Ma­xi­mal aus­ge­kos­tet

Mu­si­ca-Vi­va-Rei­he ehrt Wil­helm Kill­may­er pos­tum

Muenchner Merkur - - KULTUR - VON AN­NA SCHÜRMER

Die Mu­si­ca Vi­va des BR wid­met sich der Neu­en Mu­sik in ih­rer glo­ba­len Viel­falt. Und doch ist sie ei­ne Münch­ner In­sti­tu­ti­on – wie Wil­helm Kill­may­er, der 20 Jah­re die Pro­fes­sur für Kom­po­si­ti­on an der Mu­sik­hoch­schu­le in­ne­hat­te. Ein Kon­zert zu sei­nem 90. Ge­burts­tag lag na­he; doch der „Welt­kom­po­nist mit Herz“starb und das Kon­zert „zu Eh­ren“Kill­may­ers wur­de zu ei­nem „in Me­mo­ri­am“, noch da­zu am Tag sei­ner Be­er­di­gung: Zu­fall mei­nen die ei­nen – hö­he­re Fügung an­de­re. Das passt zu John Ca­ge, dem Ze­re­mo­ni­en­meis­ter der Alea­to­rik. Nach dem Kon­zept sei­ner „Num­ber Pie­ces“schuf Ro­bert Moran mit „Four2+2“und „Four2+3“(1990/2017) für je­weils acht Stimm­grup­pen Neu­kom­po­si­tio­nen und doch ech­te Ca­ges: Mi­ni­ma­le Ton­vor­rä­te, ge­ord­net nur durch das Zeit­maß, wer­den ma­xi­mal aus­ge­kos­tet. Wa­bernd stei­gen die Klän­ge in das Ge­wöl­be der sehr gut be­such­ten Je­sui­ten­kir­che St. Micha­el auf, wo sie eben­so Re­so­nanz wie Re­le­vanz er­zeu­gen.

Ist Ru­pert Huber hier als Di­ri­gent zu­rück­ge­nom­men, prä­sen­tiert er sich in der Fol­ge als Kämp­fer für die Stim­me, mit dem Chor des BR als ge­wal­ti­gem Mit­strei­ter, der die prä­zi­sen und ei­gen­wil­li­gen Vor­ga­ben des In­di­vi­dua­lis­ten nu­an­ciert um­zu­set­zen weiß. Pro­gram­ma­tisch wer­den die kur­zen Sät­ze aus Wolf­gang Rih­ms „Mis­sa bre­vis“(2015) für Chor a cap­pel­la ver­schränkt mit Kill­may­ers „Lau­da­tu I-II“so­wie „Lau­da“(1967-69) für ge­misch­ten Chor. Das von au­ßen lan­cier­te Kon­zept ent­puppt sich als span­nen­de Ver­bin­dung: hier der fast neo-spät­ro­man­ti­sche Rihm mit sei­ner post­mo­dern wu­chern­den Po­ly­pho­nie, da das mu­tig zu­rück­ge­nom­me­ne, Klän­gen in­ten­siv nach­lau­schen­de Chor­werk Kill­may­ers – sie klin­gen nach. Die Kill­may­er-Pas­sa­gen die­ser Me­lan­ge wer­den von ei­nem tie­fen Or­gel­ton un­ter­legt, in Gi­a­c­in­to Scel­sis „In no­mi­ne lu­cis“wird Peter Kof­ler an der Or­gel zum Licht­be­schwö­rer: Auch hier do­mi­nie­ren Lie­ge­tö­ne, die sich drän­gend ent­wi­ckeln und das be­rüh­ren­de Re­qui­em zu Eh­ren Kill­may­ers aus­klin­gen las­sen.

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