Mi­t­rei­ßend

Pa­vol Bres­liks Lie­der­abend zum Aus­klang der Opern­fest­spie­le

Muenchner Merkur - - BAYERN & REGION -

Lie­be und Schmerz – wie eng sie zu­sam­men­ge­hö­ren, da­von kün­de­te im letz­ten Lie­der­abend der Münch­ner Opern­fest­spie­le Te­nor Pa­vol Bres­lik zu­sam­men mit Amir Katz, sei­nem Part­ner am Kla­vier. Die Lie­der von An­tonín Dvor­ák,ˇ Franz Liszt und Mi­ku­lásˇ Schnei­der-Tr­navs­ky ver­lang­ten viel Emo­ti­on, und Bres­lik ist ge­nau der Rich­ti­ge, sie frei­zu­set­zen und den­noch ge­schmacks­si­cher die Fas­son zu wah­ren. So nahm er das Pu­bli­kum im voll be­setz­ten Prinz­re­gen­ten­thea­ter mit auf ei­ne Rei­se in die (spät-)ro­man­ti­sche, böh­misch-un­ga­ri­sche Emp­fin­dungs­welt.

Den Auf­takt mach­ten die 18 Lie­der des Zy­klus „Zy­pres­sen“, in dem der 24-jäh­ri­ge Dvor­ákˇ auf Ge­dich­te von Gus­tav Pfle­ger-Moravs­ky sei­ne un­glück­li­che Ju­gend­lie­be ver­ar­bei­tet hat. Dem Ori­gi­nal für Sing­stim­me und Kla­vier ließ der Kom­po­nist zwei Jahr­zehn­te spä­ter ei­ne Fas­sung für Streich­quar­tett fol­gen. In wei­chem Tsche­chisch und mit gut fo­kus­sier­ter Stim­me er­zähl­te der Te­nor von sü­ßem Her­ze­leid und steu­er­te mit sei­nem Be­glei­ter die klei­nen dra­ma­ti­schen Zu­spit­zun­gen ge­zielt an. Be­son­ders er­grei­fend ge­lang das fünf­te Lied „O, was für ein schö­ner, güld­ner Traum“. Die Band­brei­te des Aus­drucks bleibt bei Dvor­ákˇ be­grenzt: Lie­bes­leid, zu­wei­len ein kur­zes, ver­zwei­fel­tes Auf­be­geh­ren im For­te, ei­ne Spur Re­si­gna­ti­on sor­gen nicht für be­le­ben­den Kon­trast. Den mag man­cher bei 18 (!) Lie­dern ver­misst ha­ben, auch wenn die In­ter­pre­ten ganz bei der Sa­che wa­ren, und Katz in den knap­pen Nach­spie­len die Stim­mung fein aus­klin­gen ließ.

Mu­si­ka­lisch nu­an­cen­rei­cher ka­men die fol­gen­den vier Lie­der von Liszt (auf Tex­te Vic­tor Hu­gos) da­her. Für das Lie­bes­wer­ben setz­te Bres­lik die feu­ri­ge­ren, vi­ri­len Tö­ne ein und ließ in „Mein Kind, wär’ ich Kö­nig“den „Kuss von Dir“wie ei­nen Hauch spür­bar wer­den. Mit Liszt sang und spiel­te sich das er­fah­re­ne Lie­der-Duo frei, um dann in den Ge­sän­gen von Schnei­der-Tr­navs­ky noch en­thu­si­as­ti­scher ans Werk zu ge­hen und das Pu­bli­kum rest­los mit­zu­rei­ßen. Die viel­fach am Volks­lied­ton ori- en­t­ier­ten Lie­der des Slo­wa­ken kom­men, ob­wohl ihr Schöp­fer erst 1958 starb, in spät­ro­man­ti­schem Ge­wand da­her, wir­ken aber durch ih­re un­ter­schied­li­che The­ma­tik ab­wechs­lungs­reich und le­ben­dig. Mit In­brunst und wun­der­bar frei schwin­gen­der Stim­me wid­me­te sich Bres­lik (im be­stick­ten Kit­tel) die­sen Klän­gen sei­ner Hei­mat, von Katz am Kla­vier ent­spre­chend be­feu­ert. Ju­bel, Zu­ga­ben und Blu­men, die zu den Da­men im Parkett flo­gen.

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