To­le­ranz ist gar nicht so ein­fach

Sie wa­ren al­le schon in Tutz­ing: Ade­nau­er, Brandt, Strauß, Mer­kel, Gauck und wie sie al­le hei­ßen. Die vor 70 Jah­ren ge­grün­de­te Evan­ge­li­sche Aka­de­mie am Starn­ber­ger See wirkt wie ein Ma­gnet.

Muenchner Merkur - - BAYERN & REGION -

– An grö­ße­re Po­li­zei­prä­senz rund um ihr Schloss ha­ben sich die Tutz­in­ger ge­wöhnt. Dann wird in der Ge­mein­de am Starn­ber­ger See ge­tu­schelt, wer da wohl wie­der in der Evan­ge­li­schen Aka­de­mie zu Gast sein mag, die in der herr­schaft­li­chen An­la­ge ih­ren Sitz hat.

Seit der Grün­dung als „Evan­ge­li­sches Frei­zei­ten­heim Schloss Tutz­ing“1947 ist ein zen­tra­ler Auf­trag auch 70 Jah­re spä­ter ge­blie­ben: Le­bens­fra­gen ge­mein­sam be­ra­ten und Klä­rung su­chen – so wur­de es da­mals for­mu­liert. Aber hin­ter den Schloss­mau­ern und im gro­ßen ma­le­ri­schen Park mit sei­nem jahr­hun­der­te­al­ten Baum­be­stand geht es ge­le­gent­lich auch lo­cker zu. Wil­ly Brandt und Franz Josef Strauß spa­zier­ten 1961 ge­müt­lich plau­dernd über die An­la­ge, Kon­rad Ade­nau­er ge­noss es 1963, im Park auf ei­nem Lie­ge­stuhl zu lie­gen, Richard von Weiz­sä­cker spiel­te spä­ter Tisch­ten­nis auf der Ter­ras­se. An­ge­la Mer­kel war schon mehr­mals zu Gast, eben­so Joa­chim Gauck. Als Egon Bahr in der Aka­de­mie 1963 von „Wan­del durch An­nä­he­rung“ sprach, ha­be der SPD-Po­li­ti­ker das Mot­to für die Ost­po­li­tik Wil­ly Brandts er­fun­den, sagt Aka­de­mie­di­rek­tor Udo Hahn stolz. Für ihn war es ei­nes der be­ein­dru­ckends­ten Er­leb­nis­se, als Bahr 50 Jah­re spä­ter noch ein­mal in der Aka­de­mie auf­trat. Un­ter den 17 Evan­ge- li­schen Aka­de­mi­en in Deutsch­land gibt es zwar kei­nen Wett­be­werb im Sinn ei­nes Ran­kings, wie Hahn sagt. Aber das Tutz­in­ger Haus nimmt ei­ne her­aus­ra­gen­de Stel­lung ein – nicht zu­letzt we­gen sei­nes „Po­li­ti­schen Clubs“und stets nam­haf­ter Per­sön­lich­kei­ten an des- sen Spit­ze. Zur­zeit ist das Wolf­gang Thier­se, un­ter sei­nen Vor­gän­gern wa­ren zum Bei­spiel Gün­ther Beck­stein, Hei­ner Geiß­ler, Hans Ei­chel und Theo Wai­gel.

Dank die­ser Be­zie­hun­gen wer­den auch oft an­de­re be­kann­te Po­li­ti­ker für die Teil- nah­me ge­won­nen. Und der Bo­gen wird noch viel wei­ter ge­spannt. Ei­ne De­le­ga­ti­on war 1962 beim ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten John F. Ken­ne­dy.

In ganz Bay­ern gibt es Freun­des­krei­se der Aka­de­mie, be­kannt sind „Kan­zel­re­den“in der Er­lö­ser­kir­che Mün­chen- Schwa­bing oder „Me­dien­treffs“im Münch­ner Pres­se­club. Kann so ei­ne Aka­de­mie wirk­lich et­was be­we­gen? „Da­von bin ich fest über­zeugt“, sagt Hahn. Die Ar­beit voll­zie­he sich „im vor­po­li­ti­schen Raum, wo et­was vor­be­rei­tet und dis­ku­tiert wer­den kann, ehe es zu ei­nem Ge­setz wird“. Die El­tern­zeit et­wa ge­he auf ei­ne Aka­de­mie­ta­gung zu­rück.

Mit der viel be­schwo­re­nen To­le­ranz, für die so­gar ein Preis ver­lie­hen wird, ist es je­doch manch­mal gar nicht so ein­fach. Als die Aka­de­mie vor Jah­ren den um­strit­te­nen Thi­lo Sar­ra­zin spre­chen ließ, sag­ten meh­re­re Re­fe­ren­ten ih­re Teil­nah­me ab. Ob es in Zei­ten se­kun­den­schnel­ler In­for­ma­tio­nen übers In­ter­net noch zeit­ge­mäß sei, für we­ni­ge Ta­ge an ein schö­nes See­ufer zu kom­men, frag­te Mün­chens Ex-Ober­bür­ger­meis­ter Chris­ti­an Ude ein­mal pro­vo­kant ne­ben­an in der Aka­de­mie für po­li­ti­sche Bil­dung. „Es ist nicht nur zeit­ge­mäß, son­dern auch not­wen­dig“, sagt Hahn da­zu. Sol­che „Rück­zugs­or­te“wür­den auch in Zu­kunft ge­braucht.

Auch in di­ver­sen so­zia­len On­line-Ka­nä­len ist die Aka­de­mie heu­te ver­tre­ten, so Face­book, Twitter und Youtube. Den­noch sind die 30- bis 50-Jäh­ri­gen schwer zu er­rei­chen, ge­steht Hahn. Der Al­ters­durch­schnitt der Be­su­cher ha­be sich zwar ver­jüngt, liegt je­doch im­mer noch bei 56,5 Jah­ren. Der Aka­de­mie­chef bricht aber ei­ne Lan­ze für die Äl­te­ren: Die Ge­ne­ra­ti­on der über 60-Jäh­ri­gen nut­ze en­ga­giert die Po­ten­zia­le des le­bens­lan­gen Ler­nens. Nach der Ver­ge­wal­ti­gung ei­ner 21-jäh­ri­gen Rad­fah­re­rin am 23. Ju­li auf dem Ro­sen­hei­mer Mang­fall­damm fahn­det die Kri­po nun mit ei­ner DNA-Spur nach dem Tä­ter. Um ihn zu fin­den, bit­ten die Be­am­ten Mit­te Ok­to­ber rund 800 Män­ner zur frei­wil­li­gen Ab­ga­be ei­ner Spei­chel­pro­be – sie sol­len sich un­mit­tel­bar vor und nach der Tat na­he dem Tat­ort auf­ge­hal­ten ha­ben. Die Strom­er­zeu­gung in der Geo­ther­mie-An­la­ge in Un­ter­ha­ching (Kreis Mün­chen) steht mög­li­cher­wei­se vor dem Aus. Grund ist of­fen­bar die tech­ni­sche An­fäl­lig­keit des eins­ti­gen Pres­ti­ge­pro­jekts. Die Ge­mein­den Un­ter­ha­ching und Grün­wald muss­ten Mil­lio­nen­be­trä­ge zu­schie­ßen. Das Haupt­ge­schäft der An­la­ge, die Fern­wär­me­lie­fe­rung, wird da­ge­gen auf je­den Fall wei­ter­lau­fen. Zwei Zoll­hun­de ha­ben bei zwei Kon­trol­len am Flug­ha­fen Mün­chen ins­ge­samt 17,5 Ki­lo Ma­ri­hua­na er­schnüf­felt: Schä­fer­hund „Vi­mo“fand 13 Ki­lo der Dro­ge bei ei­nem 53-jäh­ri­gen Grie­chen, der aus Bar­ce­lo­na ein­reis­te. La­b­ra­dor „Har­dy“spür­te bei ei­nem 54-Jäh­ri­gen aus Ma­li 4,5 Ki­lo auf.

FO­TOS: AKA­DE­MIE

Die Evan­ge­li­sche Aka­de­mie am Starn­ber­ger See: Das Schloss ist auch im­mer wie­der Schau­platz für Film­auf­nah­men – 2015 nutz­te der US-Re­gis­seur Oli­ver Sto­ne das Are­al für sei­nen Spio­na­ge­thril­ler „Snow­den“.

Die Aka­de­mie zu Be­such in den USA: Am 1. Mai 1962 be­such­te ei­ne De­le­ga­ti­on un­ter der Lei­tung des da­ma­li­gen Aka­de­mie­chefs Ro­land Fried­rich Mess­ner (r. ne­ben John F. Ken­ne­dy) den am­tie­ren­den US-Prä­si­den­ten.

Udo Hahn ist seit 2011 Di­rek­tor der Evan­ge­li­schen Aka­de­mie.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.