Nach­bar-Haus ist ta­bu

Ur­teil über ei­ne Lei­ter und Bohr­lö­cher

Muenchner Merkur - - BAYERN & REGION -

– Wer oh­ne zu fra­gen ei­ne Lei­ter an die Dach­rin­ne des Hau­ses ne­ben­an lehnt, ver­letzt das Ei­gen­tums­recht des Nach­barn. Dies hat das Amts­ge­richt Mün­chen in ei­nem am Frei­tag ver­öf­fent­lich­ten Ur­teil klar­ge­stellt (Az.: 233 C 29540/15). Und na­tür­lich dür­fen oh­ne Ein­wil­li­gung auch kei­ne Lö­cher in die Fas­sa­de des Nach­bar­hau­ses ge­bohrt wer­den.

Im vor­lie­gen­den Fall woh­nen die Streit­par­tei­en, zwei Ehe­paa­re, ne­ben­ein­an­der in Rei­hen­häu­sern in Gar­ching (Land­kreis Mün­chen). Wäh­rend des Som­mer­ur­laubs der Klä­ger er­rich­te­ten die Be­klag­ten im Jahr 2015 zwi­schen den Ter­ras­sen ei­ne Holz­trenn­wand. Oh­ne Ab­spra­che bohr­ten sie da­für Lö­cher in die Au­ßen­wand des Nach­bar­hau­ses. Zu­dem lehn­ten sie über meh­re­re Mo­na­te ei­ne schwe­re Me­tall­lei­ter an das an­gren­zen­de Dach. Die­se er­mög­lich­te den Blick in das Wohn- und Schlaf­zim­mer des an­de­ren Ehe­paars.

Wäh­rend des Ver­fah­rens be­sei­tig­ten die Be­klag­ten den Sicht­schutz und füll­ten die Dü­bel­lö­cher. Bei der Lei­ter zeig­ten sie sich al­ler­dings nicht so ent­ge­gen­kom­mend, schließ­lich ste­he sie auf ih­rem ei­ge­nen Grund­stück, be­ton­te das Ehe­paar im Pro­zess. Das sah die Rich­te­rin in ih­rem Ur­teil an­ders: Je­der dür­fe Nicht­be­rech­tig­te von der Nut­zung sei­nes Ei­gen­tums, in die­sem Fall der Dach­kan­te, ab­hal­ten. Die Klä­ger könn­ten die Ent­fer­nung der Lei­ter ver­lan­gen. Auch dar­auf zu be­ste­hen, dass kei­ne Lö­cher in die ei­ge­ne Haus­wand ge­bohrt wer­den, sei rech­tens.

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