Der Men­schen­freund

Schau­spie­ler Andre­as Schmidt ver­starb nach lan­ger Krank­heit mit 53

Muenchner Merkur - - KULTUR -

Stell dir vor, du wachst am Mor­gen auf und ein lan­ger Lu­latsch im Un­ter­hemd be­grüßt dich mit dem Satz: „Is’ dir klar, watt die Nacht je­lau­fen is’?“Andre­as Schmidt spiel­te die­sen Ber­li­ner Lkw-Fah­rer in Andre­as Dre­sens „Som­mer vorm Bal­kon“so un­nach­ahm­lich, dass man sich frag­te: Ist das jetzt Schau­spiel­kunst, oder ist der Typ wirk­lich so? Sei­ne Auf­trit­te in Fil­men un­ter­schied­li­cher Gen­res lie­fer­ten die Ant­wort: Der Schau­spie­ler konn­te nicht nur Ber­li­ner Schnau­ze, son­dern auch Agen­tin (!) in „Timm Tha­ler oder das ver­kauf­te La­chen“(er­neut un­ter der Re­gie von Dre­sen), Stim­mungs­band­sän­ger in „Fleisch ist mein Ge­mü­se“(Deut­scher Film­preis als bes­ter Ne­ben­dar­stel­ler) oder ei­nen Fäl­scher im gleich­na­mi­gen, Os­car-prä­mier­ten Dra­ma von Stefan Ru­zo­witz­ky.

Wie nun be­kannt wur­de, ist Andre­as Schmidt am Don­ners­tag nach lan­ger Krank­heit mit nur 53 Jah­ren ver­stor­ben. Der RBB zeigt da­her an die­sem Sams­tag um 22.20 Uhr „Som­mer vorm Bal­kon“.

Den Ber­li­ner nahm man ihm im­mer ab. Ob­wohl Schmidt ge­nau ge­nom­men Sau­er­län­der war – ge­bo­ren 1963 in Heg­gen. Auf­ge­wach­sen aber ist er im Mär­ki­schen Vier­tel, ei­nem Hoch­haus­quar­tier am Rand der Haupt­stadt. Ne­ben Auf­trit­ten im Fern­se­hen („Tat­ort“) spiel­te er Thea­ter in Dort­mund, Mann­heim, Bonn und Berlin. Für die Ber­li­ner Ko­mö­die und das Thea­ter am Kur­fürs­ten­damm in­sze­nier­te Schmidt auch selbst zahl­rei­che Stü­cke.

Andre­as Schmidt hin­ter­lässt ei­ne Frau und ei­nen neun Jah­re al­ten Sohn. Und vie­le Kol­le­gen, die sich be­stürzt zei­gen. „Ich ver­lie­re ei­nen en­gen Freund. Er hat­te im­mer ein gro­ßes Herz für Men­schen, die nicht auf der Son­nen­sei­te des Le­bens ste­hen“, sag­te Andre­as Dre­sen.

FO­TO: DPA

Andre­as Schmidt

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