Pu­tins bes­ter Mann

Muenchner Merkur - - POLITIK - Ge­org Ana­st­a­sia­dis Sie er­rei­chen den Au­tor un­ter Ge­org.Ana­st­a­sia­dis@mer­kur.de

An­ders als sei­ne Ber­li­ner Ge­nos­sen, die nach der Bun­des­tags­wahl ih­re Re­gie­rungs­pos­ten los sind, hat Ger­hard Schrö­der seit ges­tern ei­nen neu­en Job. Ei­nen ziem­lich lu­kra­ti­ven so­gar: Als neu­er Auf­sichts­rats­chef von Pu­tins wich­tigs­tem Staats­kon­zern, dem Ener­gie­rie­sen Ros­neft, mit des­sen Hil­fe der Kreml die rus­si­sche Wirt­schaft lenkt, ver­dient Schrö­der über den Dau­men ge­peilt 600 000 Dol­lar im Jahr. Von nichts und nie­man­dem, auch nicht von sei­ner er­schro­cke­nen Par­tei, hat sich der Ex-Kanz­ler da­von ab­brin­gen las­sen. „Rein privat“sei sein En­ga­ge­ment, be­haup­tet er. Ge­nau­so „privat“al­so wie sei­ne so­eben im rus­si­schen TV aus­führ­lich wie­der­ge­ge­be­ne Aus­sa­ge, kein rus­si­scher Prä­si­dent wer­de die Krim je­mals wie­der her­ge­ben? Als ob ein Kanz­ler nach dem Aus­schei­den aus dem Amt ir­gend­ein Nul­lacht­fünf­zehn-An­ge­stell­ter wä­re. Schrö­der lügt sich und sei­nen Lands­leu­ten in die Ta­sche. Dass sich ein deut­scher Ex-Re­gie­rungs­chef in den Di­enst ei­ner aus­län­di­schen Macht stellt, ist ein ein­zig­ar­ti­ger Bruch al­ler Re­geln des po­li­ti­schen An­stands. Schrö­der ist Pu­tins wich­tigs­ter Lob­by­ist, der Mann, der dem Kreml­chef die Tü­ren zur deut­schen Wirt­schaft und in die Po­li­tik öff­nen und des­sen Image auf­po­lie­ren soll. Dass er da­bei sein ei­ge­nes zer­stört, ist dem Va­ter der Agen­da 2010 egal. Sei­ner Par­tei gibt Schrö­der noch im­mer ger­ne Rat­schlä­ge. Ei­ner lau­te­te jetzt, die SPD sol­le die Tür für ei­ne Fort­set­zung der Gro­ßen Ko­ali­ti­on nicht vor­ei­lig zu­schla­gen. Man darf dar­über nach­den­ken, wer da sprach: der Pri­vat­mann? Der ehe­ma­li­ge SPD-Par­tei­vor­sit­zen­de? Oder Pu­tins Hand­lan­ger? Klar ist je­den­falls: In der Op­po­si­ti­on ist Schrö­der für sei­nen Freund, den lu­pen­rei­nen De­mo­kra­ten in Mos­kau, nur halb so viel wert wie als Ein­flüs­te­rer der Re­gie­rungs­par­tei SPD.

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