­got­tes- di­enst. Die Mi­nis­te­rin steht in ih­rer Mit­te, sie trägt ein schwar­zes Trau­er­band um den Hals. Al­ler­dings will sie nicht nur be­ten und sin­gen, son­dern auch über die Mis­si- on Mi­nus­ma spre­chen. „Ich bin hier um ih­nen den Rü­cken zu stär­ken.“Ma­li ist nach Af­gha­nis­tan der zweit­größ­te Bun­des­wehr-Ein­satz. Mehr als 890 Sol­da­ten sind in der ehe­ma­li­gen Re­bel­len­hoch­burg Gao sta­tio­niert. Die Mis­si­on sei so ge­fähr­lich wie wich­tig, sagt von der Ley­en – und zwar für die Sta­bi­li­tät in Afri­ka und Eu­ro­pa.

Der Ein­satz dient vor al­lem da­zu, den brü­chi­gen Frieden zwi­schen Re­gie­rung und Re­bel­len zu si­chern. 2015 war der Nor­den Ma­lis kurz­zei­tig in die Hän­de is­la­mis­ti­scher und an­de­rer Re­bel­en­grup­pen ge­fal­len. Deutsch­land stellt un­ter an­de­rem Hub­schrau­ber und Droh­nen. Die Pi­lo­tenGe­mein­schaft der Bun­des­wehr hat­te zu­letzt kri­ti­siert, dass die Ti­ger-Hub­schrau­ber nicht aus­rei­chend für den Ein­satz in Ma­li ge­tes­tet sei­en und den Pi­lo­ten die vor­ge­schrie­be­ne Rou­ti­ne feh­le.

In der „Mar­tins­kir­che“, ei­ner klei­ne Ka­pel­le in ei­nem ver­staub­ten Zelt, ha­ben die Sol­da­ten ei­nen Al­tar er­rich­tet mit Por­trät­bil­dern der To­ten. Fünf Ker­zen fla­ckern, vier Kon­do­lenz­bü­cher mit dem Kreuz auf der Front lie­gen vor dem Al­tar. „Der Raum wur­de sehr gut an­ge­nom­men“, er­klärt ein Camp-Spre­cher.

St­abs­of­fi­zie­rin Mar­ja Alm sagt, ihr sei wich­tig, dass von der Ley­en per­sön­lich ge­kom­men sei. „Dass sie hier ist, und nicht – sa­lopp gesagt – ei­nen Brief schickt.“Am Ein­satz zwei­felt sie trotz al­lem nicht. „Das war ein Un­fall, der über­all sonst auch hät­te pas­sie­ren kön­nen.“

FO­TO: DPA

Mit schwar­zer Trau­er­schlei­fe: Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en ist frü­her als ge­plant nach Ma­li ge­reist.

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