Ver­ein­te Kräf­te für die In­te­gra­ti­on

Kon­fe­renz der Aus­län­der­bei­rä­te: Özo­guz kri­ti­siert Bay­erns strik­te Ar­beits­re­ge­lung für Mi­gran­ten

Muenchner Merkur - - BAYERN & REGION -

– Bea­te Zer­kow­ski, Ro­ber­to Man­do­si und Stel­la Braun sind un­ter den ers­ten Gäs­ten, die am Frei­tag­vor­mit­tag im Saal der Staats­kanz­lei Platz neh­men. Sie ha­ben ei­nen wei­ten Weg in Kauf ge­nom­men, um bei der ers­ten baye­ri­schen In­te­gra­ti­ons­kon­fe­renz da­bei zu sein. Sie sind Mi­gra­ti­ons­bei­rä­te aus Ro­then­burg ob der Tau­ber – und wur­den wie vie­le an­de­re von Kers­tin Schrey­er (CSU), der In­te­gra­ti­ons­be­auf­trag­ten der Baye­ri­schen Staats­re­gie­rung, ein­ge­la­den. Schrey­er hat sich die In­spi­ra­ti­on für die Kon­fe­renz in Berlin ge­holt – bei der Bun­des­be­auf­trag­ten Ay­dan Özo­guz (SPD). „Wir müs­sen auch in Bay­ern un­se­re Kräf­te bün­deln“, sagt sie. Denn es ge­be vie­le gu­te Pro­jek­te, die auch an an­de­ren Or­ten funk­tio­nie­ren wür­den.

Ei­ni­ge da­von wer­den mit­tags bei ei­nem Vor­trag prä­sen- tiert. Bea­te Zer­kow­ski und ih­re Kol­le­gen er­hof­fen sich aber vor al­lem durch den Aus­tausch am Nach­mit­tag neue Im­pul­se. „In Ro­then­burg le­ben 65 Na­tio­na­li­tä­ten zu­sam­men“, be­rich­tet Zer­kow­ski. „Es gibt al­so viel zu tun für die In­te­gra­ti­on.“

Die Kon­fe­renz wid­met sich ganz be­wusst nicht nur dem The­ma Flücht­lin­ge, be­tont Schrey­er. „85 Pro­zent der Men­schen mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund in Bay­ern sind nicht hier­her ge­flüch­tet. Vie­le sind schon seit Jah­ren hier – aber noch im­mer nicht rich­tig in­te­griert.“

„In­te­gra­ti­on braucht ei­nen lan­gen Atem“, be­tont So­zi­al­mi­nis­te­rin Emi­lia Mül­ler (CSU). Und sie sei auch Prä­ven­ti­on, um ra­di­ka­len Ideo­lo­gi­en in Bay­ern kei­ne Chan­ce zu ge­ben. „Die Wahl hat ge- zeigt, dass wir in Deutsch­land den Rechts­ex­tre­mis­mus über­haupt nicht im Griff ha­ben“, sag­te Ay­dan Özo­guz. Auch auf den ver­ba­len An­griff des AfDPo­li­ti­kers Alex­an­der Gau­land ging sie kurz ein. „Sol­che Äu­ße­run­gen sol­len ei­nen Gr­a­ben in un­se­re Ge­sell­schaft trei­ben. Sie be­deu­ten: Egal wie sehr du hier an­ge­kom­men bist, du ge­hörst nicht in un­ser Land.“Gau­land hat­te da­von ge­spro­chen, Özo­guz in Ana­to­li­en zu „ent­sor­gen“.

Zu In­te­gra­ti­on ge­hö­re, dass sich al­le auf­ein­an­der zu­be­we­gen, be­ton­te Özo­guz. Aber auch, dass Mi­gran­ten ei­ne Chan­ce auf Ar­beit und Aus­bil­dung be­kom­men. In­di­rekt kri­ti­sier­te sie die im Frei­staat sehr strik­ten Re­ge­lun­gen für die Ar­beits­ge­neh­mi­gun­gen. „Hil­fe­ru­fe kom­men nur aus Bay­ern“, be­ton­te sie – und be­kam von den In­te­gra­ti­ons­bei­rä­ten da­für ei­nen lau­ten Ap­plaus.

FO­TO: KLAUS HAAG

Aus­tausch in der Staats­kanz­lei: Kers­tin Schrey­er (r.), Emi­lia Mül­ler (2.v.r.) und Ay­dan Özo­guz (3.v.l.) im Ge­spräch mit den Mi­gra­ti­ons­bei­rä­ten aus Ro­then­burg.

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