Baye­ri­scher Son­der­weg bei Fir­mener­ben

Muenchner Merkur - - WIRTSCHAFT -

– Nach dem müh­sam aus­ge­han­del­ten Kom­pro­miss zur Be­steue­rung von Fir­mener­ben zeich­net sich neu­er Streit ab. Bay­ern schlägt bei der Um­set­zung des neu­en Er­brechts ei­nen Son­der­weg ein. Rück­blick: Im Herbst war das Erb­schaft­und Schen­kungsteu­er­ge­setz auf Druck des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­rich­tes ge­än­dert wor­den, die Rich­ter poch­ten auf stren­ge­re Re­geln für Fir­mener­ben als ur­sprüng­lich ge­plant.

Jetzt geht es an die Um­set­zung der Än­de­run­gen – und hier wählt der Frei­staat ei­nen Son­der­weg. Ein ent­spre­chen­der Län­der­er­lass zur Um­set­zung der ge­än­der­ten Steu­er­pri­vi­le­gi­en gilt nur für die Fi­nanz­äm­ter in 15 Bun­des­län­dern, wie ein Spre­cher des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums be­stä­tig­te. In baye­ri­schen Fi­nanz­äm­tern gilt der Er­lass da­ge­gen nicht. „Das ist ein ein­ma­li­ger Vor­gang“, sag­te der Spre­cher des Fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums in Ber­lin. Über den Son­der­weg hat­te zu­erst die „FAZ“be­rich­tet.

Un­klar bleibt, wel­che Fol­gen der baye­ri­sche Al­lein­gang in der Pra­xis ha­ben wird. Die „FAZ“zi­tier­te den Prä­si­den­ten des Deut­schen Steu­er­be­ra­ter­ver­ban­des, Ha­rald Els­ter. Dem­nach han­delt es sich beim Erb­schaft­steu­er­er­lass um ei­ne „in­ter­ne An­wei­sung für die Fi­nanz­ver­wal­tung“. „15 Län­der le­gen das neue Recht da­her ab so­fort so aus, wie es dort ge­schrie­ben steht“, sag­te Els­ter. Man­gels Al­ter­na­ti­ven wür­de sich die Fi­nanz­äm­ter in Bay­ern zwar auch erst mal an dem Er­lass ori­en­tie­ren. Doch be­ste­he hier ei­ne hö­he­re Chan­ce, dass sich das Blatt bei ei­nem Ein­spruch ge­gen ei­nen Steu­er­be- scheid in ei­ne un­ter­neh­mens­freund­li­che Rich­tung wen­de, er­klär­te Els­ter. Bay­ern hat­te schon bei der Kom­pro­miss­su­che zwi­schen Bund und Län­dern ver­sucht, die neu­en Vor­ga­ben zu­guns­ten der Wirt­schaft und der Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men zu ent­schär­fen. Da die Erb­schaft­steu­er kei­ne Bun­des- und auch kei­ne Ge­mein­schafts­steu­er ist und von den Län­dern ein­ge­zo­gen wird, hat Ber­lin kei­ne Hand­ha­be ge­gen den Son­der­weg des Frei­staa­tes.

Bei der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) für Mün- chen und Ober­bay­ern be­grüßt man den baye­ri­schen Son­der­weg. „Für die Rechts- und Pla­nungs­si­cher­heit der Un­ter­neh­men wä­re es grund­sätz­lich sinn­voll, wenn sich die Fi­nanz­ver­wal­tun­gen der Län­der auf ei­nen ge­mein­sa­men Er­lass ver­stän­di­gen könn­ten. Im vor­lie­gen­den Fall ist es je­doch zu be­grü­ßen, dass die baye­ri­sche Fi­nanz­ver­wal­tung den Län­der­er­lass in der der­zei­ti­gen Fas­sung nicht mit­trägt“, sagt Mar­tin Cle­mens, Lei­ter des Re­fe­rats Steu­ern und Fi­nan­zen bei der IHK. Die Aus­le­gung des Ge­set­zes, so wie der­zeit im Er­lass nie­der­ge­legt, sei meist re­strik­tiv un­dz­um Nach­teil der Steu­er­pflich­ti­gen.

Nach dem im ver­gan­ge­nen Sep­tem­ber ver­ein­bar­ten Kom­pro­miss sol­len Fir­mener­ben auch künf­tig weit­ge­hend vom Fis­kus ver­schont wer­den, wenn sie das Un­ter­neh­men lan­ge ge­nug fort­füh­ren und Jobs er­hal­ten. Die Vor­ga­ben für die Steu­er­pri­vi­le­gi­en wur­den auf Druck des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts aber stren­ger ge­fasst als bis­her. Die neu­en Re­geln tra­ten rück­wir­kend zum 1. Ju­li 2016 in Kraft.

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