Ha­dert­hau­er geht: Rück­zug ei­ner Rup­pi­gen

Muenchner Merkur - - HINTERGRUND -

– Als er Chris­ti­ne Ha­dert­hau­er frisch zur Mi­nis­te­rin ge­macht hat­te, schick­te ihr Horst See­ho­fer nur halb im Scherz noch ei­ne war­nen­de SMS hin­ter­her: „Im­mer brav sein! HS“. Das ist jetzt bald acht Jah­re her, und man muss oh­ne je­de Über­trei­bung fest­stel­len: Ha­dert­hau­er hat sich kei­ne Stun­de lang an die­se An­wei­sung ge­hal­ten.

Als Mi­nis­te­rin leg­te sie sich ab 2008 mit Ka­bi­netts­kol­le­gen an, rum­pel­te mit Ver­bän­den an­ein­an­der, rutsch­te tief und im­mer tie­fer in ih­re haus­ge­mach­te Mo­dell­bauaf­fä­re, stol­per­te durch ein mi­se­ra­bles Kri­sen­ma­nage­ment und stürz­te 2014. Sie durch­lief ein Straf­ver­fah­ren und ei­nen Un­ter­su­chungs­aus­schuss, kas­sier­te ei­nen Straf­be­fehl – und wur­de fast nie lei­se, er­war­te­te auch nach dem Sturz ei­ne schwung­vol­le Rück­kehr in die ers­te Rei­he. „Ich wün­sche mir, dass man mir die Chan­ce gibt, mit der zwei­ten Luft durch­zu­star­ten“, sag­te sie, dann ein­fa­che Land­tags­ab­ge­ord­ne­te, im April 2016.

Ir­gend­was muss in der Zwi­schen­zeit pas­siert sein mit der zwei­ten Luft. Am Frei­tag­nach­mit­tag hat Ha­dert­hau­er

„Die gschnap­pig zu­g­ro­as­te Preiß­in“

völ­lig über­ra­schend das Ge­gen­teil mit­ge­teilt: Sie ver­zich­tet, will 2018 nicht mehr für den Land­tag kan­di­die­ren und sich aus der Be­rufs­po­li­tik zu­rück­zie­hen. Le­dig­lich Stadt­rä­tin in In­gol­stadt und CSUMit­glied will sie blei­ben. Sie ha­be sich „ver­än­dert und wei­ter­ent­wi­ckelt“, schreibt sie in ei­nem lan­gen Brief an Par­tei­freun­de. „Jetzt ist für mich die Zeit reif, noch ein­mal et­was an­de­res zu ma­chen, neue Her­aus­for­de­run­gen zu su­chen.“

Die Christ­so­zia­len, selbst ihr lang­jäh­ri­ger Ver­trau­ter Er­win Huber, wur­den von dem Schritt kalt er­wischt. Die 54Jäh­ri­ge hat das mit sich selbst aus­ge­macht, räumt sie auch ein. Sie ha­be sich nach ei­ner Nach­denk­pha­se ab Jah­res­be­ginn zum Rück­zug ent­schie­den, ha­be aber die Bun­des­tags­wahl nicht stö­ren wol­len. Was sie künf­tig ma­chen wol­le, „weiß ich noch nicht“. In per­sön­li­chen Wor­ten dankt sie per Brief ih­ren ört­li­chen Par­tei­freun­den: Ihr sei „sehr be­wusst, dass ich nie ei­ne 100-Pro­zent-Zu­stim­mungs­Per­son ge­we­sen bin“. Sie sei als „gschnap­pig zu­g­ro­as­te Preiß­in“(so schreibt sie) und Quer­ein­stei­ge­rin trotz al­lem gut auf­ge­nom­men wor­den, wenn man­cher „auch in den gu­ten Zei­ten nie so rich­tig warm“mit ihr ge­wor­den sei. In der In­gol­städ­ter CSU war auch nie in Be­ton ge­mei­ßelt, ob sie wie­der für den Land­tag auf­ge­stellt wür­de.

Für die CSU ist das ei­ner­seits gut – Ha­dert­hau­er war mit ih­rer im­pul­si­ven Art und dem bis über die Gren­ze selbst­be­wuss­ten Auf­tre­ten im­mer für ei­nen Hau­fen Är­ger gut; auch wenn viel an ih­rer Forsch­heit Fas­sa­de war. An­de­rer­seits wird die ge­bür­ti­ge Nord­deut­sche feh­len: Sie ist ei­nes der we­ni­gen weib­li­chen Ta­len­te der CSU in ei­nem Par­la­ment, re­de­ge­wandt und mo­dern. Ein Di­lem­ma eben: Die an­de­ren, die im­mer brav sind, sind halt lang­wei­lig.

Chris­ti­ne Ha­dert­hau­er (CSU) kehrt dem Land­tag den Rü­cken.

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