„Wir le­ben im ge­lob­ten Land“

Muenchner Merkur - - GELD & MARKT - In­ter­view: Josef Amets­bich­ler

Am Sonn­tag be­ge­hen die Chris­ten in Bay­ern Ern­te­dank. Vor al­lem für die Bau­ern ist das Fest ein An­lass, auf das land­wirt­schaft­li­che Jahr zu­rück­zu­bli­cken. Ober­bay­erns Be­zirks­bäue­rin Chris­ti­ne Sin­ger aus Hof­heim (Kreis Gar­misch-Par­ten­kir­chen) er­klärt, wie sie am Sonn­tag fei­ert und wes­halb es so wich­tig ist, Dan­ke zu sa­gen.

Frau Sin­ger, wie feiern Sie Ern­te­dank?

Zu­erst in der Kir­che. Die Mes­ne­rin schmückt die Al­tä­re mit viel Herz­blut mit Le­bens­mit­teln aus der Re­gi­on. So sa­gen wir Dan­ke da­für, dass un­ser Tisch im­mer reich ge­deckt ist. Bei uns im Ort ist Ern­te­dank ein Fa­mi­li­en­got­tes­dienst. Das ist schön, weil ge­ra­de die Kin­der mit­be­kom­men, dass es nicht selbst­ver­ständ­lich ist, dass die Su­per­markt­re­ga­le im­mer voll sind. Da­heim gibt es dann ein schö­nes Mit­tag­es­sen mit der Fa­mi­lie.

Wo­für sa­gen Sie Dan­ke?

Wir ha­ben Milch­vieh­hal­tung. Das Win­ter­fut­ter ist ein­ge­bracht, die Tie­re sind ge­sund, der Milch­preis stimmt wie­der. Das ist mei­ne Ern­te und da­für bin ich dank­bar. An Ern­te­dank stel­le ich un­se­re Ern­te­kro­ne in den Bild­stock und le­ge Ge­mü­se aus dem Gar­ten da­zu. Ein klei­nes Ri­tu­al, mit dem wir dem Herr­gott zei­gen, dass wir das schät­zen, was wir ha­ben.

Hat Ern­te­dank ei­ne ge­sell­schaft­li­che Be­deu­tung?

Ern­te­dank ist et­was, das mit Re­gio­na­li­tät zu tun hat. Es ist ein An­lass, den Leu­ten ei­nen di­rek­ten Be­zug zur Her­kunft von Le­bens­mit­teln zu ver­mit­teln. Bei Kin­dern geht das am bes­ten, wenn sie auch sel­ber an­pa­cken dür­fen, mal Ra­dies­chen ein­set­zen zum Bei­spiel. Da­mit sie die Er­de spü­ren und mer­ken, wie vie­le Din­ge zu­sam­men­spie­len müs­sen, bis et­was wächst.

Land­wirt­schaft ist heu­te hoch tech­ni­siert. Ha­ben die Bau­ern ih­ren Er­folg nicht längst selbst in der Hand?

Wir sind als Land­wir­te stolz, dass wir Le­bens­mit­tel er­zeu­gen, die so hoch­wer­tig sind wie nie. Aber wir brau­chen den Herr­gott da­zu, da­mit das ge­lingt. Al­lei­ne geht gar nichts, es gibt so vie­le Fak­to­ren von au­ßen. Wie der spä­te Frost in die­sem Früh­jahr, durch den es so gut wie kei­ne baye­ri­schen Äp­fel gibt. Das zeigt, dass ei­ne gu­te Ern­te nicht selbst­ver­ständ­lich ist.

Gibt es dann über­haupt et­was zu dan­ken?

Dan­ke sa­gen müs­sen wir im­mer. Schon we­gen der Be­din­gun­gen, zu de­nen wir le­ben dür­fen – mit Re­gen, frucht­ba­rer Er­de, sta­bi­len po­li­ti­schen Ver­hält­nis­sen. Ver­gan­ge­nes Jahr war ich in Afri­ka für ein Pro­jekt mit Bäue­rin­nen. Da ha­be ich ge­se­hen, wie gut es uns geht und war dank­bar, dass ich in Bay­ern da­heim bin. Es wä­re furcht­bar zu sa­gen, wir ha­ben heu­er nichts zu dan­ken. Wir le­ben im ge­lob­ten Land.

FO­TO: PRIVAT

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