Sind Stra­ßen­aus­bau­bei­trä­ge be­güns­ti­gungs­fä­hig?

Muenchner Merkur - - GELD & MARKT -

„Auf Nach­fra­ge er­hiel­ten wir von ei­nem Steu­er­be­ra­ter die Aus­kunft, dass laut Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um die Stra­ßen­aus­bau­bei­trä­ge aus­drück­lich als nicht be­güns­ti­gungs­fä­hig ge­nannt wur­den. Heu­te ha­be ich in Ih­rer Zei­tung ge­le­sen, dass die­se Bei­trä­ge sehr wohl be­güns­ti­gungs­fä­hig sind. Was ist nun rich­tig? Und was kann ich un­ter­neh­men, wenn mir die Ge­mein­de be­zie­hungs­wei­se die da­für be­auf­trag­te Agen­tur den Nach­weis ver­wei­gert?“

Die Frage, ob Stra­ßen­aus­bau­bei­trä­ge be­güns­ti­gungs­fä­hig sind, ist lei­der noch nicht ab­schlie­ßend ge­klärt. Zwi­schen Bund, Län­dern und Kom­mu­nen gibt es Un­stim­mig­kei­ten, ob Ar­beits­kos­ten, die beim Stra­ßen­aus­bau und an­de­ren kom­mu­na­len Tä­tig­kei­ten an­fal­len, als haus­halts­na­he Hand­wer­ker­leis­tun­gen ab­setz­bar sind. Trotz die­ser Un­stim­mig­kei­ten ra­te ich Ih­nen die Ar­beits­kos­ten, die bei der Er­schlie­ßung an­fal­len, in der Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung gel­tend zu ma­chen.

Es ist rich­tig, dass das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um im letz­ten Win­ter an­ge­ord­net hat, dass die­se Maß­nah­men nicht be­güns­tig­te Leis­tun­gen sind, so­dass die Fi­nanz­äm­ter den Steu­er­bo­nus ver­wei­gern. Das baye­ri­sche Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um hat­te zu­vor aber noch ge­ra­ten, die Ar­beits­kos­ten auf der Steu­er­er­klä­rung an­zu­ge­ben. Auch das Baye­ri­sche Lan­des­amt für Steu­ern hat­te er­klärt, dass das Ur­teil in ver­gleich­ba­ren Fäl­len an­ge­wen­det wer­den kann.

Aus­lö­ser die­ser Ent­wick­lung war ein Ur­teil des Fi­nanz­ge­richts Nürn­berg aus dem Jahr 2015 (Az.: 7 K 1356/14). Das Fi­nanz­ge­richt Nürn­berg hat­te ent­schie­den, dass ein Grund­stücks­ei­gen­tü­mer ei­ner selbst ge­nutz­ten Im­mo­bi­lie die Lohn­kos­ten sei­nes Be­scheids zum Stra­ßen­aus­bau­bei­trag in der Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung als Hand­wer­ker­leis­tun­gen ab­set­zen darf.

Zur ab­schlie­ßen­den Klä­rung die­ser Mei­nungs­ver­schie­den­heit ist nun ein Ge­richts­ver­fah­ren beim Bun­des­fi­nanz­hof an­hän­gig. Der Bun­des­fi­nanz­hof be­fasst sich in dem Ver­fah­ren mit der Frage, ob es auch für Maß­nah­men, die auf öf­fent­lich-recht­li­cher Grund­la­ge er­fol­gen und per Be­scheid ab­ge­rech­net wer­den, den Steu­er­bo­nus für Hand­wer­ker­leis­tun­gen gibt.

Des­halb ra­te ich Ih­nen, ei­ne mög­li­che Ab­leh­nung durch Ihr Fi­nanz­amt nicht zu ak­zep­tie­ren. Be­rück­sich­tigt das Fi­nanz­amt die Ar­beits­kos­ten für den Stra­ßen­aus­bau nicht, soll­ten Sie viel­mehr Ein­spruch ge­gen den Steu­er­be­scheid ein­le­gen und das Ru­hen des Ver­fah­rens be­an­tra­gen. Zur Be­grün­dung kön­nen Sie auf das lau­fen­de Ge­richts­ver­fah­ren beim Bun­des­fi­nanz­hof ver­wei­sen (Az.: VI R

18/16). Ihr Steu­er­fall bleibt dann bis zu ei­nem Ur­teil of­fen und Sie er­hal­ten Geld zu­rück, falls der Bun­des­fi­nanz­hof zu­guns­ten der Im­mo­bi­li­en­be­sit­zer ent­schei­det.

Die Steu­er­er­mä­ßi­gung für haus­halts­na­he Hand­wer­ker­leis­tun­gen gilt nur für Ar­beits- kos­ten. Kann der An­teil der Ar­beits­kos­ten nicht ge­son­dert er­mit­telt wer­den, bei­spiels­wei­se weil die Ge­mein­de den Nach­weis der Ar­beits­kos­ten ver­wei­gert, ist es nicht sel­ten, dass die An­ga­ben in der Steu­er­er­klä­rung auf ge­schätz­ten Be­trä­gen be­ru­hen. Es ist al­ler­dings frag­lich, ob ei­ne Schät­zung der Ar­beits­kos­ten durch den Steu­er­pflich­ti­gen zu­läs­sig ist. Die Fi­nanz­äm­ter ha­ben ei­ne Schät­zung durch den Steu­er­pflich­ti­gen bis­her über­wie­gend nicht zu­ge­las­sen. Auch das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um hält ei­ne Schät­zung für nicht zu­läs­sig. Es ist aber da­von aus­zu­ge­hen, dass der Bun­des­fi­nanz­hof in dem be­reits er­wähn­ten Rechts­streit auch zur Mög­lich­keit der Schät­zung der Ar­beits­kos­ten Stel­lung be­zieht. Auch hier bleibt al­so ab­zu­war­ten, ob der Bun­des­fi­nanz­hof zu­guns­ten der Im­mo­bi­li­en­be­sit­zer ent­schei­det.

Dr. Ul­ri­ke Kirch­hoff, Vor­stand Haus & Grund Bay­ern

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