Pro­zess ge­gen ehe­ma­li­gen HRE-Chef en­det mit Geld­bu­ße

Die Au­f­ar­bei­tung des größ­ten deut­schen Ban­ken­ret­tungs­falls hat ein frag­wür­di­ges En­de ge­fun­den. Weil Ver­jäh­rung droht, ka­pi­tu­liert die Jus­tiz.

Muenchner Merkur - - WIRTSCHAFT - VON THO­MAS MANGENHEIM-HÖR­MANN

– Der von vie­len er­war­te­te gro­ße Pro­zess um die Hin­ter­grün­de des De­ba­kels der Hy­po Re­al Esta­te (HRE) war die ju­ris­ti­sche Au­f­ar­bei­tung des größ­ten deut­schen Ban­ken­ret­tungs­falls oh­ne­hin nicht mehr. Die Haupt­vor­wür­fe wur­den schon fal­len ge­las­sen, be­vor das Ver­fah­ren vor dem Land­ge­richt Mün­chen vor gut ei­nem hal­ben Jahr be­gon­nen hat­te. Nun aber en­det der Pro­zess, bei dem der ehe- ma­li­ge HRE-Chef Ge­org Fun­ke und der frü­he­re Fi­nanz­chef Mar­kus Fell auf der An­kla­ge­bank sa­ßen, end­gül­tig im ju­ris­ti­schen Fi­as­ko. Bei­de An­ge­klag­te kom­men mit ei­ner Geld­auf­la­ge von 18 000 Eu­ro für Fun­ke und 25 000 Eu­ro für Fell da­von. Die Be­grün­dung da­für ist vor al­lem auch für die­je­ni­gen nie­der­schmet­ternd, die vom HRE-De­ba­kel ge­schä­digt wur­den.

Die von der Staats­an­walt­schaft er­ho­be­nen Vor­wür­fe, die An­ge­klag­ten hät­ten 2008 die La­ge ih­rer Bank zu po­si­tiv ge­zeich­net und im Fall von Fell auch Markt­ma­ni­pu­la­ti­on be­trie­ben, hät­ten im bis­he­ri­gen Pro­zess nicht aus­rei­chend auf­ge­klärt wer­den kön­nen. „Ob die er­for­der­li­chen Be­weis­füh­run­gen noch vor Ablauf der ab­so­lu­ten Ver­jäh­rung ab­ge­schlos­sen wer­den kön­nen, ist nicht ab­zu­schät­zen“, er­klärt das Ge­richt. Im Kl­ar­text heißt das, die Müh­len der Jus­tiz ha­ben zu lang­sam ge­mah­len. Die Ver­ant­wort­lich­kei­ten beim HRE-De­ba­kel, das zu ei­ner Zwangs­ver­staat­li­chung des Im­mo­bi­li­en­fi­nan­zie­rers ge­führt und in der Spit­ze staat­li­che Ga­ran­ti­en von über 100 Mil­li­ar­den Eu­ro aus­ge­löst hat­ten, blei­ben im Dun­keln.

Denn soll­ten Fun­ke und Fell bis 15. Ok­to­ber die ins­ge­samt 43 000 Eu­ro, wie mit dem Ge­richt aus­ge­han­delt, ge­mein­nüt­zi­gen Ver­ei­nen zu­kom­men las­sen, ist das Ver­fah­ren end­gül­tig ein­ge­stellt. Da dem die Staats­an­walt­schaft be­reits zu­ge­stimmt hat, ist auch ei­ne et­wai­ge Re­vi­si­on hin­fäl­lig, zu­mal die sich schon aus Ver­jäh­rungs­grün­den oh­ne vor­he­ri­gen Ur­teils­spruch in ers­ter In­stanz ver­bo­ten hät­te. Die­se fi­na­le Wen­de im HRE-Pro­zess kommt über­ra­schend. Denn erst vor Kur­zem hat­te die von Rich­te­rin Pe­tra Witt­mann ge­führ­te Wirt­schafts­straf­kam­mer neue Pro­zess­ter­mi­ne bis En­de De­zem­ber die­ses Jah­res fest­ge­legt und al­le Be­tei­lig­ten ge­be­ten, sich auch An­fang 2018 für wei­te­re Ge­richts­ta­ge vor­zu­be­rei­ten. Ur­sprüng­lich hät­te der Pro­zess um die­se Zeit schon be­en­det sein sol­len.

Das war nicht mög­lich, un­ter an­de­rem weil wäh­rend des Ver­fah­rens neue und un­be­kann­te Da­ten rie­si­gen Aus­ma­ßes auf­ge­taucht wa­ren, die un­ter an­de­rem die Münch­ner Staats­an­walt­schaft in 75 mit Ak­ten­ord­nern ge­füll­ten Kar­tons in ih­ren Räu­men ge­la­gert hat­te. Der Pro­zess aber war von An­fang an zeit­lich auf Kan­te ge­näht. Der ei­ne Teil der Tat­vor­wür­fe wä­re im März 2018 ver­jährt, der an­de­re Teil im Au­gust 2018. Schon die vor­an­ge­gan­ge­nen Er­mitt­lun­gen hat­ten meh­re­re Jah­re ver­schlun­gen. Da­nach hat das Ge­richt wei­te­re rund zwei Jah­re ge­braucht, um die An­kla­ge zum Pro­zess zu­zu­las­sen. Die war zu die­sem Zeit­punkt oh­ne­hin schon dra­ma­tisch ab­ge- speckt. Im jet­zi­gen Ver­fah­ren ging es näm­lich nicht mehr um die Fra­ge, wer der oder die Schuldigen am De­ba­kel der HRE sind. Ver­han­delt wur­de nur noch die Fra­ge, ob Fun­ke und Fell die La­ge der ih­nen an­ver­trau­ten Bank in ei­nem eng be­grenz­ten Zei­t­raum öf­fent­lich zu po­si­tiv dar­ge­stellt und da­mit An­le­ger po­ten­zi­ell in die Fal­le ge­lockt hat­ten.

Nicht ein­mal die­ses De­tail konn­te aber nun ge­klärt wer­den, weil der Pro­zess un­ter dem ju­ris­ti­schen Fach­be­griff der Er­mes­sens­ein­stel­lung oh­ne Ur­teil en­det. Das Ge­richt ge­steht ein, dass für ein Ur­teil noch ein wei­te­res Gut­ach­ten hät­te er­stellt wer­den müs­sen. Zu­dem hät­ten noch zahl­rei­che Zeu­gen ver­nom­men wer­den müs­sen, die teils im Aus­land zu la­den ge­we­sen wä­ren.

Ge­org Fun­ke, Ex-Vor­stands­chef der Im­mo­bi­li­en­bank Hy­po Re­al Esta­te

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